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BEITRÄGE 2010
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27.12.2010

Standortdiskussion Saxoniabrunnen, offener Brief
Prof. Dr. Ing. habil Heinz Schwarzbach


Weimar, den 20. Dezember 2010


Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,

Eine gute Gestaltung des ehemaligen Posthof-Areals "Johannisplatz" ist ein wesentlicher Beitrag der noch neu zu gestaltenden städtebaulichen  Räume im Zentrum von Chemnitz. Dieser vernachlässigte Stadtraum, nach Abriss der Baracken ist nicht Hinterhof, sondern noch immer 1A-Lage.
Vorausgesetzt, der Stadtraum wird nicht mit 2-geschossigen Ladenbauten und immer unansehnlichen Parkhaus-"Fassaden" zugestellt und als bloßen Durchgang degradiert. Wir hatten 1991 im städtebaulichen Wettbewerb (3.Preis und später (ungefragt!) Grundlage der Zentrumsplanung der Stadt Chemnitz) und 1995/1998 im B-Plan (Entwurf, s.:Anlage) versucht, dieses für Chemnitz bedeutende Areal mit dem historischen, einprägsam gestalteten  Bankgebäude nicht nur als gut gestalteter Stadt- und Straßenraum, sondern auch als unverwechselbaren Grünraum zu gestalten.
Sollte es der Stadtplanung und dem Investor gelingen, diesen intimen Stadt- und Grünraum in guter städtebaulicher Qualität zu erbauen, könnte ich mir auch einen guten Standort für den historischen Saxonia-Brunnen vor dem dreieckigen Baufeld (s. Bspl: Erfurt Anger-Brunnen) vorstellen. Er würde so von drei Seiten wahrgenommen werden und den davor liegenden Platz stark akzentuieren. Voraussetzung ist aber, dass dieser für das Chemnitzer Zentrum wichtige städtebauliche Raum nicht mit untergeordneter Architektur (2-geschossige Ladenbaracken und einer unansehnlichen Parkhausfassade, einschließlich Tiefgaragenzufahrt) zugestellt wird.
Der Investor sollte die große Chance begreifen, hier einen intimen und  gern aufgesuchten Stadtraum zu gestalten, der kleinteilige Kunst- und Gourmetangebote aufnehmen könnte und verkehrsfrei bleibt. Dieser Stadtraum verdiente dann auch die bildkünstlerische Akzentuierung mit dem Saxonia-Brunnen und mit raumbildender Baumbepflanzung. Sollten diese gestalterische Voraussetzungen mit dem Investorangebot heute nicht zu schaffen sein, scheint mir der Vorschlag, den Saxonia-Brunnen am Düsseldorfer Platz als künstlerische Bereicherung und Vordergrund, einer dem Stadtraum vor dem Rathaus, leider in seiner zu wenig differenzierten  architektonischen Gestalt, gut tun.
Mein Vorschlag wäre, ein leichtes Phantom aus Pappmaché (mit Hilfe der Theaterwerkstätten) zu errichten und die sachkundigen Bürger (Architekten, Künstler, Denkmalpfleger, Bildhauer, Historiker, Spender u.a.) zu beteiligen, wie es schon Michel Angelo mit dem Reiterdenkmal mit Mark Aurel am Capitol tat.  Übrigens ein echtes Beispiel nach "Stuttgart 21", die Öffentlichkeit  zu beteiligen.

         
                         
Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Ing. habil Heinz Schwarzbach


Wikipedia: Heinz Schwarzbach, Städtebauer und Hochschullehrer


17.12.2010


Diskussion um Neubau des Parkhauses am Johannisplatz

SachsenFernsehen 17. Dezember 2010

Interviev: Klaus Kellnberger

Interview: Sandro Schmalfuß


Beitrag


11.12.2010

Monitor-Beitrag "Chemnitzer Altbauten: Wie eine
Stadt mit Fördermitteln zugrunde gerichtet wird" ausgezeichnet


Den Sonderpreis für eine herausragende journalistische Arbeit erhielt in diesem Jahr der Diplom-Ökonom und Fernseh-/Hörfunk-Journalist Lutz Polanz. In seinem Beitrag über den „Abrisswahn in Chemnitz“ für die ARD-Sendung „Monitor“ im Mai 2009 hat er in eindrucksvoller Weise am Beispiel der Chemnitzer Altbauten verdeutlicht, wie die Zerstörung ostdeutscher Städte im Zusammenspiel unterschiedlicher staatlicher Förderungsinstrumente zu einem lukrativen Geschäft geworden ist, das jedoch eine Stadt zugrunde richten kann.

Quelle: Wissenschaftliche Vereinigung
zur Förderung des
Immobilienjournalismus e.V.



Lutz Polanz im Gespräch mit Sandro Schmalfuß


06.12.2010

Chemnitz hat die Wahl

Noch kann Chemnitz entscheiden, zwischen dem Standort Johannisplatz für den Saxoniabrunnen als schnelle Lösung weil ein Investor Geld gibt um den Standort seiner neu gebauten Ladenzone attraktiver zu machen und zwischen dem Standort Düsseldorfer Platz und einer historisch authentischen Rekonstruktion des Wasserspiels.
Hätten wir nur mit der Sicht von heute die Möglichkeit gehabt zu entscheiden, über den Abbruch der Paulikirche, des Johanniskirchviertels, den Bau der überbreiten Straßen in der Chemnitzer Innenstadt oder dem Bau des Karl-Marx-Forums. Was für eine wertvolle Möglichkeit.

Standort Johannisplatz




Standort Düsseldorfer Platz




02.12.2010

Standortdiskussion um Chemnitzer Saxoniabrunnen



Der historische Standort des Saxoniabrunnens am Roßmarkt, heute nicht mehr vorhanden.



Der gleiche Blick früher.



Der nach meiner Ansicht passende Standort "Düsseldorfer Platz".



Der Standort den Investor Kellenberger vorschlägt.




Die Bauprojekte von Investor Kellenberger in der Chemnitzer Innenstadt, Haus am Marktplatz,




Reko "Rawema Haus",



Ladenzone an der Brückenstraße.


30.11.2010

Zur Zukunft des Chemnitzer Saxoniabrunnens


Ein Aufruf

Die Fertigstellung und der Bau weiterer neuer Gebäude in der Chemnitzer Innenstadt und der damit neu und wieder entstehenden Plätze Düsseldorfer Platz und Johannisplatz, sowie die Notwendigkeit deren Gestaltung, lässt die Frage nach einer möglichen Rekonstruktion des historischen Chemnitzer Saxoniabrunnens, der sich derzeit auf einem Chemnitzer Bauhof befindet, neu aufkommen.

