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BEITRÄGE 2012
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24.11.2012

Chemnitzer Neumühle gerettet

Der Erhalt der überkommenen Bausubstanz am Standort der ehemaligen Chemnitzer Neumühle war mir trotz der erschwerten Vorgaben durch die bisherigen Eigentümer besonders wichtig. Nach 1,5 Jahren Arbeit daran ist es nun geschafft. Ich konnte den Verkauf vermitteln, das Baudenkmal hat einen neuen Eigentümer. Erste Sicherungsmaßnahmen der Bausubstanz finden schon statt. Die fast 10 Jahre andauernde Absperrung des Fußwegs vor dem Gebäude wird demnächst abgebaut.

Bei dem Gebäude an der Georgstraße handelt es sich um einen Erweiterungsbau, Baujahr um 1870 des Komplexes der ehemaligen Chemnitzer Neumühle. Das historische Mühlengebäude selbst wurde vermutlich im 2. Weltkrieg zerstört. Die Chemnitzer Neumühle versorgte, zusammen mit der Nikolaimühle und der Klostermühle, über Jahrhunderte die Chemnitzer Bevölkerung mit Mehl. Mit der Sanierung des Gebäudes bleibt einer der ältesten Chemnitzer Gewerbestandorte mit neuer Nutzung als Wohnhaus erhalten. Perspektivisch soll die Sanierung in den nächsten 2 Jahren beginnen. Die Rekonstruktion der heute nicht mehr vorhandenen historischen Fassaden des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes ist vorgesehen. Auf dem Areal entstehen weiter eine Freizeitfläche und Stellplätze für die Mieter. Beim neuen Eigentümer und bei der Chemnitzer Denkmalbehörde habe ich den Erhalt der auf dem Grundstück stehenden Mauerreste der alten Neumühle, sowie eine Informationstafel zur Historie der Neumühle angeregt.

Das historische Gebäude verfiel über lange Jahre. Wegen des schlechten baulichen Zustandes musste der Fußweg am Gebäude abgesperrt werden. Im Frühjahr 2011 trat ich an den Verwalter des Gebäudes, der MEWO Wohnungswirtschaft GmbH & Co KG, einer 100%igen Tochter des Eigentümers des Gebäudes, der envia M, mit einem Hilfsangebot zur Vermittlung des Gebäudes an einen Investor heran. Nach der Angebotsabgabe durch den Investor und der Vorbereitung des Ankaufs wurde das Ankaufsansinnen mit der Information, dass nunmehr plötzlich zwei weitere Bieter für das Gebäude vorstellig wären, abgelehnt. Nach 1,5 Jahren kam man wieder auf uns zu mit dem Sachstand, dass wohl alle vorher mitgeteilten Verkaufsversuche gescheitert seien. Dazwischen wurden wir immer wieder informiert, das Gebäude stünde kurz vor dem Verkauf.
So verzögerte sich der Verkauf unsinnig lange. Es zeugt von wenig Sinn für die Stadt Chemnitz, wenn ein Unternehmen, das in der Stadt ansässig ist und von den Chemnitzern lebt, so handelt, ein wertvolles historisches Gebäude über lange Jahre verfallen lässt, so dass sogar der öffentliche Raum abgesperrt werden muss und letztendlich den Verkaufsvorgang mit unsinnigen Entscheidungen verzögert und dessen Erfolg riskiert.

Nur unseren nachhaltigen Bemühungen und der Erfahrung mit solchen Vorgehensweisen ist es zu verdanken, dass mit der Neumühle ein weiteres Baudenkmal für Chemnitz erhalten werden kann.
Im direkten Umfeld des Gebäudes an der Georgstraße, haben private und institutionelle Eigentümer fast lückenlos Gebäude saniert. Ich wünsche mir, dass die Voraussetzungen geschaffen werden, dass auch der städtebaulich und architektonisch besonders wertvolle Kopfbau gegenüber der Neumühle saniert werden kann und perspektivisch alle  Brachflächen im Umfeld des Gebäudes eine neue Nutzung, passend zur historischen Umgebungsbebauung und der Schloßteichlage, erfahren. Unverständlich erscheint mir, wie das Kuratorium für Stadtgestaltung Chemnitz bei seinen städtebaulichen Planungsstudien für das Gebiet zwischen Mühlenstraße und Schloßteich die beiden historischen Fixpunkte im Quartier, Neumühle und Kattundruckmanufaktur Schüffner außer Acht lassen konnte.




Das historische Gebäude an der Georgstraße wurde von dessen Eigentümern über viele Jahre verfallen gelassen. Der Fußweg musste abgesperrt werden.



Um 1840 entstand dieser Stich, der die damals gerade umgebaute Neumühle zeigt. Mauerreste des Gebäudes befinden sich noch heute an der Georgstraße.



Die Luftaufnahme um 1925 zeigt den im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts um das heute noch erhaltene Gebäude erweiterten Komplex.
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19.08.2012

Deutscher Wohnalltag im Gründerzeitalter

Der Architekt Jörg Preißler (u. a. Rekonstruktion Quartier König Friedrich August, Adalbert Stifter Weg; Majolikahaus, Barbarossastraße; Hauboldhaus, Hoffmannstraße) betrachtet in seiner Abhandlung auf www.stadtbild-chemnitz.de (Denkmalgalerien) die verschiedenen, in der Gründerzeit entstandenen Haus - und Wohnformen.


