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BEITRÄGE 2015
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02.12.2015
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Historische Straßennamen für die „Neue Johannisvorstadt“
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Sandro Schmalfuß hat bei der Stadtverwaltung Chemnitz und den Ratsfraktionen Vorschläge für Straßennamen im geplanten neuen Quartier „Neue Johannisvorstadt“ im Chemnitzer Stadtzentrum eingereicht. Der Planungsentwurf für das Quartier war im Rahmen des Gutachterverfahrens zur Weiterentwicklung der Innenstadt erarbeitet wurden und sieht vier Karrees an der Johanniskirche vor. Stadtverwaltung und Stadtrat planen derzeit für 2016 Baurecht für das neue Quartier zu schaffen.
Der Vorschlag für die Straßenamen sieht vor, die historischen Straßennamen des alten Quartiers, das ab Ende der 1960er Jahre abgerissen wurde, wieder aufzunehmen sowie bei neuen Straßennamen einen Bezug zur Historie des Quartiers herzustellen. Ziel ist es, damit attraktive Adressierungen schon während der Investorensuche zu schaffen, insbesondere aber Identität für das neue Quartier und die Chemnitzer Innenstadt herzustellen.
Vorgeschlagen wurde, den Namen Hospitalstraße für eine im neuen Quartier nahe des Verlaufs der historischen Straße, verlaufende neue Straße, wieder zu verwenden, den Namen Kirchweg für die neue Straße, die von der Augustusburger Straße zur Johanniskirche verlaufen wird, wieder zu verwenden, den kleinen Platz an der Johanniskirche „Johanniskirchplatz“ zu nennen und den im Quartier neu angelegten alten Verlauf der Augustusburger Straße, „Am Goldnen Anker“ zu nennen um an die einst bekannte Kreuzung „Anker“ und das dort ansässige „Hotel Goldner Anker“ zu erinnern. Beides befand sich ehemals auf der zu bebauenden Fläche an der Johanniskirche.
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Straßenschild „Kirchweg“, um 1965
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09.10.2015
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Loggien + eine Erinnerung an den "Brühl-Boulevard" für den neuen Brühl
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Die recht schlichte Architektur des Gebäudes Brühl 51 sollte durch die Öffnung der Fassade im Eckbereich des Gebäudes und die Anordnung von Loggien, ausgestattet mit freihängenden Außenleuchten und individuell sowie künstlerisch gestalteten Geländern, in ihrer städtebaulichen Wirkung, aufgewertet werden. Es sollte ein Wiedererkennungseffekt, ein Alleinstellungsmerkmal entstehen, welches die Identifikation der Bewohner und Anwohner mit „ihrem Viertel“ fördert. Zudem soll der Mieter durch diese Entwurfsidee einen großartigen Ausblick auf den Brühlboulevard und sein unmittelbares Zentrum erhalten. Durch eine, auch kommunikative Durchdringung von Wohn- und dem interessantem, belebte Außenbereich sollen diese Wohnungen ihrerseits zur Belebung des Quartiers beitragen.
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Von Beginn der Entwurfsarbeiten an stand fest, dass die Geländer der Loggien dem Gebäude seinen wesentlichsten Reiz verleihen sollten. Dabei war es dem verantwortlichen Architekturbüro Preißler aus Burgstädt wichtig, neben einer handwerklich, künstlerischen Arbeit auch einen gewissen Symbolgehalt in die Arbeit einfließen zu lassen. Als Entwurfsgedanke stand ein Bezug auf Chemnitz, aber besser noch auf den Brühl an sich, auf dem Reißbrett der Architekten.