Mit dem neuerlichen Baugeschehen am Johannisplatz wurde nach fast einem Jahrzehnt die Diskussion um die Rekonstruktion des Saxoniabrunnens neu eröffnet, in dem der dort agierende Investor vorschlug, den Saxoniabrunnen auf dem Johannisplatz aufzustellen, um die dort neu entstehende Ladenzone für Kunden attraktiver zu machen. Der Investor bot an, das Aufstellen des Brunnenbeckens zu finanzieren und schlug weiter vor, die Rekonstruktion der Bronzeplastiken vorerst weg zu lassen. In Chemnitzer Printmedien konnte man lesen, dass die Chemnitzer Oberbürgermeisterin diesem Vorschlag wohlwollend gegenüber steht.

Der Düsseldorfer Platz und der Johannisplatz haben einen unterschiedlichen historischen Hintergrund. Gab es den Düsseldorfer Platz im Vorkriegschemnitz und während der DDR Jahre überhaupt nicht, so kommt dem Johannisplatz in Chemnitz eine besondere historische Rolle zu. Hier befand sich mit dem Johannistor einst eines der  5 Chemnitzer Stadttore. Mit dem Abbruch der Chemnitzer Stadtmauer und der Stadttore am Beginn des 19. Jahrhunderts und dem Verfüllen des Wehrgrabens entstand an der Gabelung der späteren Theaterstraße, Äußeren und Inneren Johannisstraße ein neuer Platz, der sich, weil alle wichtigen Verkehrstränge der Chemnitzer Innenstadt in ihm mündeten, zu einem der verkehrsreichsten Plätze im Land entwickelte. Die Bebauung, welche den Johannisplatz einfasste, bestand aus repräsentativen Gebäuden, welche Banken, Hotels und Kaufhäuser nutzten. Historische Filmaufnahmen und Fotografien des Johannisplatzes zeigen ein urbanes städtisches Leben, welches dem heutigen Auge unbekannt ist.



Chemnitz besaß vor 1945 nur wenige öffentliche Wasserspiele. Vor der Gründerzeit gab es in Chemnitz überhaupt keine Kunstbrunnen. Im späten 19. und beginnenden 20. Jahrhundert entstanden auf dem Neumarkt, dem Bahnhofsvorplatz, dem Getreidemarkt, dem Theaterplatz und auf dem Roßmarkt Kunstbrunnen. Auf letzterem der bekannte Saxoniabrunnen. Dieser war der aufwendigste Kunstbrunnen, den Chemnitz je besaß. Auf rotem Granitsockel saßen zwei Bronzeplastiken,  welche die Chemnitzer Maschinenbau- und Textilindustrie symbolisierten. Über diesen trohnte die Plastik der sächsischen Patronin “Saxonia“, als Beschützerin der Industrie und des Handels. Der Brunnen war von seiner Größe und seinen Proportionen an seinen Standort, dem flächenmäßig kleinen und kleinteilig bebauten Platz “Roßmarkt” angepasst.
Während des 2. Weltkrieges, 1941 wurden die 3 Plastiken für eine Metallspende entfernt und zum Einschmelzen nach Breslau verbracht. Das vollständige Brunnenbecken des Saxoniabrunnens ist nach der Zerstörung der Chemnitzer Innenstadt 1945 geborgen worden und befindet sich heute auf einem städtischen Bauhof. Der Roßmarkt existiert heute nicht mehr.

Der Johannisplatz, während der DDR Jahre als “Posthof” nur der Hinterhof zweier Bürogebäude, war seit den 1990er Jahren wieder Bestandteil der Planungen für eine kleinteiligere, sich an den alten Grundriss orientierende Chemnitzer Innenstadt. Der letztendlich zur Umsetzung verabschiedete Bebauungsplan sah die Einfassung des Johannisplatzes mit neuen Gebäuden an dessen Längsseiten in der Traufhöhe der beiden vorhandenen historischen Gebäude vor. Der Neubau eines Parkhauses mit Ladenzone im Erdgeschoss sollte den Platz städtebaulich zur Bahnhofstraße abschließen. Für den Eingang zum Johannisplatz von der Straße der Nationen war ein Pavillon vorgesehen, in dem eine Ausstellung Chemnitz vor 1945 zeigen sollte. Derzeit wird am Johannisplatz eine zweigeschossige Ladenzone in einfacher Architektur gebaut. Die weiteren Planungen für den Platz sehen in Abwandlung des ursprünglichen Bebauungsplanes, den Bau des Parkhauses nun an der städtebaulich wichtigen Stelle neben dem historischen Gebäude der Dresdner Bank vor. Städtebaulich und architektonisch sind damit die wichtigsten Chancen für den Neuaufbau des Johannisplatzes vertan. Der Johannisplatz wird in Zukunft wie auch schon seit 1945 eine untergeordnete Rolle in der Chemnitzer Innenstadt haben.

Chemnitz ist die einzigste größere ostdeutsche Stadt, in der es kein Wiederaufbauprojekt eines im Krieg zerstörten Baudenkmales gibt.
Die Beispiele aus anderen Städten zeigen, welche positive Wirkung solche Rekonstruktionen überregional und besonders aber auch auf die Stadtbevölkerungen selbst haben. Das Zurückholen von etwas verloren gegangenen Historischem hat eine besondere Faszination.
Vor 8 Jahren gab es in Chemnitz eine Diskussion um eine mögliche Rekonstruktion des Saxoniabrunnens. Unter dem Eindruck der neu entstandenen postmodernen, von bekannten Architekten entworfenen Kaufhäuser am Marktplatz wurde der Gedanke einer Neuinterpretation des Saxoniabrunnens verfolgt. Aus einem Wettbewerb ging ein Entwurf als Favorit hervor, der vorsah, das erhaltene Granitbecken des Saxoniabrunnens zu zersägen und die Teile mit maßstäblich größeren Tellern und Tassen zu einem neuen Brunnen zu komponieren. Dieser sollte auf dem Marktplatz vor dem Alten Rathaus aufgestellt werden. Der Chemnitzer Stadtrat lehnte die Umsetzung dieses Entwurfes ab.