02.07.2012

80 Jahre Auto Union AG
Ehemalige Konzernzentrale Scheffelstraße 110 in guten Händen

Entgegen anders lautender Presseberichte ist die ehemalige Konzernzentrale der Auto-Union AG nicht dem Verfall preisgegeben. Das Gebäude ist, nach dem es von der Stadt Chemnitz 2007, ohne Sanierungsauflage über eine Auktion versteigert wurde und der neue Eigentümer zwei Jahre später in Insolvenz ging, Teil eines Insolvenzverfahrens. Der Insolvenzverwalter nimmt sein Mandat und seine Verantwortung für das Gebäude sehr ernst. Mit der technischen Betreuung des Gebäudes bin ich betraut. Wir haben in Zusammenarbeit mit der Chemnitzer Denkmalbehörde, 2010 bauliche Sicherungsmaßnahmen am Dach des Gebäudes vornehmen lassen. Für 2013 sind weitere bauliche Sicherungsmaßnahmen in der Planung. Weiter wurde die Orbis-Objektsicherungsanlage, welche vom letzten Eigentümer nicht bezahlt wurde und aus diesem Grund entfernt werden sollte, im Rahmen des Insolvenzverfahrens weiter finanziert. Es finden regelmäßig Kontrollgänge im Gebäude und auf dem Grundstück statt. Der Fußweg vor dem Gebäude wird zwei mal im Jahr durch ein von uns beauftragtes Unternehmen gereinigt und Vandalismusschäden, die den Zugang in das Gebäude ermöglichen, werden zur Reparatur beauftragt. Derzeit wird im Gebäude ein mobiler Bewegungsmelder installiert, der den zeitnahen polizeilichen Zugriff bei Einbrüchen ermöglicht.
Die Aufwendungen für den Erhalt des Gebäudes sind sehr hoch. Ein wirtschaftlicher Nutzen aus dem Gebäude ist im jetzigen Zustand nicht möglich. Das Gebäude steht zum Verkauf und es findet eine aktive Investorensuche statt. Wir haben uns dieser Aufgabe gestellt. Die Stadtverwaltung Chemnitz war bisher nicht bereit, unsere Bemühungen für den Erhalt des Gebäudes dahingehend zu unterstützen, dass sie die hohe Grundsteuer B für das Objekt erlässt.
Anderswo in Chemnitz wurden ähnliche Gebäude dem Verfall preisgegeben, so unweit an der Annaberger Straße. Es besteht immer die Option, dass das Gebäude aus der Insolvenzmasse freigegeben wird. Dann ist wieder die Stadt Chemnitz in der Verantwortung und ein weiterer Verkaufsversuch über eine Auktion ist sicher keine sinnvolle Aktion.





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16.05.2012

Freie Presse Leser-Forum, 15. Mai 2012 - Was bringt die Conti-Investition der Chemnitzer City?

Eine Zusammenfassung

Claus Kellnberger sprach von der Notwendigkeit der baulichen Erweiterung der Chemnitzer Innenstadt, das Hauptaugenmerk liegt neben dem Contiloch auf dem Kirchgässchen und der Lohstraße. (Anm.: Nicht nur Herr Kellnberger sieht diese Notwendigkeit)

Auf Nachfrage informierte OB Ludwig, dass die Baufelder am "Getreitemarkt" im Rahmenbebauungsplan für die Innenstadt stehen und leitete daraus, das Interesse der Stadtverwaltung für eine bauliche Entwicklung in diesem Bereich ab. (Anm. Die Baufelder an der Lohstraße und am Kirschgässchen stehen seit über 10 Jahren im Rahmenbebauungsplan, ein Baufeld an der Lohstraße wurde verkauft und darauf ein Parkplatz eingerichtet.)

Claus Kellnberger sprach weiter von der Notwendigkeit einer effektiveren Bauverwaltung in Chemnitz.

Die Handelsfläche für das geplante Gebäude wurde wegen dem Zentrenkonzept auf 2000 qm begrenzt, das Gebäude wird hauptsächlich Bürohaus, die Gespräche bzgl. der Vermietung der Flächen liefen gut, die Flächen werden speziell auf die Anforderungen der Mieter zugeschnitten.
 
2013 soll als erstes die Tiefgarage gebaut werden, anschließend der Bürokomplex, der bisher in der Presse veröffentlichte Entwurf zeigt das Gebäude von der Brückenstraße aus.

Der Entwurf existiert in mehreren Varianten, z.B. bzgl. der Fassadenfarbe. Die Entwürfe wurden nach meiner Kenntnis bisher noch nicht veröffentlicht.

Claus Kellnberger schlug vor,  die oberen 5 Geschosse des Hochhauses am Contiloch zurückzubauen.

Frau Prof. Hoidn, Kuratorium für Stadtgestaltung Chemnitz, regte an, das Contiloch kleinteilig mit Wohngebäuden zu bebauen, Herr Kellnberger begründete die nicht Umsetzbarkeit dieses Vorschlages.

Frau OB Ludwig informierte auf Nachfrage, das sie nicht über die Zukunft der an die Dresdner Straße an das Contiloch angrenzenden Plattenbauwohnhäuser informiert ist.

Claus Kellnberger informierte, das die Reko des Rawema-Hauses teurer geworden sei als geplant, sein Unternehmen dies aber wegen seiner Liebe zu Chemnitz überstanden hat.

Claus Kellnberger informierte, das in den nächsten zwei Jahren auf dem Grundstück, an der Hartmannstraße, jetzt Parkplatz, ein Neubau (nach meinen Inform. ein Altenheim) entstehen soll.

Frau OB Ludwig informierte, das auf dem Baufeld F4 ein Neubau für das Technische Rathaus entstehen soll, der Mietvertrag für das Objekt an der Annaberger Straße liefe 2017 aus. Frau OB Ludwig informiert, das dies ihre Idee gewesen sei. (Anm.: Diese Idee ist mir z.B. schon seit 2 Jahren bekannt gewesen.) Die Stadtverwaltung stellt an den architektonischen Entwurf für einen Neubau auf F4, wegen der Nachbarschaft zum Kaufhaus Schocken, hohe Ansprüche.