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Eine Nachfrage bei dem engagierten Heimat- und Denkmalschützer Sandro Schmalfuß führte zu der Idee, die ehemals sehr bekannten Werbeträger der einstigen Geschäfte in die Balkongeländer „einzuarbeiten“. Eine Gelegenheit, die bekannte Vergangenheit der Straße auch am neuen Brühl weiter leben zu lassen. Das was die Straße in der Zeit des „Brühl- Boulevards“ ausmachte, waren eben die vielen hochwertigen Geschäfte und gastronomischen Einrichtungen.
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Trotz umfangreicher Recherchen in privaten und öffentlichen Chemnitzer Archiven war es letztendlich nur Dank der großen Fotosammlung von Sandro Schmalfuß möglich, einige bekannte Firmenlogos grafisch zu rekonstruieren und für den Geländerentwurf zu nutzen.
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Neben dem Brühl-Logo wurden die einstigen Symbole der Gockelbar, des Goldtröpfchens, der Pinguin Eisbar sowie des bekannten Café Brühl in die Geländer eingearbeitet. In Zusammenarbeit mit der Burgstädter Firma Metallbau & Kunstschmiede Thomas Koch wurden die Geländerstäbe als stilisierte Ginkgo Zweige ausgeführt. Der Ginkgo, Baum des Jahrtausends, steht für Frieden und Gesundheit und hat damit einen nicht unbedeutenden Bezug zur Gegenwart.
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Jörg Preißler, Architekturbüro Preißler
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29.09.2015
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Informationsstelen zur Geschichte der Chemnitzer Innenstadt
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Mit einem gemeinsamen Antrag der Fraktionen Vosi/Piraten, SPD, Die Linke und der CDU- Ratsfraktion steht zu einer der nächsten Stadtratssitzungen die Umsetzung von Informationsstelen zur Geschichte der Chemnitzer Innenstadt zur Abstimmung.
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Zur Unterstützung und Herausbildung eines Alleinstellungsmerkmales für die Chemnitzer Innenstadt und zu deren positiven Imageentwicklung bei überregionalen Besuchern und den Einwohnern der Stadt soll die Stadtverwaltung mit der konzeptionellen Planung für Informationsstelen zur Geschichte der Chemnitzer Innenstadt bis zum 01.03.2016 beauftragt werden. Ziel ist die Umsetzung von mindestens fünf Stelen bis zur 875. Jährung der ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt Chemnitz im Jahr 2018.
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Als Standorte für die ersten fünf Stelen werden vorgeschlagen:
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- Markt/Neumarkt mit Information zur historischen Bebauung des Marktes und zu den Rathäusern
- Johannisplatz mit Information zu dem einst bedeutenden Platz und zum Johannistor
- Der ehemalige Standort des Stadttheaters Chemnitz an der Theaterstraße mit Informationen zum Stadttheater, zum Klostertor, zur Inneren und Äußeren Klosterstraße
- Rosenhof mit Information zum ehemaligen Holzmarkt, Marktgässchen und Rossmarkt
- Straße der Nationen mit Information zur Entwicklung der Straße seit dem frühen 19. Jahrhundert und zur Königstraße