Mit dem neu entstandenen Düsseldorfer Platz in der Chemnitzer Innenstadt ändert sich der Ausgangspunkt für eine Diskussion um den zukünftigen Standort des Saxoniabrunnens. Der Düsseldorfer Platz ist als einziger Platz in der Innenstadt mit seiner Fläche und seiner kleinteiligen Umbauung dem Rossmarkt, für den der Brunnen entworfen wurde, ähnlich. Die kleinteiligen Straßenzüge, welche in den Platz führen, wurden in den vergangenen Jahren, angelehnt an den Grundriss der Chemnitzer Altstadt, neu gebaut. Sie vermitteln innerstädtisches Flair und sind belebt. Der Brunnen verliert sich nicht in diesem Umfeld. Die Wechselwirkungen Größe und Proportion Brunnen zur Größe des Platzes und zu dessen Umbauung stimmen hier.
Die Standorte Marktplatz und Johannisplatz haben diese Eigenschaften nicht. Auf dem weitläufigen, leicht abfallenden Johannisplatz würde sich der Saxoniabrunnen im Umfeld eher großteiliger und einfacher Architektur verlieren.
Der Marktplatz ist der prominenteste Platz in Chemnitz. Der Gedanke liegt nah, den Brunnen dort aufzustellen. Aber hier würde das Zusammentreffen des alten Rathauses mit dem Gründerzeitbrunnen wie ein gekünsteltes Stück Altstadt wirken. Zudem ginge auch hier die Wirkung des Brunnens auf dem offenem Platz ein Stück weit verloren.
Das Gegenüber des alten Rathauses sollte kein altstädtisches Wasserspiel sein. Das ist nicht Chemnitz. Die Stadt lebt optisch vom Kontrast Alt und Neu. Ich stelle mir gegenüber des Alten Rathauses ein modernes Kunstwerk vor. Ich denke da an die Standbilder von Michael Morgner. Diese Ästhetik schafft es, ein zu Chemnitz passendes Thema auszudrücken und am Standort das Alte Rathaus mit der gegenüberliegenden neuen Architektur zu verbinden.

Warum sollte der Saxoniabrunnen rekonstruiert werden?

Die Chemnitzer Innenstadt bietet nur wenige historische Ansichten. Der Saxoniabrunnen ist eines der wenigen Relikte aus der alten Chemnitzer Innenstadt, das von deren reicher Bausubstanz erzählt. Die neue moderne Chemnitzer Innenstadt braucht mehr historische Bezugspunkte.
Viel zu lange war der Saxoniabrunnen nicht Teil der Stadt Chemnitz. Er wäre eine Bereicherung für alle Chemnitzer und deren Gäste.

Ich schlage vor, einen Bürgerverein zu gründen, mit dem Ziel der authentischen Rekonstruktion des Saxoniabrunnens. Als Standort für den Saxoniabrunnen schlage ich den Düsseldorfer Platz vor.
In einer Stadt von der Größe Chemnitz sollte es gelingen, genügend Spendenmittel zu akquirieren, um so ein Vorhaben umzusetzen. Ähnliches ist mit der Rekonstruktion des historischen Glockenspiels im Alten Rathaus Chemnitz und dem Neubau der Orgel in der Schlosskirche schon gelungen.
Die Rekonstruktion des Saxoniabrunnens wäre ein Gemeinschaftsprojekt der Chemnitzer und ein schöner Beweis der Verbundenheit der Chemnitzer mit Ihrer Stadt.

Sandro Schmalfuß
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01.11. 2010
Zwei Jahre Nichts tun

Vor fast 2 Jahren, im Februar 2009, trafen sich an der Meinertschen Spinnmühle in Niederlugau engagierte Bürger mit Vertretern der Stadt Lugau um über Möglichkeiten zu sprechen, das wertvolle Industriedenkmal welches seit 1974 leer steht und dessen Verfall nun zunehmend fortschritt, zu retten.

Was sich damals abzeichnete, scheint sich nun zu bewahrheiten. Lugau wählte die kurzfristig einfachste Lösung, nämlich das Nichts tun.
In den zwei Jahren seit dem Treffen wurde nichts unternommen um die Meinertsche Spinnmühle zu erhalten. Einzig Warnschilder wurden am Grundstück angebracht, dass das Grundstück nicht zu betreten sei. Der Widerhall, den der Zustand der Spinnmühle in den Medien erfuhr, wurde erst durch meine Fotos vom katastrophalen Zustand des Baudenkmales möglich, welche auf dem Grundstück entstanden. Das gilt es in Zukunft zu verhindern. Eine einzige peinliche Reaktion auf unser Ansinnen die Meinertsche Spinnmühle zu retten.
Schon während des Treffens 2009 war der Konsens, den man von den Vertretern der Stadt vor Ort hörte, das Treffen sei sinnlos, wir können nichts tun.



Dabei hatten engagierte Bürger der Stadt Lugau und den Denkmalbehörden Brücken gebaut. Der angeblich nicht aufzufindende Eigentümer der Spinnmühle wurde kurzfristig ermittelt. Dieser erklärte sich sogar bereit unter den rechtlichen Vorrausetzungen die nötig seien, aber geschaffen werden könnten, die Spinnmühle zu seinen Unkosten für einem symbolischen Preis zu verkaufen. Es wurde Kontakt mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz aufgenommen, welche eine Förderung für Erstsicherungsmaßnahmen in Aussicht stellte und ein Antragsformular schickte.
Vom Bürgermeister der Stadt Lugau wurde uns und den Medien indes nur erklärt warum er was nicht tun kann. Auch die Gespräche mit den Verantwortlichen im Landesdenkmalamt verliefen unter gleicher Überschrift.
Gut bezahlte Politiker und Beamte, die sich dafür engagieren allerhand Gründe zu finden etwas nicht zu tun. Diese Leute sind beschämend für unser Land und fehl am Platz in Ihren Positionen.

Wer nach Lugau kommt, wird eine Kleinstadt ohne überregional wirkende Höhepunkte vorfinden. Die Chance, welche Lugau mit dem Erhalt eines der ältesten Fabrikgebäude Europas hat, ist überhaupt nicht erkannt worden.
Die Meinertsche Spinnmühle wird in nächster Zeit zusammenfallen. Dann hat Lugau einen riesen Schutthaufen im Stadtbild stehen der irgendwann auf Kosten des Steuerzahlers beräumt werden muss.
Was hier passiert, ist beschämend für die sächsische Kulturlandschaft und ein Schlag ins Gesicht all derer, die sich anderswo für den Erhalt von Baudenkmälern engagieren.
Gute Nacht Lugau.


26.10. 2010

Bevölkerungszuwächse nur in attraktiven Gründerzeitvierteln

In Chemnitz bilden sich zunehmend "In" Stadtteile heraus. Das zeigt jetzt auch der neue Stadtteil-Atlas der CEMPIRICA GbR. So haben die Stadtteile Kaßberg, Schloßchemnitz und Hilbersdorf im Gegensatz zu Chemnitz im gesamten, in den letzten 8 Jahren Einwohner gewonnen.

Diese Viertel haben eine kleinteilige, sanierte Gründerzeitbausubstanz. Ein Hinweis mehr, das die Plattenbauviertel der Stadt Chemnitz bei Mietern weniger gefragt sind. Diese Viertel haben die höchsten Bevölkerungsverluste. Die Studie zeigt aber auch, dass der Stadtteil Sonnenberg mit seiner kleinteiligen Struktur und der Innenstadtnähe die Basis hat, für eine ähnliche Entwicklung wie in den Stadtteilen Schloßchemnitz und vor allem Hilbersdorf, welcher in der Vergangenheit auch ein Arbeiterviertel war.