27.04.2012

Brühl nicht zum Kampfplatz machen

Engagement gegen rechts ist wichtig. Besonders auch öffentlich. Aber es gibt andere Befindlichkeiten auf die man Rücksicht nehmen muss. Niemand macht sich mehr etwas vor. Dem Brühl hilft hauptsächlich nur eines: Die Gebäude im Viertel müssen saniert und vermietet werden. Die Stadt Chemnitz hat zusammen mit Fachpartnern einen Rahmenplan für die Brühlentwicklung erarbeitet und das Bundesbauministerium hat Chemnitz sein Vertrauen ausgesprochen und den Brühl zur Aktivierung der privaten Eigentümer im Viertel in das Forschungsprojekt KIQ aufgenommen. Dabei kommt der Suche nach Investoren, die Gebäude am Brühl kaufen und sanieren und der Bereitschaft der Hauseigentümer am Brühl ihre Gebäude zu sanieren, die wichtigste Rolle zu.
Es ist kein Weltuntergang, wenn ein Geschäft für Mode, die in der rechten Szene getragen wird, öffnet. Denn man kann dem begegnen. Überlegt. Nicht indem man ein Viertel, das eh schon Probleme hat in einem Augenblick wo erstmals wichtige Bausteine für eine nachhaltige Veränderung gesetzt sind, für ein Thema verheizt, welches den Brühl selbst gar nicht berührt.
Der Brühl ist auf Investoren angewiesen und die Investoren sind darauf angewiesen, das der Investitionsstandort vermarktbar ist. Bei finanzierenden Banken, bei Wohnungskäufern, bei Mietern.

Gespräche mit dem Eigentümer des Gebäudes in dem sich der Laden eingemietet hat, Beratung bzgl. der Kündigung des Mietverhältnisses wären nach meiner Meinung der richtige Weg gewesen. Auch Öffentlichkeit aber erst nach einem Ergebnis und ohne den Brühl. Noch eine Worthülse für den Brühl und Bilder von Demonstrierenten werden dem Brühl nicht helfen. Der Bunte Brühl ist nicht zu Ende gedacht.


18.04.2012


Kulturpalast Rabenstein - Ein Teilerfolg

Zwischen dem sagen das man etwas tut und dem etwas tun gibt es einen Unterschied.

Der Kulturpalast in Chemnitz Rabenstein ist keine einfache Immobilie. Man hat ihn gebaut um die Arbeiter die das Uran für die sowjetische Atombombe abbauen sollten bei Laune zu halten. Als der "Kulturpalast der Bergarbeiter" gebaut wurde, lebte Stalin noch.
Das kann ein Grund dafür sein, warum Chemnitz das beeindruckende und schöne Gebäude in Bestlage links liegen läst. So kam es, das ein findiger Immobilienhai das Chemnitzer Desinteresse am Gebäude ausnutzte, es kaufte und den Abrissantrag stellte um an dessen Stelle eine Eigenheimsiedlung zu errichten. Da begannen die ersten Chemnitzer sich vorzustellen wie es wäre, wenn der Abrissbagger in die klassizistische Säulenfassade greifen würde. Es wurde demonstriert und die Chemnitzer Verwaltungsspitze suchte über die Medien einen Investor.
Da bekam ich einen Schreck. Nun muss ich zugeben, das mein Augenmerk nicht unbedingt auf dem erst 60 Jahre alten Kulturpalast in Rabenstein lag. Aber wie ich mir vorstellte, das der Kulturpalast nicht mehr da sein würde, war das auch nicht schön, den das Gebäude hat viele Alleinstellungsmerkmale - architektonische wie geschichtliche.
Ich ging also in medias res und suchte monatelang nach einem Investor und wurde auch fündig. Ein sehr versierter Partner erklärte sich bereit, sich des Objektes anzunehmen. Der Kulturpalast hat für die Immobilienwirtschaft Vorteile. Vor allem die Lage und die äußere Architektur sind Argumente. Also erklärten wir dem Eigentümer unser Interesse und waren zu drei Terminen im August und im September 2011 in Person, der Investor, zwei Architekten, ein Bauingenieur und ich im Gebäude um Konzepte zu entwickeln. Die Stadt arbeitete Pläne zu und behielt Stillschweigen.
Über den Zaun geklettert und durch ein Loch in der Tür in das Gebäude gekrochen war die Ernüchterung groß. Das Gebäude besteht fast nur aus Treppenhäusern  und Sälen. Es ist voll Technikschrott und von der Decke lief das Wasser. Der Hof ist entweder mit Asphalt versiegelt oder mit abbruchreifen Garagen und Technikgebäuden bebaut. Was für ein Aufwand den Kulturpalast ins Leben zurück zu holen. Aber wir gaben nicht auf. Die talentierten Planer entwickelten ein Konzept. Die ursprüngliche Nutzung war kein Thema. Der Kulturpalast sollte ein Wohnhaus werden. Was ist von der vorhandenen Gebäudesubstanz dafür verwendbar? Die Analyse ergab, der Hauptteil des Gebäudes mit dem Säulenportal und das Bühnenhaus. Der Bühnenturm muss abgerissen werden. Wir standen im Rosettensaal, überlegten wie man daraus eine Wohnung machen könnte, suchten unter Styropor nach der Rosettendecke und dachten nach, wie man Licht in den hinteren Teil des Gebäudes bekommen könnte ...
Es wurden Vorplanungen gemacht und ich durfte dem Eigentümer ein Kaufangebot machen. 250.000 Euro war der Investor bereit für das Gebäude zu bezahlen. Die Antwort war kurz und knapp,

"Sehr geehrter Herr Schmalfuß,
 
für das Objekt haben wir uns einen Kaufpreis in Höhe von 1 Mio EURO vorgestellt ...
 