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Die fachliche Umsetzung der Inhalte der Stelen soll federführend durch die Stadtverwaltung Chemnitz und deren Historikern, des Stadtarchivs Chemnitz und des Schloßbergmuseums Chemnitz durchgeführt und koordiniert werden. Inhaltlich soll anhand von Grafiken und Fotografien ergänzt durch Texte, die Entwicklung der jeweiligen Teile der Innenstadt anhand der Zeitmarken 1840 (erste grafische Aufnahmen aus der Innenstadt), 1900, 1930, 1945 und 1965 dargestellt werden.
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Das Design der Stelen soll von der Stadtverwaltung Chemnitz bis zum 31.06.2016 über einen Wettbewerb gefunden werden. Ziel ist die Beauftragung Chemnitzer Künstler. Blindenschrift soll Sehbehinderten das Lesen der Texte ermöglichen.
Finanziert werden sollen die ersten fünf Stelen durch die Stadt Chemnitz u. a. über Fördermöglichkeiten. Die weiteren Stelen sollen durch Sponsoren finanziert werden. So sind Stelen am ehemaligen Beckerplatz, am Falkeplatz und am Brühl angedacht.

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Fotografien: Informationsstelen in Bayreuth, Dessau und Leipzig
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26.09.2015
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Runder Tisch zur baulichen Innenstadtentwicklung
mit den Fraktionsvorsitzenden

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Am 16.07.2015 lud die Fraktionsgemeinschaft Vosi/Piraten die Fraktionsvorsitzenden der Ratsfraktionen im Chemnitzer Stadtrat zu einem Runden Tisch ein um gemeinsam die weitere bauliche Innenstadtentwicklung zu besprechen. Kern der von Sandro Schmalfuß und Lars Fassmann moderierten Gespräche war der Umgang mit noch unsanierter Bausubstanz in der Innenstadt, die Entwicklung der offenen Baufelder am Getreidemarkt und die Aktivierung der Eigentümer von Brachflächen und Gebäuden in der Innenstadt, die bisher noch nicht im Fokus der Innenstadtentwicklung standen.
Im Detail verdeutlichen die nachfolgenden Folien, die Defizite und Aufgaben, welche die Fraktionsgemeinschaft bzgl. der Innenstadtentwicklung sieht. Bei einem zweiten Termin wurden die Folien Baubürgermeister Michael Stötzer vorgestellt.

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Ein Termin für einen zweiten Runden Tisch zur Innenstadtentwicklung befindet sich derzeit in Abstimmung.
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Link zur Präsentation (Klick auf die Folien)
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06.09.2015
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Ehemalige Solbrigsche Fabrikschule in Chemnitz-Harthau - Eine künstlerische Rekonstruktion des Gebäudes im Zustand von 1836
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Gemälde: Dr. Benita Martin, in Zusammenarbeit mit Sandro Schmalfuß
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04.08.2015
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Gutachterverfahren zur städtebaulichen Weiterentwicklung der Innenstadt
im Umfeld der Bahnhofstraße und Brückenstraße – Eine Einschätzung

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Im Rahmen eines Gutachterverfahrens hat die Stadt Chemnitz seit August 2014 (mit Vorbereitung) mit vier aus Stadtplanern, Architekten sowie Landschaftsarchitekten und Verkehrsplanern bestehenden Planungsteams, Ideen für die weitere städtebauliche Entwicklung der Innenstadt entwickelt.
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Das Ergebnis des Gutachterverfahrens liegt nun vor. Zum Siegerentwurf hat die Expertenrunde den Entwurf des Büros:
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lohrer . hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München/ Magdeburg in Partnerschaft mit löhle neubauer architekten bda, Augsburg und ambrosius blanke verkehr.infrastruktur, Bochum
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bestimmt.

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Betrachtet wurden die zukünftigen Baufelder in der Innenstadt:
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F4 (Freifläche zwischen dem ehemaligen Kaufhaus Schocken/smac und dem Johannisplatz)
E3 (heute Parkplatz am Tietz)
E4 (heute Parkplatz an der Johanniskirche)
J5 (Freifläche zwischen dem Gebäude am Karl-Marx-Monument und den Kunstsammlungen Chemnitz)

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Baufeld F4 (Freifläche zwischen dem ehemaligen Kaufhaus Schocken/smac und dem Johannisplatz)
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Das Baufeld existiert seit dem Rahmenbebauungsplan für die Chemnitzer Innenstadt aus dem Jahr 2000. Ziel der Bebauung dieser Fläche ist der Lückenschluss zwischen dem ehemaligen Kaufhaus Schocken/smac und dem ehemaligen Gebäude der Landeszentralbank am Johannisplatz. Das Baufeld bildete im Rahmenbebauungsplan 2000 eine städtebauliche Einheit mit dem benachbarten Baufeld F3. Die Bahnhofstraße erhielte mit der Umsetzung eines Bauprojektes auf diesen Baufeldern eine geschlossene bauliche Ansicht.
In den vergangenen 15 Jahren war es den Eigentümern der Fläche, Stadt Chemnitz und GGGmbH, nicht gelungen, Investoren für das Baufeld F4 zu finden. Mit dem Bau des Parkhauses am Johannisplatz entschied der Stadtrat der Stadt Chemnitz das Baufeld F3 aufzuheben. Dort sind nachfolgend die Zufahrt zum Parkhaus am Johannisplatz und ein Spielplatz gebaut worden.
Das Baufeld war im Jahr 2012 im Fokus des Kuratoriums  für Stadtgestaltung.
Die Oberbürgermeisterin der Stadt Chemnitz stellte nachfolgend die Entwicklung des Baufeldes F4 in den Fokus der baulichen Innenstadtentwicklung.
Der Bau eines Gebäudes auf dem Baufeld F4 wurde seitdem nicht umgesetzt. 2014 ist auf dem Baufeld eine aufwendige Zaunanlage mit Fotografien aus der Geschichte des benachbarten ehemaligen Kaufhauses Schocken gebaut wurden.