Chemnitz-Sonnenberg wird in Zukunft eines der gefragtesten Wohnviertel in Chemnitz sein. Derzeit entdecken Investoren das Stadtviertel. Die neuerlichen Sanierungen im Viertel wurden u. a. durch den längst überfälligen Abverkauf von Wohnhäusern zu vernünftigen Preisen möglich. Diese Investitionen werden von dem Umstand profitieren, dass Mieter in Chemnitz zukünftig mehr Wohnungen in attraktiven Gründerzeitvierteln suchen werden weil die in den letzten Jahren sanierten Bauten in den Chemnitzer Plattenbauvierteln schon in 10 Jahren wieder altmodisch und unattraktiv wirken werden. Es wird dann noch schwieriger, Mieter für diese Wohnstandorte zu interessieren wie es jetzt schon ist.


06.10.2010

St. Johannis vor dem Tore

Seit einigen Tagen stehen an der St. Johanniskirche in der Chemnitzer Innenstadt Baugerüste. Die Johanniskirche ist eines der ältesten Gebäude der Stadt Chemnitz und war ehemals als "St. Johannis vor dem Tore" Mittelpunkt der Johanissvorstadt.
Die kleine Hallenkirche mit Dachreiter erhielt im 19.  und frühen 20. Jh. mehrere Umbauten und u. a. einen Kirchturm. Die Kirche überlebte den 2. Weltkrieg fast unbeschädigt. Das um 1910 entstandene äußere mit dem Turm von Erich Basarke wurde erst in den 1970er Jahren zur heutigen Ansicht umgebaut, die noch erhaltene historische Bebauung um die Kirche abgerissen.
Die Kirche gehört nach meinen Informationen heute der Stadt Chemnitz und wird als Jugendkirche genutzt.
Die Rekonstruktion der historischen Fassade wäre eine große Chance für die Chemnitzer Innenstadt gewesen. Leider in Chemnitz wohl nicht möglich. Ministädte wie Halberstadt schaffen es ihre historischen Kirchen zu rekonstruieren.



Die St. Johanniskirche an der Zschopauer Straße um 1925


17.09.2010

Erstem Kulturpalast der DDR in Chemnitz droht Abriss

Dem bekannten “Kulturpalast der Bergarbeiter” in Chemnitz, erster Kulturpalast der DDR, droht wieder der Abriss.
Die Stadt Chemnitz, welche mit einer Erhaltungssatzung  für den Kulturpalast und dessen baulicher Umgebung den Plänen des Eigentümers des Objektes entgegen wirken wollte, das wertvolle Baudenkmal abzureißen und das Arial mit Eigenheimen zu bebauen sieht sich nun nach meinen Informationen damit konfrontiert, dass der Rechtsbeistand des Eigentümers in Widerstand zur Erhaltungssatzung gegangen ist und die Einleitung eines Übernahmeverfahrens bei Beschluss der Erhaltungssatzung in Aussicht gestellt hat.
Die Beschlussvorlage ist seit Mai fertig, wird aber derzeit nicht dem Stadtrat zur Abstimmung vorgelegt. In der Zwischenzeit läuft der Abbruchantrag für den Kulturpalast weiter und wird nach dem er wohl abgelehnt wurde früher oder später der Landesdirektion zur Entscheidung vorliegen.




04.09.2010

Sicherungsarbeiten an Dresdner Straße 76
und Markusstraße 10


An den ehemals zur insolventen Wahl+Partner GmbH gehörenden Gebäuden Dresdner Straße 76 und Markusstraße 10 werden mit Mitteln aus dem Stadtumbauprogramm Ost umfangreiche Sicherungsarbeiten vorgenommen.

Es ist den Mitarbeitern des Chemnitzer Denkmalamtes und der Westsächsischen Gesellschaft für Stadterneuerung mbH zu verdanken, dass die bereit gestellten Mittel, welche an Fristen gebunden sind, während der Insolvenz der Wahl+Partner GmbH und nach dem Kauf der Gebäude durch ein Unternehmen nicht verfallen sind.

Weiter werden die Gebäude Gießerstraße 23 und Hainstraße 36 umfangreich gesichert.

Die Sicherungsarbeiten an den vier städtebaulich und architektonisch wertvollen Gebäuden zeigen, wie Fördermittel die ursprünglich für den Abbruch vorgesehen waren nun für den Erhalt solcher Gebäude eingesetzt werden können.




Dresdner Straße 76, Baujahr 1863



Markusstraße 10



Gießerstraße 23, nach der Entkernung für ein gescheitertes Rekoprojekt in den 90er Jahren, eine Ruine




Hainstraße 36, ehemals "EUROPA-KINO"




Am Gebäude sind dringent Sicherungsarbeiten notwendig


29.08.2010

Altchemnitz - Park der Villa Pfauter nach Jahren
erstmalig vom Wildwuchs befreit


Nachdem im Juli Videoaufnahmen den verwahrlosten Zustand des Parkes der 1914 errichteten Villa Pfauter, dem ehemaligen Anwesen der Familie Hermann Pfauters des Gründers der späteren Modul-Werke zeigten, wurde das Grundstück jetzt beräumt. Das wertvolle Gesamtkunstwerk aus Villa, Remise, Parkanlage und Umfassungsmauer mit Toranlage steht seit 2001 leer.
Die in den USA lebenden Pfauter-Nachfahren zeigten sich nach einem Besuch der Stadt vom Zustand des ehemaligen Familienanwesens entsetzt und boten den Kauf der Villa Pfauter an.
 
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26.08.2010
Chemnitz' schöner Traum

Darf ich mir für Chemnitz etwas wünschen? Ja?
Dann wünsche ich mir ein Stück Chemnitzer Innenstadt, so wie es früher einmal war, mit engen Straßen, vielen Geschäften und architektonisch interessanten Gebäuden.

Heute haben wir in Chemnitz den Grundstein dazu gelegt. Am Abend stellten Oberbürgermeisterin Ludwig, Baubürgermeisterin Wesseler und Architekt Speer ihre Vision für ein neues Stück Chemnitzer Innenstadt, oberhalb der Brückenstraße vor.

Architekt Speer, der für die Metropolen der Welt, neue Innenstädte und Innenstadtquartiere geplant hat, zeigt seine Vision von Chemnitz Mitte, 2030. Ein kurzes Umdenken war nötig.  Mein Chemnitz, das ich in den letzten Jahren unter der Überschrift "demografischer Wandel", "Stadtumbau",  "Rückbau" etc. kannte, verwandelte sich heute Abend in meinen Traum von europäischem Städtebau. Da standen an der Mühlenstraße wieder Wohnhauskarrees so wie im alten Chemnitz, Kunstsammlungen und Opernhaus zeigten sich als Teil eines kleinteiligen Viertels und parallel zur Straße der Nationen verläuft hinter deren Kammbauten eine ganz neue Straße, eingefasst von neuen Gebäuden.