Mit freundlichen Grüßen"

Ein Fantasiepreis. Das Gebäude sollte ja gar nicht verkauft werden. Alle in der Presse dazu zu lesenden Aussagen vom Eigentümer, man suche ja eine Investor ... naja.
Was nun? E-Mails an die Chemnitzer Stadtratsfraktionen - keine Chance für die Erhaltungssatzung. Die Frist die der Eigentümer der Stadt für eine Investorensuche gegeben hatte lief aus und der Abbruchantrag lief weiter. Die Denkmalbehörde lehnte ab  - der Eigentümer klagte. Die Entscheidung ging zur Landesdirektion. Und oha, vor zwei Wochen entschied diese - Der Kulturpalast darf nicht abgerissen werden. Also ein weiteres Kaufangebot. Die Antwort:

"Danke für ihr Angebot wir haben kein Interesse unter 700000 zu verkaufen."

Also dürfen die Chemnitzer weiter warten und hoffen. Die Chemnitzer Denkmalbehörde wird aufpassen, das dem Kulturpalast nichts passiert ...




09.04.2012

Der politische Schnellschuss

Die ehemalige JVA Kaßberg ist kein Investment für Bauträger. Die Gebäudesubstanz ist ungeeignet für einen Umbau zu einem Wohn- oder Bürohaus. Es ist deshalb etwas Besonderes und auch ein großes Glück für Chemnitz, dass sich so schnell jemand gefunden hat, der sich ernsthaft mit einem Bauprojekt dort beschäftigt. Wäre das nicht so, könnte das Land den Abriss des Komplexes planen.
Unter den Voraussetzungen ist es für mich unverständlich, dort von Seiten der Landespolitik die Öffentlichkeit und die Interessenten mit der Anforderung verrückt zu machen, dass dort ein Dokumentationszentrum eingerichtet werden muss, ohne dass diese Forderung ein Fundament für die Umsetzung hat. Es ist auch nicht notwendig, dass die Chemnitzer Stasiunterlagenbehörde dort hin umzieht. Diese hat am jetzigen Standort ausgezeichnete Räume.
Ich bin gespannt, ob die Investoren bei so viel Unsicherheit nicht die Lust an einem Projekt dort verlieren. Die Initiatoren sollten kurzfristig ein Konzept und einen Finanzierungsplan für das Dokumentationszentrum vorlegen. Wenn das nicht möglich ist, sollten wir zu Gunsten einer Sanierung und damit eines Erhaltes des Komplexes auf ein Dokumentationszentrum dort verzichten und nach einer Alternative suchen. Die könnte sein, das Wirken der DDR auf Chemnitz im Ganzen zu betrachten und dieses Gefängnis mit einzubeziehen. Es bieten sich die zur Zeit leer stehenden Räume hinter dem Karl-Marx-Kopf für ein Dokumentationszentrum an. Diese gehören dem Land. Meint man es mit dem Dokumentationszentrum ernst, sollten sich die Erarbeitung einer Ausstellung und zwei Angestellte für das Dokumentationszentrum finanzieren lassen. Themen könnten neben dem Stasiknast, die Umbenennung der Stadt, die städtebauliche Entwicklung der Innenstadt, die Wende in Chemnitz, der Anschlag auf den Panzer an der Frankenberger Straße und vieles mehr sein. Das am prominenten Ort hinter dem Karl-Marx-Monument.
Ansonsten ist das Ganze nur ein Schnellschuss, der dem Komplex die Sanierung kosten könnte.

















31.03.2012


Annaberger Straße 110 - Chemnitz' schönste Ruine

Selbst den über 30-jährigen ist das Gebäude Annaberger Straße 110 nur als Ruine bekannt. Das Haus fällt auf, es ist ob seiner reichen,  im "Heimatstil" ausgeführten Architektur selbst im verfallen Zustand noch schön anzuschauen. Nicht überraschend ist deshalb das Interesse der Chemnitzer an diesem Haus. Es wird oft gefragt warum es sich heute in diesem Zustand befindet. An diesem Interesse trägt auch die Tatsache bei, das sich im Gebäude über Jahrzehnte, die in ganz Chemnitz bekannte Gastronomie "Forsthaus" befand. Viele Chemnitzer verbinden Erinnerungen mit dieser Gaststädte.
Ich war mit einem Bauträger vor Ort und konnte diesen für das Objekt interessieren. Allerdings erbrachten meine nachfolgenden Recherchen, dass ein Verkauf des Gebäudes unter den derzeitigen Vorraussetzungen nicht möglich ist. Das Gebäude ist in zwei Hälften, mit je einem Eigentümer aufgeteilt. Die linke Haushälfte befindet sich nach meinen  Informationen in Privateigentum, ein Verkauf ist nicht vorgesehen, das Gebäude wäre gut gesichert.
Die rechte Haushälfte gehört in Folge eines ausgeschlagenen Erbes dem Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement. Dort war man so freundlich, mir die aktuellen Eigentumsverhältnisse zu erklären. Die Haushälfte steht für einen Euro zum Verkauf. Ein Verkauf ist aber schwer möglich, weil es für das Gebäude 11 Grundschuldgläubiger mit ca. 15 Lasten gibt. Die Lasten stammen nach Auskunft der SIB teilweise noch aus der Zeit vor 1945. Eine Klärung wird ausgeschlossen. Zum Gebäudezustand wird angegeben, dass im Inneren, die Decken teilweise eingebrochen sind.
Seit Herbst letzten Jahres gebe es einen Kaufinteressenten, der die Gebäudehälfte trotz der Lasten erwerben möchte. Wegen dieser Tatsache wird der Verkauf genau geprüft.
Nach dieser Datenlage ist nach meiner Einschätzung wahrscheinlich, das die rechte Haushälfte in absehbarer Zeit, wegen des Bauzustandes und des Standortes des Gebäudes direkt an der Straße abgerissen werden muss. Der Verkauf des Gebäudes wäre nur möglich, wenn die Lasten doch aufgelöst würden, wenn möglich z.B. über eine Zwangsversteigerung des Gebäudes durch einen der Gläubiger, der SIB die Zeit investiert um die Gläubiger zu recherchieren und mit diesen verhandelt oder ein Investor kauft das Gebäude mit den Lasten und kalkuliert diese in ein Sanierungsvorhaben ein.
Die Kosten für einen Abriss belaufen sich auf ca. 70.000 Euro. Es würde sich also auch für den Eigentümer aus wirtschaftlicher Sicht lohnen, den Verkauf des Gebäudes anzustrengen. An mehreren Gebäuden im Umfeld des Hauses sind Sanierungsarbeiten geplant. Es könnte dort ein kleines Stadtteilzentrum aus historisch interessanten Gebäuden entstehen. Eine Chance die oft geforderte Aufwertung der Einfahrtstraßen zur Chemnitzer Innenstadt an dieser Stelle einmal zu einem Ergebnis zu bringen.