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Der Siegerentwurf im Gutachterverfahren befasst sich mit dem Baufeld und übernimmt den Planungsentwurf aus dem Jahr 2000. Das Baufeld F3 ist wieder Bestandteil der vorgesehenen Bebauung am Ort. Die zwischenzeitlich diskutierte Variante und in zwei der anderen Entwürfe im Planungsverfahren zu sehende Bebauung zwischen dem „Chemnitz-Plaza“ und der historischen Dresdner Bank am Johannisplatz, wird nicht weiter verfolgt. Das befürworten wir.
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Vermutlich wegen der Zufahrt zum Parkhaus Johannisplatz rücken die beiden Baufelder im Siegerentwurf in Richtung des ehemaligen Kaufhaus Schocken/smac. Das hat im Siegerentwurf zur Folge, dass sich die Baulinie am Zuweg zum Johannisplatz hinter der Brandmauer des ehemaligen Gebäudes der Landeszentralbank  befindet. Der Baukörper des Reihengründerzeithauses steht im Siegerentwurf frei. Auch auf der anderen Seite ist die Bebauung im Entwurf zwischen dem Rawema-Haus und dem ehem. Gebäude der Landeszentralbank zurückversetzt. Eine Situation, die real gar nicht existiert (Neubau/Vapiano).
Der Entwurf von studio2 architekten sieht hier die Einbindung des Gebäudes in die neue Bebauung vor.

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Der Siegerentwurf für das Baufeld F4 sollte nach unserer Ansicht nicht umgesetzt werden, sonst steht das  Gebäude der ehemaligen Landeszentralbank weiterhin frei und man würde auch mit einem vorgebauten neuen Gebäude auf dem Baufeld F3, wie heute auf die nackte Brandmauer des Gebäudes der ehemaligen Landeszentralbank schauen.
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Baufeld E3 (heute Parkplatz am Tietz)
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Das Baufeld existiert seit dem Rahmenbebauungsplan für die Chemnitzer Innenstadt aus dem Jahr 2000. Ziel eines Neubaus auf der Fläche ist die Weiterführung der Bebauung an der Bahnhofstraße neben dem ehemaligen Kaufhaus Tietz; das Herstellen einer geschlossen bebauten Straßenfront an der Bahnhofstraße. Das Baufeld E3 berührt weiterhin die Straßen Wiesenstraße, Zschopauer Straße, Moritzstraße.
In den vergangenen 15 Jahren wurde seitens der Stadt keine Entwicklung des Baufeldes E3 angestrebt.

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Der städtebauliche Entwurf aus dem Jahr 2000 sah ein Karee vor, welches das gesamte Baufeld einnimmt und geschlossen an der Wiesenstraße, Zschopauer Straße und Moritzstraße steht.
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Der Siegerentwurf im Gutachterverfahren teilt das Baufeld in zwei Teile:  einem Karree an der Moritzstraße und einem Gebäude an der Bahnhofstraße. Es ist anzunehmen, dass das Gebäude an der Bahnhofstraße Büros und das Karree an der Moritzstraße Wohnungen aufnehmen soll. Funktional ist das in Ordnung.
Der Entwurf sieht weiterhin einen kleinen Platz gegenüber des ehemaligen Haupteingangs des Tietz an der Moritzstraße vor, sowie die Weiterführung einer Querung in das geplante Viertel an der Johanniskirche.