Die Experten sagen, möglich wird das alles durch die Technische Universität Chemnitz. Deren neu geplante  Zentralbibliothek soll in der alten Aktienspinnerei ein zu Hause finden. Geht dann noch die Idee auf, im alten Hauptpostamt an der Straße der Nationen den TU Campus der Wirtschaftswissenschaften einzurichten, soll zusammen mit dem dann neu errichteten Behördenzentrum am Karl-Marx-Kopf eine kritische Masse erreicht sein, die es schafft Studenten und Mitarbeiter der TU wohnlich an den Brühl zu binden. Das soll soweit gehen, dass die vielen neu zu bauenden Gebäude dort mit Mietern gefüllt werden können.
Zugegeben, dass klingt alles etwas utopisch. Deshalb ermahnte uns das Stadtoberhaupt in einer Ansprache, diese Vision zuzulassen und daran zu arbeiten und sie selbst versucht schon Investoren für den Brühl zu begeistern.
Halt, gehören denn die Gebäude am Brühl nicht in großen Teilen der GGGmbH? Ja.

Der Saal war heute Abend gut gefüllt. Chemnitzer Politiker, Unternehmer, viele interessierte Bürger. Die Sehnsucht nach einem anderen Chemnitz ist groß. Alle waren gespannt.
Ein alter Mann meldete sich in der Diskussion zu Wort. Er wies darauf hin, dass seit langem der Gebäudekomplex des alten Hauptpostamtes an der Straße der Nationen ungesichert offen steht. Er bat diesen Zustand zu ändern.
Da beginnt das große Unternehmen Neubau der Angervorstadt.


28.07.2010

Chemnitz, Hartmannstraße 16, 19.07.2010, Bürgerengagement
gegen den geplanten Abbruch des Baudenkmals

 
 
10.07. 2010

Chemnitz 2030 - Die falschen Weichen gestellt

Artikel Freie Presse 10.07.2010

Beeindruckend der nun vorgestellte Masterplan “Chemnitz 2030” für eine zukünftige städtebauliche Neuordnung des Gebietes zwischen Brückenstraße und Brühl, ehemals bis zur Zerstörung der Innenstadt 1945 das Areal  der “Angervorstadt”.
Das bekannte Architekturbüro Albert Speer jr., Frankfurt am Main, liefert mit einer Sicht für die Umsetzung bis 2030 einen städtebaulichen Entwurf, der sich eng an den Vorkriegszustand in diesem Bereich der Innenstadt orientiert. Würde er umgesetzt, Chemnitz wäre im positiven Sinne eine andere Stadt.

Das Problem, diesen Entwurf hat es vor 15 Jahren fast exakt so schon einmal gegeben. Doch damals hat man mit Begründung der zu erwartenden demografischen Entwicklung in Chemnitz, die Weichen für diesen Bereich der Innenstadt anders gestellt. Die Großplatten an der Mühlenstraße, an deren Stelle Karrees geplant waren, welche einen neuen Friedrichs- und Antonplatz einfassen sollten, wurden saniert. Das historische Karree an der Mühlen- und Elisenstraße ist zu 2/3 abgerissen worden und nun mit einem Sportplatz bebaut. Die städtebauliche Deurbanisierung an dieser Stelle, eine offene Wunde bis heute in Chemnitz. Die Punkthochhäuser am Beginn des Brühls dagegen, fast gegenüber dieses Karrees liegend, welche eigentlich zugunsten einer baulichen Schließung der beiden Karrees zwischen Hermannstraße und Georgstraße zurück gebaut werden sollten, blieben stehen und sollen teilsaniert werden.

Soll all das nun wieder rückgängig gemacht werden? Die Aufnahme der Planungen aus den frühen 90er Jahren kommt überraschend. Eine kürzlich veröffentlichte Studie belegt, die innenstadtnahen Gründerzeitwohnviertel sind beliebter, als die Chemnitzer Plattenbauviertel. Und jetzt ein städtebaulicher Rahmenplan, der nach 15 jährigen anderem Handeln sagt: "Baut die kleinteilige Innenstadt an dieser Stelle weiter"
Demnach ist in Chemnitz in den letzten Jahren, was den Stadtumbau angeht, grundsätzlich die falsche Politik gemacht worden.

Sollen die vorgestellten Pläne verwirklicht werden, müssen dafür jetzt die Weichen gestellte werden. Die geplanten neuen Karrees im Bereich der Oper, die Neubebauung der Mühlenstraße, diese vielen neuen Gebäude brauchen Mieter und das bei prognostizierten 10 % weniger Einwohnern in Chemnitz bis 2020. Das heißt, es müssten die Chemnitzer Plattenbauviertel massiv zurück gebaut werden, um diese Kapazität an neuen Wohnungen aufzunehmen. Doch derzeit werden noch mehrere Großplatten saniert, Wohnungsunternehmen wollen im Heckertgebiet gar neu bauen.

Letztlich frage ich mich, so gerne ich auch eine neue Angervorstadt in Chemnitz hätte, wie ernst zu nehmen diese Pläne sind. Selbst am Standort des ehemaligen Hotel Carola und an der abgerissenen Eckbebauung Straße der Nationen, heute der “Zu Hause” Schriftzug, sind neue Gebäude eingezeichnet. Hinzu kommt, dass die Planungen für den Kernbereich der Innenstadt immer mehr zurück genommen werden. Dort wo Baufelder mit neuen Gebäuden geplant waren, sind nur Interimslösungen verwirklicht worden, so die Verkaufspavilons vor der Schmidt-Bank-Passage oder die Glasfassade am Kulturkaufhaus Tietz. Wie man jetzt dazu kommt für den Bereich um den Theaterplatz die üppigen Planungen der Nachwendezeit wieder aufzunehmen und warum ein Planungsentwurf noch einmal gemacht wurde den es schon gab, bleibt ein Rätsel.

Was man aus diesem Entwurf unbedingt mitnehmen muss, ist eine andere städtebauliche Ordnung des geplanten Behördenzentrums zwischen Brückenstraße und Kunstsammlungen als der Entwurf es zeigt, welcher letztens aus einem Wettbewerb hervorging. Hier ist eine Bebauung, welche Straßen und Plätze einschließt, wünschenswert. Ein neues Stück Innenstadt. Hier kann man ansetzen, denn die Umsetzung des Baus des neuen Behördenzentrums ist realistisch.


10.07.2010

Rettung für den Silbersaal?