Immobilienangebot des SIB







26.03.2012


Fichtestraße - Eigentümer gesucht

Für die drei schönen Gründerzeitgebäude Fichtestraße 29 - 33 gibt es einen Interessenten, der die Gebäude kaufen und sanieren möchte. Aus datenschutzrechtlichen Gründen bekomme ich die Eigentümer nicht genannt.
Die Gebäude befinden sich heute in einem schlechten baulichen Zustand, weswegen eine Straßenseite der Fichtestraße seit Jahren abgesperrt ist. Der Abriss der drei Gebäude aus der geschlossenen Straßenfront, in Ersatzvornahme ist absehbar. Die Fichtestraße ist in den vergangenen Jahren fast vollständig von der Gewerblichen Wohnungswirtschaft saniert worden und stellt heute in Chemnitz einen begehrten Wohnstandort dar. Der Abriss der drei Gebäude würde die Eckbebauung an der Fichtestraße/Claußstraße frei stellen und einen Teil der kleinteiligen historischen Fichtestraße zerstören. Der Abriss eines Hauses kostet ca. 60.000 Euro. Bei einem Abbruch der drei Gebäude in Ersatzvornahme würde der städtische Haushalt mit ca. 180.000 Euro belastet. Geld das anderswo in Chemnitz nicht zur Verfügung steht.

Nachtrag: Die Eigentümer informieren, das ein Verkauf der Gebäude wegen ungeklärten Teileigentum derzeit nicht möglich ist. 




17.03.2012

Sebastian-Bach-Straße - nächste Bauphase beginnt

Nach dem Abschluss der ersten Bauarbeiten an der Sebastian-Bach-Straße, bei denen das Gebäude Sebastian-Bach-Straße 6 entkernt und dessen Decken und Dachkonstruktion erneuert sowie eine Schwammsanierung durchgeführt wurde, beginnen in 6 Wochen die Arbeiten am Gebäude Sebastian-Bach-Straße 2. Bereits gestern begann der Abriss der ruinösen Hintergebäude der Mehrfamilienhäuser. Bis August 2012 ist der Abschluss der rohbauseitigen Arbeiten bei allen Gebäuden an der Sebastian-Bach-Straße vorgesehen. Die komplette Rekonstruktion der Häuser ist ab 2014 geplant. Im Zuge der Arbeiten an der Sebastian-Bach-Straße, beginnen auch die Arbeiten an den noch unsanierten Eckgebäuden am Lessingplatz.

Weiter stehen die umfangreichen Sicherungsarbeiten an der Hainstraße 93 vor dem Abschluss. Die Decken- und die Dachkonstruktion wurden neu gebaut und das Gebäude im inneren abgeputzt.






Der Erhalt der Hainstraße 93 war mir besonders wichtig. Es handelt sich um ein Gründerzeitmehrfamilienhaus, Baujahr 1902, in einem besonders authentischen Erhaltungszustand. Das Gebäude bildet heute den Abschluss der Häuserzeile. Mit einem Partner gelang es mir, die schwierige Eigentumssituation zu klären und das Gebäude zum Verkauf zu bringen. Wegen des schlechten Bauzustandes war der Abbruch des Gebäudes ab 2013 schon in Aussicht gestellt.

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11.03.2012

Leipziger Straße - Häuser schon gerettet

Zum Artikel in der Freien Presse vom 11.03.2012 ergänzend die Information, das 3 der Gebäude an der Leipziger Straße, einschließlich Eckhaus, neue Eigentümer haben und hier noch für 2012 der Sanierungsbeginn geplant ist.