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Das Modell, wie im Entwurf an der Wiesenstraße, Zschopauer Straße, Moritzstraße baulich unterbrochene Straßenfronten herzustellen, kann man gut finden. Wir finden es nicht gut. Die Chemnitzer Innenstadt braucht unserer Ansicht nach eine bauliche Geschlossenheit.
Der Entwurf des Büros pesch partner für ein geschlossenes Karree auf dem Baufeld überzeugt hier unserer Meinung nach mehr und schließt eine Nutzungsteilung auch nicht aus.

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Baufeld E4 (Parkplatz an der Johanniskirche)
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Das zukünftige Baufeld hat, ob seiner Lage, seiner Historie und der Nachbarschaft zur Johanniskirche einen besonderen Anspruch auf Qualität. Die bis ca. 1967 auf dem Arial erhaltene historische Bebauung, mit Gebäuden aus dem 17. – 19. Jahrhundert, musste damals den städtebaulichen Planungen in Karl-Marx-Stadt weichen.
Der Siegerentwurf zeigt vier Karrees, die zu den Hauptverkehrsstraßen großteilig und nach der Johanniskirche kleinteilig gegliedert sind. Die Anlage der Karrees war durch die Raumkanten zur Bahnhofstraße und zur Augustusburger Straße, sowie durch den Verlauf der alten Augustusburger Straße, die unterirdisch den Gablenzbach mitführt, vorgegeben.

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Anlage und Gliederung der vier Karrees sind gelungen. Zur Konkretisierung des Entwurfs schlagen wir eine Behandlung der Johanniskirche, deren um 1975 reduzierte Architektur (u. a. der verkürzte Turm) im Zuge eines Neuaufbaus des Viertels nach unserer Auffassung keine Zukunft mehr haben kann, vor. Wünschenswert wäre weiter eine Offenlegung des Gablenzbachs.
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Der „Beschleuniger“, eine Bebauung des Stadthallenparks
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Die Idee einer Bebauung des Stadthallenparks zur baulichen Verdichtung der Innenstadt existiert seit der Nachwendezeit. Sie wurde immer wieder verworfen.
Das Gutachterverfahren betrachtete das zukünftige Baufeld J5 (Freifläche zwischen dem Gebäude am Karl-Marx-Monument und den Kunstsammlungen Chemnitz) und in dem Zusammenhang die Frage nach der Verbesserung der Anbindung des Innenstadtbereichs oberhalb der Brückenstraße zum Kern der Innenstadt.  Dabei wurden der Stadthallenpark und die breite Brückenstraße als Barrieren definiert.
Zwei der Büros entwickelten mit unterschiedlichen Konzepten den Entwurf für einen „Beschleuniger“ - sprich den Neubau eines Einkaufszentrums auf dem Stadthallenpark, um Kunden und Fußgänger in Richtung Straße der Nationen und Brühl zu leiten. Ein Büro sah den Lösungsansatz in der Erweiterung des Stadthallenparks über die Brückenstraße.