Das bekannte historische Gasthaus “Silbersaal” in Chemnitz-Bernsdorf welches seit Jahren dem Verfall preisgegeben war, hat neue Eigentümer. Die Betreiber des Mandelhäusschens am Falkeplatz wollen das bekannte Chemnitzer Gasthaus sanieren und wieder eröffnen. Derzeit ist aber eine Finnanzierung des Projektes nicht in Sicht.


17.06.2010


Chemnitz, weiter Abbrüche von Baudenkmälern, zeitgleich Sanierungen von Großplatten

 

Nachdem die Abbrüche an der Pamstraße im November 2008, Chemnitz deutschlandweit in die Kritik  brachten, wird seit heute überraschend weiter an der Palmstraße abgerissen. Es handelt sich um die Palmstraße 27. Ein Gründerzeitmehrfamilienhaus, erbaut um 1900, bis zu den Abbrüchen im November 2008 in einem geschlossenem Karree stehend.

Mit dem Abbruch der Palmstraße 27 ist der bis vor wenigen Jahren geschlossen erhaltene historische Gründerzeitstraßezug Palmstraße komplett zerstört. Zeitgleich mit dem Abbruch an der Palmstraße laufen im Chemnitzer Plattenbauviertel Heckertgebiet an der Stollberger Straße derzeit Komplettsanierungen an drei Großplatten.

Die Stadt Chemnitz informiert auf Ihrer Internetpräsenz, dass es zukünftig einen Gründerzeitmarkt, als deutschlandweite Einmaligkeit auf dem Chemnitzer Stadtfest geben soll.
 















30.05.2010

Städtebaulicher Ideenwettbewerb Justiz-
und Behördenzentrum Chemnitz-Innenstadt -
Siegerentwürfe ohne städtebauliche Qualität


Gastbeitrag Toni Jost, Chemnitz

Es geht bei diesem Projekt um das Bürogebäude Brückenstraße 10-12, dem ehemaligen Rat des Bezirks und der SED-Bezirkszentrale (die „Parteifalte“) samt vorgelagerten Grünflächen und Marxmonument, die dahinter liegende ehemalige Gaststätte Forum, das Wohngebäude Straße der Nationen 23 („Titus“), den Parkplatz dahinter und die umliegenden Funktionsgebäude. All dies ist Landeseigentum bzw. steht unter  seiner Verfügung. Nicht einbezogen wurden die Appartmentgebäude entlang der Mühlenstraße (GGG) und das IHK-Gebäude an der Straße der Nationen.
Auftrag an die Architekten war, ein solches Konzept zu schaffen, das als Bindeglied zwischen Brühl und Innenstadt fungiert und das denkmalpflegerische Aspekte respektiert (nur das Marxmonument, die Terrasse und die Schrifttafel stehen unter Schutz, nicht aber das Gebäude selbst!). Insofern zeugt die Ausschreibung von einem hohen Problembewusstsein. Dass dieses Gebäude eine Mauer darstellt, die die Innenstadt zerschneidet, den Brühl abtrennt und insbesondere in seinem Hinterland ein unwirtlicher Ort ist, erkennen die Verantwortlichen.
Man möchte schreien: Endlich! Endlich wird dieses Problem angegangen, das ja bereits seit dem ersten Ideenwettbewerb Innenstadtgestaltung von 1991 bekannt ist, aber doch so hochsensibel ist, dass sich bisher keiner herangetraut hat. Nun, was haben die Architekten daraus gemacht? Um gleich auf den Punkt zu kommen: Nicht viel.
Das Problem des ganzen Wettbewerbs ist ein grundsätzliches. Da er allein auf Landesbesitz beschränkt bleibt, werden verkehrstechnische Fragen und kommunaler Grundbesitz weitestgehend ausgespart  Die Begründung, städtische Areale nicht mit einzubeziehen, ist mir schleierhaft, steht einer Lösung, die die Probleme an der Wurzel packt (Schneisen Brückenstraße / Mühlenstraße, dahingeworfene Platten Mühlenstraße als unwirtliche Verbindung zum Brühl) aber im Weg. Kaum Hoffnung sollte man sich auch hinsichtlich der Belebung des Areals machen: Hier wird ein Bürokomplex geschaffen, mit nur wenigen Erlebniseinrichtungen und überhaupt keinen Wohnungen. Dass hier um 5 die Bürgersteige hochgeklappt werden, ist leider absehbar.

1. Preis: Peter Koch, Chemnitz

Der Entwurf lässt das alte Gefüge des Karl-Marx-Forums bestehen, bauliche Veränderungen am Rat des Bezirks/der Parteifalte sind abgesehen von zwei Durchbrüchen in Erdgeschosshöhe nicht vorgesehen. Wie in allen Entwürfen wird die Forumsgaststätte abgerissen, auch der Anschlussbau Straße der Nationen 23 soll einem Neubau weichen. Leider wirkt der Entwurf arg blutleer, die Neubauten verstecken sich hinter dem alten Büroriegel, zu dem keine erkennbare Beziehung besteht. Kein Neubau passt sich ihm in seiner Linienführung an, gebührender Sicherheitsabstand folgt auf enge Gassenführung; die Platzfolge erscheint willkürlich, überdimensioniert und lässt bereits jetzt eine gähnende Leere erahnen. Das Fritz-Heckert-Geburtshaus („HeckArt“) steht noch verlorener in der Landschaft als es dies jetzt schon tut. Offene Zugangswege bestehen nur über die Straße der Nationen und die Mühlenstraße – wie de facto bereits jetzt schon. Städtebaulich ändert sich mit Ausnahme der Bebauung bzw. Zugänglichmachung des Parkplatzes nicht viel, der Weg zum Brühl bleibt architekturpsychologisch mühsam, eine erlebbare und sichtbare Beziehung vom und zum Stadthallenpark, die motivierend wirkt, tatsächlich in bzw. durch dieses Areal zu flanieren, existiert nicht. Positiv hervorzuheben ist allein, dass das König-Albert-Museum eine bauliche Fassung seiner Rückseite erhält – der Wettbewerbsausschreibung geschuldet bleibt diese jedoch Fragment. Alles in allem entsteht der Eindruck eines Hinterhofes, einer kleinen Insel der Bürokratie mit wenig Beziehung zu seiner Umgebung.

2. Preis: Bielenberg Architekten, Dresden

Dieser Entwurf macht mich sprachlos. Haben die Architekten beim Projektieren Büroblock-Weitwerfen gespielt und wie sie eben gelandet sind, so kamen sie in den Plan? Eine Piazza als raumbildendes Element inmitten eines Bürokomplexes? Ich bitte Sie! Und dazu 50m breite Zugangswege zur Mühlenstraße und zur Straße der Nationen, während man den Komplex in Richtung Karl-Liebknecht-Straße  mit zwei Gebäuden nahezu abriegelt? Die „Mauer“ an der Brückenstraße bleibt bestehen, zum Opernplatz besteht keine Beziehung, erst recht nicht zum Stadthallenpark… mit einem Wort: katastrophal.