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05.02.2012

Faszination Chemnitz

Es fällt mir auf, dass bei der Suche nach Möglichkeiten, das Image der Stadt Chemnitz zu entwickeln, deren größter Schatz gar nicht heran gezogen wird. Die Chemnitzer Altstadt. Wie anders und reicher, Chemnitz-Mitte früher einmal war, gehört heute in Chemnitz nicht mehr zum Allgemeinwissen. Zeigt man Bilder der Chemnitzer Altstadt, erlebt man großes Interesse. Darin sehe ich Potential. Was liegt näher, als am Ort über die Chemnitzer Altstadt zu informieren und damit für Chemnitz zu faszinieren?
In vielen anderen Städten sind zu diesem Zweck in den Innenstädten Informationstafeln aufgestellt. Gerade in Chemnitz, wo der bauliche Unterschied zwischen Vergangenheit und Gegenwart so groß ist, wäre damit eine angemessene Erinnerung an die zerstörte Altstadt geschaffen und eine sinnvolle Maßnahme zur Förderung der Chemnitzer Identität ergriffen.
In einer Broschüre zu lesen, dass der Johannisplatz in den 1930er Jahren das 4. höchste Verkehrsaufkommen in Deutschland hatte, oder am historischen Ort die faszinierenden Fotografien zu sehen und die Veränderung zu erleben, hat eine ganz andere und nachhaltigere Wirkung - auf Touristen, wie auf Chemnitzer.
Die Kosten für die mannshohen, metallenen Bildtafeln wären überschaubar und sie würden sich gut in das moderne Bild der Chemnitzer Innenstadt einfügen. Als Standpunkte wären die ehemaligen Fixpunkte der Chemnitzer Altstadt denkbar. Markt/Neumarkt, Holzmarkt/Marktgässchen/Roßmarkt, Paulikirche/Kirchgässchen/Körnerhaus, Stadttheater, hintere Theaterstraße, Johannisplatz, Königstraße (Straße der Nationen), Brückenstraße, Poststraße (Bahnhofstraße), Falkeplatz/Nikolaikirche. Damit wäre gleichzeitig die längst überfällige Erinnerung an die beiden zerstörten Innenstadtkirchen St. Pauli und St. Nikolai geschaffen.



Die Chemnitzer Altstadt ist ein ungehobener Schatz. Sie kann heute viel für Chemnitz tun.


31.01.2012


Als es das Auto noch nicht gab - Der Dampfbus aus Chemnitz

Gastbeitrag: Dipl.-Med. Uwe Kaufmann

Hätte sich die einstige Vision von Hermann Michaelis erfüllt, dann hieße es heute seit gut 123 Jahren nicht nur auf dem Schiff und der Lokomotive, sondern auch im Bus und Pkw beim Start: „Mit Volldampf voraus !“  Bis dato ist der Motor „Pferd“ das unumstritten anerkannte und tief in den Köpfen der Menschen verwurzelte Transportmittel, so tief, daß man noch heute die Motorleistung auch der modernsten und schnittigsten Straßenflitzer geläufigerweise in PS angibt, obwohl längst „modernere“ Einheiten  eingeführt sind.
Mit den traditionellen Kraftstoffen Hafer, Weizen, Gras, Heu und Stroh sind die seinerzeit mit nur wenigen „PS“ bestückten gängigen Transportfahrzeuge zu „betanken“ gewesen, allerdings auch an den Tagen, an denen sie gar nicht „in Betrieb“ sind, unrentabel – schon aus damaliger Sicht.  Eine geniale Idee eigentlich, den Dampfantrieb, der die vielen qualmenden und schnaufenden Schienenrösser quer durch alle Ecken und Enden des Landes jagt und selbst die großen Dampfer jener Zeit über alle möglichen Weltmeere treibt, auch für den Transport  auf den Straßen zugänglich zu machen, die weit außerhalb des damals noch wenig entwickelten Schienennetzes liegen. Der Benzin-Verbrennungs-Motor, damals noch auf dem Reißbrett und damit „Quark im Schaufenster“ -  noch ist er Utopie, erste Testversuche zunächst nicht sehr ermutigend. Hier sieht Hermann Michaelis (1839-1911), der eigentlich Zahnradmaschinen produziert,  „seine“ Marktlücke.



In der heute unscheinbar wirkenden Uferstraße 8 (sie hat sich gegenüber historischen Ansichten fast nicht verändert) verfolgt er heiße Pläne und noch immer ist dafür die Innenausstattung bemerkenswert (Drehkran und Laufkran zugleich findet man hier noch immer und sogar zugleich vor, einst von keinem geringeren als dem ersten sächsischen Werkzeugmaschinenbauer Johann von Zimmermann propagiert und sogar anerkennend von Richard Hartmann übernommen, ebenso wie von vielen weiteren, nicht nur Chemnitzer renommierter Produzenten).

Mit seinem neuen „Dampfkraftomnibus“ (ganz ähnlich angetrieben wie eine Dampflokomotive, mit Kolben und Pleuelantrieb, nur eben auf der Straße statt auf der Schiene) sorgt der inzwischen zum Direktor des Chemnitzer Maschinenbau-Vereins Aufgestiegene für Aufsehen, wenngleich ihn auch die Wirklichkeit bald wieder einholen wird. Der Dampfkraftbus, man muß ihn sich vorstellen wie eine Dampf-Lokomotive auf der Straße, soll mächtig gequalmt, gepufft und für vielerlei andere Belästigungen verantwortlich gewesen sein, er „erschreckte Pferde sowie Kinder und Alte zu Todte“  und sein riesiges Gewicht führt auf den bei weitem noch nicht überall befestigten Straßen zum Einsinken der Räder, besonders bei Regen (mit ähnlich erregtem Aufsehen scheint man die Probefahrt der von Louis Tuchscherer einzelgefertigten selbstfahrenden „Kutsche ohne Pferde“ wahrgenommen zu haben). Was Michaelis vor allem nicht hinreichend zu bedenken schien, (nach mehr als 100 Jahren kann man da freilich gut reden) ist das katastrophal schlechte Preis-Leistungs-Verhältnis (wie man das heute nennt), mit fast demselben Energie- und Personalaufwand  wie bei einer normalen Dampflok quälte sich der Kohle-Bus mit gerade mal 2 Dutzend voll Passieren mit kläglichen15-20 km/h durch die Gegend, während der damals schon existierende Schienenbetrieb das dreifache an Geschwindigkeit und fast das sechsfache an Fahrgästen befördern konnte.
Dennoch trieb Michaelis die Weiterentwicklung seiner dampfgetriebenen Straßenfahrzeuge unerschrocken weiter vorwärts, denn noch war nicht sicher, ob der Benziner die in ihn gesetzten hohen Erwartungen erfüllen würde. Wäre der Kraftstoffverbrennungsmotor ein Flopp geworden, dann wäre Michaelis quasi der unangefochtene "Liebe Gott" im Sächsischen Fahrzeugbau gewesen, sein enormer technischer Vorsprung bei den Kohle-Autos und sein bereits fortgeschrittenes know how auf diesem Gebiet hätte so leicht niemand auch nur annähernd erreichen können. (Dann würden wir heute, wenn uns unsere Kid´s mitten in der Nacht anrufen, daß sie von der Disko abgeholt werden wollen, erst mal ein paar Kohlen auflegen und paar Kanister Wasser auffüllen, um dann, wenn nach 1 bis 2 Stunden schließlich genügend Druck auf dem Kessel ist, unter lautem Zischen und Getöse und unter den neugierigen Blicken der inzwischen mit wach gewordenen Nachbarn auf unserem Kohle-Opel mit so etwa 15 - 20 km/h losdampfen, ein Dampf-Porsche käme vielleicht auf 25 - 30 km/h ....