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Der ursprünglich als „Zentraler Platz“ für politische Aufmärsche geplante Stadthallenpark war damals Teil eines ganzheitlichen städtebaulichen Entwurfs, der innerhalb der Planung zum Neuaufbau des Karl-Marx-Städter Stadtzentrums entwickelt wurde. Der um 1970 umgesetzte Entwurf umfasst die den Stadthallenpark rahmenden Gebäude der Stadthalle, das Hotelhochhaus, das ehemalige Industriezentrum Karl-Marx-Stadt (Rawema-Haus) und den Gebäudekomplex hinter dem Karl-Marx-Monument des damaligen Rates des Bezirkes und der SED Bezirksleitung. Das Karl-Marx-Monument und die angrenzenden Gebäude und Freiflächen stehen seit 1994 unter Denkmalschutz.
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Eine Bebauung des Stadthallenparks lehnen wir ab. Die Ansicht der Generation 50 +, Innenstädte nur und mit noch mehr Einzelhandel beleben zu können, ist nicht mehr zeitgemäß und entspricht nicht der Lebenswirklichkeit der jüngeren Generationen. Diese wollen nach unserer Einschätzung nicht durch Konsum „beschleunigt“ werden. Vielmehr sind der Stadthallenpark und das mit ihm verbundene städtebauliche Konzept längst im „neuen“ Chemnitz angekommen. Die Qualität des grünen Parks in der Innenstadt ist in Chemnitz über alle Generationen anerkannt. Der Stadthallenpark wird für jeden, auch in diesem Sommer erlebbar, gerne zur Erholung und für Veranstaltungen genutzt. Ein Alleinstellungsmerkmal der Innenstadt, das die vielen Einkaufszentren in Chemnitz nicht anbieten können.
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Wie würde ein Bau im Stadthallenpark, der wahrscheinlich nicht die Traufhöhe der umgebenden Bauten haben kann, von der Brückenstraße und der Straße der Nationen aussehen? Das wäre nach unserer Ansicht eine bauliche Verdichtung an der falschen Stelle.
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Baufeld J5 (Freifläche zwischen dem Gebäude am Karl-Marx-Monument und den Kunstsammlungen Chemnitz)
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Mit der Aufgabe des Vorhabens den Gebäudekomplex hinter dem Karl-Marx-Monument mittels Bürobauten in Richtung Kunstsammlungen zu erweitern, entstand Bedarf nach einer städtebaulichen Idee zur Entwicklung des Areals mit Wohnbauten. Es ist nach unserer Kenntnis die vierte städtebauliche Ideenfindung für das Areal im Auftrag der Stadt in den letzten 20 Jahren.
Die Freiflächen zwischen dem Bürokomplex hinter dem Karl-Marx-Monument und den Kunstsammlungen entstanden durch Kriegszerstörungen 1945 und Abriss in den späten 1960er Jahren. Die historische Bebauung, entstanden als Planstadt um 1820, war als Karree-Bebauung angelegt. Im Bereich der Mühlenstraße befanden sich zwei Plätze (Friedrichsplatz, Antonplatz).

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Der Siegerentwurf zeigt drei Karrees und drei frei stehende Gebäude zwischen der Straße der Nationen und der Mühlenstraße. Der Entwurf nimmt die alten Verläufe der Gartenstraße und der Zimmerstraße nicht auf. Dafür ist innerhalb des Quartiers ein Platz geschaffen, der auch vom Durchgang hinter dem Karl-Marx-Monument erreicht werden kann. Die Käthe-Kollwitz-Straße hat anders wie noch im letzten städtebaulichen Entwurf für das Areal vom Büro Peter Koch, keine einheitliche Baulinie, die Gebäude an der Straße sind nach vorn und zurück gesetzt.
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Unverständlich ist der im Entwurf im Hof der IHK Chemnitz gezeigte Bau. Dieser würde bei einer Umsetzung die Sicht aus den zum Hof liegenden Seminarräumen im IHK-Gebäude beträchtlich einschränken und andersherum für den Neubau kaum Spielraum für die Belichtung der zwei zum IHK - Gebäude gewandten Gebäudeseiten lassen.
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Eine Qualität des städtebaulichen Entwurfs vom Büro Peter Koch war, dass die neuen Gebäude ohne Berührung der Plattenbauten der GGG hätten umgesetzt werden können und diese sogar innerhalb der neuen Platzgestaltung des Friedrichsplatzes sinnvoll mit eingebunden waren. Für die Umsetzung des Siegerentwurfs von Lohrer müsste nach unserer Auffassung für den Bau eines der zentralen Wohnkarrees der Plattenbau der GGG hinter dem Heckert-Haus abgerissen werden. Das macht das ganze Projekt wahrscheinlich unmöglich, weil der Abbruch des Gebäudes schon aus mietrechtlichen Gründen und auch aus wirtschaftlichen Gründen kaum umsetzbar ist. Es stellt sich die Frage, wer dann die anderen beiden Karrees, genau hinter dem Bürokomplex, als Wohnkarrees bauen soll. So ein Projekt ist nach unserer Einschätzung für Immobilienentwickler ob der Lage und des fehlenden städtebaulichen Zusammenhangs wenig attraktiv.
Unverständlich ist auch, warum die Rekonstruktion des ehemaligen Reihenhauses „Heckert-Haus“ nicht wie im Koch-Entwurf in die Bebauung des neuen Friedrichsplatzes eingebunden ist, sondern frei stehen bleibt und stattdessen hinter dem Heckert-Haus nochmals ein frei stehendes Gebäude vorgesehen ist. Das ist städtebaulich nach unserer Auffassung wenig attraktiv. Ggf. hat es damit zu tun, das der Stadtrat der Stadt Chemnitz erst jüngst einem Verkauf des Heckert-Hauses auf einem Flurstück, das nicht an den beiden Brandgiebeln des Hauses endet, zugestimmt hat.