3. Preis: Michel+Wolf+Partner, Stuttgart

Im Gegensatz zu den beiden höher bewerteten Entwürfen gibt sich dieser Plan sehr streng und nimmt mit seiner Straßenführung die verlorene Vorkriegssituation wieder auf. Die drei Baublöcke – von denen einer an das bestehenden IHK-Gebäude anschließt, mit zwei Lücken aber aufgebrochen wirkt und somit einen interessanten und möglicherweise sogar intimen Durchgang erlaubt – belegen leider nur die Hälfte des Baufeldes. Der riesige Platz in Richtung Mühlenstraße besitzt keine bauliche Fassung, ein Anschluss an die Karl-Liebknecht-Straße und damit zum Brühl erscheint so nicht zu erreichen. Leider ist dies nicht gewollt, da die Planer die Hauptachse des Areals als vom Museum ausgehend (der Eingang!) zum Marxmonument definieren, was schlicht blödsinnig ist. Auch korrespondieren die neuen Gebäude kaum mit dem „Rat des Bezirks“. Eine zu breite Zugangsstraße signalisiert Sicherheitsabstand, eine Einheit Brühl – Behördenzentrum – Innenstadt ist auch hier nicht zu erwarten, insgesamt jedoch ist dieser Entwurf unter den Preisträgern der beste. Mit einem Durchbruch des Büroriegels und einem vierten Gebäude auf dem Areal des verloren wirkenden Freiraumes könnte dieser Plan funktionieren und tatsächlich zwischen Mühlenstraße / Straße der Nationen und Innenstadt / Brühl vermitteln. Ein guter Ansatz ist erkennbar.
Ich erspare mir und Euch, jeden der weiteren gut zwei Dutzend Entwürfe einzeln zu untersuchen. Einzelne Aspekte, besonders architektonisch könnte man noch aufgreifen, die Probleme und Fehler sind im Großen und Ganzen aber die selben, oft nur noch viel liebloser begangen. Einen jedoch möchte ich hervorheben, den der

Hamilton Architects Masterplanners, London

Großartig! Ganz und gar großartig! Die Engländer haben als einzige wirklich verstanden, dass man hier keine weitere Insel bauen muss, sondern ein Bindeglied. Dass dazu die Überformung der bestehenden Bausubstanz gehört, erkennen sie und lösen es auf eindrucksvolle Weise. Der Büroriegel Brückenstraße wird aufgebrochen und eine direkte Querachse zur Karl-Liebknecht-Straße geschaffen, der richtigen Erkenntnis folgend, dass dies die wirklich wichtige Ader des neuen Viertels ist und nicht die Linie Museum-Monument. Keine wirren Platzfolgen, sondern klare Strukturen, eine relativ kleinteilige Architektur, die in Richtung Mühlenstraße in ihrer Geschosshöhe abfällt. So entsteht der Eindruck eines offenen Geländes, das sich nicht durch Mauern isoliert, sondern einlädt, nicht nur in, sondern auch durch das Areal zu streifen. Intelligente Zugangswege versprechen, dass hier kein Hinterhof entsteht und als einer der wenigen Entwürfe lässt er Raum für die Erweiterung in Richtung Mühlenstraße, da er kein geschlossenes Ensemble konstruiert. Der kleine Platz besitzt eine gute Maßstäblichkeit und lässt einen schönen Blick auf das Highlight des gesamten Planes erahnen: den Anbau an die „Parteifalte“: Behält sie zur Brückenstraße ihre ursprüngliche Form, erhält sie an ihrer Rückseite einen etwas niedrigeren Glasanbau, der sich wundervoll an ihre Form anschmiegt und ein wahres Aushängeschild für die „Stadt der Moderne“ werden könnte. Natürlich kann man im Detail streiten: Ist der Turm notwendig? Wohl eher nicht, das Mercure sollte als Stadtkrone genügen. Könnte man die Straßen noch besser definieren, mit ein bisschen mehr Bau und weniger Grün? Vielleicht. Sollte man das Marxmonument in ein Wasserbassin setzen? Nein. Nichtsdestotrotz ist hier ein großer Wurf gelungen, der den Wünschen der Bürger nach einer abwechslungsreichen und begehbaren Stadt mit interessanter Architektur am nächsten kommt.

Fazit: Mit der Konzeption und den Ergebnissen des Wettbewerbs läuft man Gefahr, nur eine weitere Insel im Stadtgefüge zu schaffen, die abends zudem völlig ausgestorben sein wird. Architektonisch könnte es interessant werden, städtebaulich hingegen bleibt das Gebiet nach wie vor eine Katastrophe. Falls nicht das Sächsische Immobilienmanagement noch zur Einsicht kommt, hier eine Fehlentscheidung getroffen zu haben. Zu wünschen wäre es ihm. Und uns.




Maßstab für die Neubebauung des Areals. Die ehemalige Angervorstadt zwischen Brückenstraße und Theaterplatz.


29.05.2010

Standort der Chemnitzer Neumühle entdeckt

Die Auswertung mir neu vorliegender historischer Luftaufnahmen von der Stadt Chemnitz zeigten jetzt, bei der historischen Neumühle, neben der Nikolai- und Klostermühle eine der 3 großen ursprünglichen Wassermühlen der Stadt Chemnitz, handelt es sich nicht um das heute noch vorhandene Gebäude an der Georgstraße. Die auf dem Stich um 1840 zu sehende Chemnitzer Neumühle befand sich etwas weiter in Richtung Georgbrücke.



Die Chemnitzer Neumühle um 1840 nach dem Umbau im klassizistischen Stil



Die gleiche Blickrichtung heute



Das oft als Neumühle vermutete Gebäude an der Georgstraße, warscheinlich ein Erweiterungsbau eines Unternehmens das die Neumühle später nutzte. Das Gebäude sucht dringent einen Investor, das es für Chemnitz erhalten werden kann.



Hierbei könnte es sich um Grundmauern der historischen Chemnitzer Neumühle handeln


20.05.2010

Medienberichte zum geplanten Abriss Augustusburger Straße 102

Beitrag Sachsen-Fernsehen vom 20.05.2010

"Chemnitz besitzt einen großen Schatz"


11.04.2010

Offener Brief zum Kopfbau Augustusburger Straße

Sehr geehrte Frau Ludwig, sehr geehrte Frau Wesseler, sehr geehrter Herr Butenop,

hiermit möchten wir gern einen Erhaltungsvorschlag für das akut vom bereits genehmigten Abriss bedrohte Gebäude im Kreuzungspunkt Augustusburger Straße – Zietenstraße – Clausstraße (ehem. Baugenehmigungs- /Bauordnungsamt) zur Diskussion stellen. Diese bauliche Ikone stellt auf Grund seiner städtebaulich markanten Lage einen wichtigen Baustein des urbanen Raumes dar.