Doch der Genickbruch seiner Idee dürfte der wenig später in Serie gehende Benziner sein, der wesentlich kleiner, leiser, leichter und schneller die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt und auch nicht erst lange vor Fahrtantritt „auf Dampf gebracht“ werden muß. Daß dies nicht der totale Bankrott für den Dampf-Bus-König wird, verdankt er seiner Weitsichtigkeit und damit verbunden  mehreren Eisen, die er im Feuer hat, so u.a. dem Zahnrad- und Textilmaschinenbau. Sogar eine Eisengießerei kann er sein eigen nennen, die zwar hauptsächlich firmeneigene Bedürfnisse befriedigt, aber auch kleinere Fremdaufträge annehmen kann. Doch nach seinem Tod wird es zunehmend eng, (die Firma ist nun zunächst unter Führung seiner Söhne) doch spätestens zu Beginn der 20-er Jahre, als die Moll-Werke das Betriebsgelände (als Nebenwerk) übernehmen, hat die Firma Michaelis  aufgegeben. Dennoch bleibt der Industriekomplex bis zuletzt immer auf irgendeine Art dem Fahrzeugbau treu. Die besagten Mollwerke hatten ja einst das so genannte Moll-Mobil auf den Markt gebracht, ein winziges zweisitziges offenes Fahzeug und so schmal, daß Fahrer und Mitfahrer hintereinander sitzen müssen. Das Auto des kleines Mannes sollte es werden, doch mit seinen – wirklich niedrig bemessenen – 1500 Reichsmark können und wollen sich trotzdem nur die wenigsten Otto-Normalverbraucher  das schmalbrüstige (und damit kippfreudige) Moll-mobil leisten und es setzt sich nicht durch. Außerdem ist da noch die dicke Konkurrenz des „Wanderer-Puppchen“s, ein Mini Pkw mit ähnlichem Anspruch und wohl auch vergleichbarer Preislage, aber überdacht und etwas breiter gebaut, so daß die beiden Insassen nebeneinander sitzen, dadurch hält sich das Puppchen auch in abschüssigen Kurven deutlich besser. In der Uferstraße produziert Moll allerdings nur einzelne Fahrzeugteile sowie Zahnräder, Getriebe und sogar Küchenmaschinen. In die Weltwirtschaftskrise fällt dann auch das Aus für die Mollwerke, das Fabrikgelände an der Uferstraße, danach vom Rasmussen-Imperium (Auto-Union) übernommen, wird dann alsbald für indirekte Rüstungszwecke herangezogen – trotzdem bemerkenswerterweise weiterhin unter „Moll“ firmierend.