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Fazit
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Die große Erkenntnis aus dem Gutachterverfahrens ist, das anders als wie bisher von der Verwaltung und vom Stadtrat vorgesehen, die Innenstadt nicht nur mit neuen Gewerbeflächen baulich weiterentwickelt werden kann, sondern auch mit Wohnungen. Hier hat sich in den letzten Jahren in Chemnitz der Bedarf verändert, was neue Möglichkeiten eröffnet, die großen Freiflächen im Stadtzentrum zu bebauen.
Warum aber ein fast ein Jahr andauerndes, zeit- und kostenintensives Gutachterverfahren zur weiteren baulichen Innenstadtentwicklung? Die Stadtverwaltung wollte verschiedene Meinungen hören und hat Planer in der Praxis für die Erstellung der Entwurfsplanungen eingeladen und hochgradige Akademiker des Fachbereichs verpflichtet die Entwürfe zu bekleiden und zu moderieren. Stadträte aus dem Bauausschuss der Stadt Chemnitz haben das Gutachterverfahren als Sachgutachter bekleidet und sogar der Sprecher des Stadtforums Chemnitz war als Fachgutachter eingebunden.
Ob des Aufwandes für das Gutachterverfahren ist dessen Ergebnis fraglich. Die Detailplanung für das Gebäude auf dem Parkplatz am Tietz halten wir für überflüssig. Außer Raumkanten und Traufhöhe, sowie Art der Nutzung wird man hier einem Investor, wenig vorgeben können. Nicht aber die im Entwurf gezeigte Aufteilung der Gebäude. Der Entwurf für das Baufeld F4 ist im Grunde der, aus dem Rahmenbebauungsplan für die Chemnitzer Innenstadt aus dem Jahr 2000. Er ist aber nach unserer Ansicht ungünstiger, weil er die Brandmauer des ehemaligen Bankgebäudes am Johannisplatz sichtbar lässt. Das Baufeld F 3, vom Stadtrat selbst mit einem Beschluss aus dem Bebauungsplan radiert und nachfolgend teuer mit einem Spielplatz bebaut, ist nun (sinnvollerweise) wieder da …
Die Anlage der vier Karrees an der Johanniskirche ist gelungen, hätte aber nach unserer Auffassung vom Stadtplanungsamt auch selbst gezeichnet werden können. Die Entwürfe für einen Bau auf dem Stadthallenpark und für die Gebäude hinter der Parteifalte sollten nach unserer Einschätzung nicht umgesetzt werden oder sind nicht umsetzbar.
Nun stellt sich uns die Frage, warum überhaupt weitere Planungsentwürfe für die Innenstadtentwicklung angefertigt wurden. Die Kernstadt hat in den letzten Jahren, seit dem Neubau der Gebäude am Wall, keine weiteren sinnvollen Neubauten gesehen. Eine wirksame Investorenwerbung für die Innenstadtbaufelder ist nicht organisiert.
Trotzdem sind in den letzten Jahren umfangreiche weitere städtebauliche Planungen für den Innenstadtbereich im Auftrag der Stadt angefertigt worden: Planungen für das Gebiet zwischen Innenstadtkern und Brühl, zwischen Brühl und Schloßteich und jetzt das Gutachterverfahren - viele Pläne aber fast null Baugeschehen.