Nach dem Krieg beginnt dann so nach und nach die Verknüpfung der Uferstraße 8 mit der Hunger-Hydraulik. Walter Hungers Karriere beginnt im Verborgenen, am 4.4.1925 in Chemnitz geboren, die Mutter außerstande, ihn groß zu ziehen, vom Vater gleich gar keine Rede, wächst er in verschiedenen Pflegefamilien auf, imponiert dort aber immer wieder durch außergewöhnliche Talente. Die Kindheit des gelernten Schmieds dürfte somit nicht ganz ungetrübt gewesen sein. Doch – inzwischen 20-jährig - „schießt“ es ihm in den Kopf, sich selbstständig machen zu wollen, ausgerechnet in einer Ära, in welcher der allgmeine Kurs auf Kollektivierung und Volkseigentum gerichtet ist. Doch er schafft das Außergewöhnliche seiner Zeit, baut (unter unbeschreiblichen Mühen und Widrigkeiten) eine alte Sägewerksmühle in Frankenberg (bei Chemnitz) zu seinem Stammbetrieb aus und übernimmt auch – irgendwann Ende der 40-er, Anfang der 50-er Jahre – das obige Fabrikgelände an der Uferstraße 8. Seine Genialität und Einzigartigkeit hatte man ganz offensichtlich auch in der DDR-Führungsclique erkannt, man läßt ihn also zunächst „machen“, um ihm dann (so Ende der 50-er Jahre) zu eröffnen, daß er all seine Patente und  – heute würde man sagen – sein know how – an den DDR-Staat hin zu geben habe, im Gegenzug hierfür avisiert ist eine bedeutende Ehrung, welcher Art diese auch immer gewesen sein mag. Der noch immer selbständige Hunger hat bis dato seine kleinen „VEB-Kollegen“ im Sturm in den Schatten gestellt, den mittleren erfolgreich Paroli geboten, die größeren unter ihnen zumindestens „am Bart gezupft“ - klar, daß er damit im Kontext der damaligen Zeit zunehmend Unbehagen erzeugt. Doch trotz seines Enthusiasmus und seiner immer noch jugendlichen Einordnung erweist er sich als weitsichtig genug, zu erkennen, was die Stunde geschlagen hat. Gerade noch rechtzeitig gelingt es ihm, sich mit einem Teil seiner engsten Gefolgsleute und mit seinen wichtigsten Unterlagen in den Westen abzusetzen. Doch nicht alle seiner hochkarätigen Mitarbeiter begleiten ihn auf diesem Weg, ihr inzwischen angesammeltes geistiges Wissen kann er ihnen nicht nehmen, welches dafür sorgt, daß der aus ihm hervorgegangene VEB Fahrzeughydraulik Karl-Marx-Stadt – zumindestens die ersten Jahre – sagen wir mal, wenigstens Schritt hält mit der im Westen aus der Taufe gehobenen Hunger-Hydraulik. So ist man diesbezüglich auf Westimporte nur sporadisch angewiesen, doch eine ganze zeitlang fließt (wahrscheinlich bis zum Auslaufen irgendwelcher Patente) mit jedem hier konstruierten Hydraulik-Aggregat (vorzugsweise zum Kippen von LKW-Ladeflächen) ein „hartes Märklein“ in den Westen (so nennt man damals die – knappen – Devisen, im saloppen Amtsdeutsch jener Zeit auch als NSW bezeichnet, also „nichtsozialistische Währung“). Dann wird es lange Zeit hierzulande still um ihn, in Vergessenheit gerät er aber nicht. Die vom Zaune gebrochenen Skandale schmälern sein Renomme´ nicht wirklich. Noch vor ihrem Antritt als  Bundeskanzlerin würdigt ihn Frau Dr. Angela Merkel (damals Umweltministerin) mit dem Umweltpreis des Bundesverbandes der deutschen Industrie auf eine besondere Weise und sogar die TU Chemnitz verleiht ihm ihre „hauseigene“ Ehrendoktorwürde und weil aller guten Dinge drei sind, kam als Zeichen deutschlandweiter Anerkennung wenig später noch das Bundesverdienstkreuz hinzu. In den letzten DDR-Jahren ließen die Barkas-Werke dort ihre Hydraulik-Bremsen herstellen und hatten bis zur Schließung des Werkes noch eine Schweißerei und eine Reparaturwerkstatt dort betrieben. Michaelis` wie auch Hungers Werdegänge und Glanzzeiten sind untrennbar mit Chemnitz und ganz besonders mit der Uferstraße 8 verknüpft, ihr verdienstvolles Wirken im Rahmen der Chemnitzer Industriegeschichte verdient es, gewürdigt und nicht vergessen zu werden, diesem Anliegen dient das oben Gesagte im Besonderen. Von daher danke ich allen Lesern für das Interesse und besonders Herrn Sandro Schmalfuß für die gegebene Gelegenheit, den Gastbeitrag  in diesem Forum veröffentlichen zu dürfen.

PS.: Ob sie wohl wissen, was sie tun, diejenigen, die so was abreißen lassen wollen ? Mein bescheidener Vorschlag: stehen lassen und wenigstens die Haupthalle soweit sichern, daß man gefahrlos rein und historische Maschinen lagern und ausstellen kann. Das Chemnitzer Industriemuseum hat einen unbeschreiblichen Schatz an alten Maschinen, die im „Ambiente“ von
Fabrikhalle mit Lauf- und Drehkran umso realitätsnäher zur Wirkung kämen – wie ein Hochzeitskleid, welches auf einer hübschen Braut zehnmal besser brilliert als auf einem Kleiderbügel ...


20.01.2012


Neefestraße 83





Video: youtube, "The Cornflake"


07.01.2012

"urbexen" das falsche Hobby

In den letzten beiden Jahren wurde das Einbrechen in historischen, leer stehenden Gebäuden und das Fotografieren dieser unter der Überschrift des “urbexens” als vermeintliches Engagement für den Denkmalschutz immer mehr zum Problem für Eigentümer dieser Gebäude und damit zum Problem für den Erhalt der Gebäude an sich. Die aufgebrochenen Gebäude müssen immer wieder neu mit erheblichen Zeit- und Kostenaufwand gesichert werden.
Nach dem am Wochenende ein Aufgebot der Chemnitzer Polizei gleich 12 Fotografen und “Geocacher” aus einem leer stehenden Chemnitzer Krankenhaus geholt hat, wurde deutlich, das derart Einsätze auch für die Polizei einen erheblichen zeitlichen und personellen Aufwand bedeuten.
Es zeigt sich, das derart Interessensgruppen unverantwortlich handeln und damit die Bemühungen um den  Erhalt historischer Gebäude behindern.


06.01.2012

Bauvorhaben "Contiloch"

Die Beschlussvorlage für den Planungsausschuss, welche am 17.01.12 beraten wird, sieht von Seiten der Stadtverwaltung folgende Kriterien für eine Bebauung des Areals vor:

Traufhöhe einer Bebauung min. 15 m/3 - 6 Geschosse, passend zur Umgebungsbebauung
Die Bebauung an der Waisenstraße, Bahnhofstraße, Dresdner Straße soll dort straßenbegleitend sein um die Straßen baulich einzufassen
Die EG-Zonen sollen gewerblich genutzt werden um lebendige Straßenzüge herzustellen
Eine Neunutzung des Areals soll auch einen Bezug zur in den vergangenen Jahren entstandenen Begrünung in der Baugrube herstellen

Link Beschlussvorlage

Laut Presse, spricht Herr Butenop/Amtsleitung Stadtplanungsamt von der Notwendigkeit einer angemessenen Architektur. Der von Bauträger Claus Kellnberger im Sachsen Fernsehen erwähnte Architekt für das Vorhaben, wird vermutlich  Peter Koch (Projekt Johannisplatz, Rawema-Haus, Hochhaus Krankenhaus Flemmingstraße) sein.



Blick zum "Contiloch" zwischen Stadtzentrum und Sonnenbergviertel, Fotografie: Torsten Ortleb

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