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25.01.2015
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Antrag an den Stadtrat der Stadt Chemnitz über das Antragsportal für Bürger, Openantrag der Fraktion im Chemnitzer Stadtrat Vosi/Piraten
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Wiederaufnahme des Baufeldes F3 in den B-Plan für die Chemnitzer Innenstadt
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Wir beantragen, dass der Stadtrat der Stadt Chemnitz für die Wiederaufnahme des Baufeldes F3 in den B-Plan für die Chemnitzer Innenstadt stimmt.
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Begründung: Der ursprüngliche Planungsentwurf für die Neubebauung der Chemnitzer Innenstadt aus dem Jahr 2000 sah zwischen dem Chemnitz – Plaza und dem Kaufhaus Schocken eine geschlossene neue Bebauung vor. Ziel war, der Bahnhofstraße eine städtebaulich geschlossene und großstädtische Ansicht zu geben. Dem vorgesehenen Gebäude auf Baufeld F3 kam diesbzgl. eine besondere Rolle zu. Ein Neubau dort sollte den Johannisplatz städtebaulich von der Bahnhofstraße trennen und angelehnt an die historische Bebauung des Johannisplatzes, diesen baulich wieder als Platz abschließen. Die im Erdgeschoss des Gebäudes möglichen Geschäfte würden dem Johannisplatz und der Bahnhofstraße fußläufig zwischen Kaufhaus Schocken und der Zentralhaltestelle stärker als Einzelhandelsstandort in die Innenstadt integrieren.
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Heute, nach dem Bau und Umbau der Gebäude am Johannisplatz, sehen wir an den Leerständen dort, dass diese Gebäude nicht ausreichen um städtebauliche Qualität und einen funktionierenden Einzelhandelsstandort herzustellen.
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Mit dem Bau eines Gebäudes am Standort Baufeld F3 wäre zudem die Möglichkeit gegeben, die nicht besonders gelungene Ansicht des Parkhauses neben der historischen Dresdner Bank in einem gewissen Maße zu korrigieren.
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Das Baufeld F3 wurde im Rahmen des Baus des Parkhauses am Johannisplatz aufgegeben. Wir schlagen eine Prüfung vor, wie das Baufeld trotz der notwendigen Zufahrt zum Parkhaus angepasst, neu dargestellt und in den B-Plan für die Innenstadt aufgenommen werden kann.
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Zustand 2014. Ohne eine Baufeld F3 und einen Neubau dort würde nach einer Bebauung des aktuell oft diskutierten Baufeldes F4, zwischen diesem Neubau und dem Chemnitz-Plaza eine Lücke klaffen mit einem offenem Blick auf das Parkhaus.
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20.01.2015
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Fachforum zum Eisenbahnviadukt Annaberger Straße
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Nach dem 2. Bürgerforum zum Eisenbahnviadukt an der Annaberger Straße (Chemnitztalviadukt) am 27. November 2014 hat sich im Dezember die in den beiden Bürgerforen initiierte Expertenrunde zu einem Fachforum bei der DBAG in Berlin getroffen.
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Teilnehmer waren:
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Prof. Geißler, GMG
Prof. Lorenz, BTU Cottbus
Prof. Stroetmann, Krebs&Kiefer GmbH
Dr. Streetz, Landesamt für Denkmal
Herr Oertel, Krebs&Kiefer GmbH
Herr Hofmann, Stadtrat a.D.
Herr Fröhlich, DB Netz AG
Herr Kleemann, DB ProjektBau GmbH
Herr Buchmann, DB ProjektBau GmbH
Herr Dr. Tusche, DB ProjektBau GmbH
Herr Dix, DB ProjektBau GmbH

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Die Stadtverwaltung Chemnitz informiert, dass noch kein abschließendes Ergebnis aus dem Fachforum vorliegt. Zu den offenen Fragen wurden weitere Arbeitsaufträge erteilt. Nach Kenntnisstand der Stadtverwaltung soll es im Februar ein erneutes Treffen der Expertenrunde geben. Noch im Januar haben sich Vertreter der DB Projekt Bau im Dezernat 6 zu einem informellen Gespräch angemeldet.
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Wir bitten weiter um die Zeichnung der neuen Online-Petition „Chemnitztalviadukt - Politik soll handeln“:
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[Link]
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Sandro Schmalfuß
stadtbild chemnitz

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