Da der Abbruch des Gebäudes mit nicht unerheblichem finanziellem Aufwand für die Stadt Chemnitz verbunden ist, möchten wir nochmals für den unbedingten Erhalt des Gebäudes plädieren. Eine Vermarktung scheint wegen der geringen Grundstücksgröße sowie der tangierenden Verkehrswege ausgeschlossen. Aus diesem Grund schlagen wir vor, das Gebäude im Eigentum der Stadt zu belassen und dieses zum “Haus der Vereine” umzunutzen. Die Diskussion um das Umweltzentrum auf dem Kaßberg hat den dortigen Vereinen und Institutionen zwar einen Aufschub gewährt, nebenbei aber gezeigt, wie wichtig solche Orte in der Stadt sind. Wir glauben, das Gebäude Augustusburger Straße wäre ein guter Standort, um Vereine mit Unterstützung der Stadt zum Betriebskostenanteil dort ansiedeln zu können. Dafür würde sich auch das Stadtforum bewerben. Die stadtbildprägende Funktion des Gebäudes wäre erhalten, eine Sicherung der Substanz durch die Nutzung gegeben. Wie wir finden, ein überlegenswerter Vorschlag.

Frank Kotzerke
Stadtforum Chemnitz



02.04.2010

Ehemalige Konzernzentrale der Auto Union AG sucht Investor

Der Gebäudekomplex der ehemaligen Konzernzentrale der Auto Union AG, das spätere Stadtparkkrankenhaus an der Scheffelstraße in Chemnitz, sucht wieder einen Investor. Das industrie- und stadtgeschichtlich wertvolle Baudenkmal, welches ehemals zur insolventen Wahl + Partner GmbH gehörte, steht aus deren Insolvenzmasse freihändig zum Verkauf.



Der Erhalt und die Suche nach einer langfristig tragenden Nutzung des Ursprungsortes der Audiringe, muss ein Anliegen der Stadt Chemnitz und der Wirtschaftsregion Chemnitz sein, ist dieses Gebäude als ehemalige Konzernzentrale, eines der größten europäischen Automobilherstellers der Vergangenheit doch ein wesentliches Symbol des industriellen Sachsens.



Blick in das Gebäude




28.03.2010

Chemnitz, legendärer Marmorpalast nicht mehr zu retten letzter Eigentümer Schuld

Das bedeutendste noch erhaltene historische Ballhaus der Stadt Chemnitz, der “Marmorpalast” an der Limbacher Straße ist nicht mehr zu sanieren.
Der ab 1874 errichtete Gebäudekomplex weißt irreparable Schäden an der Baussubstanz auf. Das Gebäude gehörte zuletzt der Stadt Chemnitz. Von Seiten der Stadt wurden keine ausreíchenden Sicherungsmaßnahmen am Gebäude vorgenommen. Die vor wenigen Tagen aufgenommen Fotografien aus dem Inneren des Gebäudes zeigen den verheerenden Zustand des wertvollen Baudenkmales.


Fotodokumentation

Es ist eine Schande, dass dieser unter der Obhut der Stadt Chemnitz zu Stande kam. Weiter zu kritisieren ist, dass der Gebäudekomplex über Jahre nur halbherzig zum Verkauf angeboten wurde. Ende letzten Jahres ist der Marmorpalast auf einer Auktion zu einem Niedrigstpreis versteigert worden. Damit ist jede Einflussnahme auf die Zukunft des Baudenkmales aus der Hand gegeben worden.
Derzeit steht der Marmorpalast, ungesichert und offen für ein weiteres Versagen im Umgang mit historischer Bausubstanz der dafür Verantwortlichen bei der Stadt Chemnitz. Man fragt sich, wie es inzwischen um andere in Obhut der Stadt befindliche Baudenkmäler, wie dem “Haus Einheit” steht.




Derart Umgang mit historischem Bauerbe, eine Schande für die Stadt Chemnitz


27.03.2010
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Kuratorium für Stadtgestaltung empfiehlt nach
zweiter Sitzung Erhalt der historischen Bebauung an der
Bergstraße und an der Zietenstraße
 
Pressemitteilung der Stadt Chemnitz
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Wie erwartet, bestätigen die von überregional engagierten Experten, was Chemnitzer Bürger und Institutionen schon seit Jahren gefordert hatten. Leider wurde dem Rat der vielen engagierten Chemnitzer von den Verantwortlichen bei der Stadt Chemnitz kein Vertrauen geschenkt. Für viele historische Bauten in Chemnitz zu spät. 




Das historische Hotel Carola vor dem Abbruch


18.03.2010


Letzter Pächter des historischen Konzert- und Ballhauses "Barberina" von Chemnitzer Tageszeitung interviewt 
 


09.03.2010

  
Historisch bedeutende Denkmalsiedlung in Chemnitz-Harthau auf sächsischer Grundstücksauktion versteigert
 
Die ehemals zum Komplex der ersten sächsischen Fabrik gehörende  Beamten- und Arbeitersiedlung an der Klaffenbacher Straße in Chemnitz-Harthau ist auf der sächsischen Grundstücksauktion am 6. März 2010 in Leipzig fast komplett versteigert worden. Die Siedlung die sich bis dato in Eigentum eines großen Chemnitzer Wohnungsunternehmens befand, wurde von diesem vor einigen Jahren leer gezogen und dann zu horrenden Preisen um 70.000 Euro pro Objekt angeboten. Der schon im Gespräch gewesene Abbruch der Häuser konnte Dank neuer Förderrichtlinien nicht mehr umgesetzt werden. Die Häuser wurden nun zu eher symbolischen Preisen abgestoßen.
  

 
 
Auktionslimit/Auktionserlös:

Klaffenbacher Straße 78 5.000,-- 6.000
Klaffenbacher Straße 70/72 1.000,-- 1.000
Klaffenbacher Straße 62 5.000,-- 5.000
Klaffenbacher Straße 64/66, 68 9.000,--  9.000


 



 


Nicht versteigert Klaffenbacher Straße 74/76


 
Besonders herausragend in der Siedlung ist das Objekt Klaffenbacher Straße 70/72. Es handelt sich hier um Chemnitz einzig erhaltenes Fabrikschulgebäude.


 11.01.2010

Zustand der Spinnmühle Meinert in Lugau
weiter Thema in den Medien


Freie Presse 18.12.2009

Sächsische Zeitung 11.01.2010
 


09.01.2010

BARBERINA - Chemnitz' vergessenes Ballhaus

Gastbeitrag Frau Dr. Benita Martin

Fotodokumetation

Das kleine goldene Schlösschen duckt sich weg. Es ist ungeliebt, verfallen und atmet nur noch als Hauch die vergangenen Zeiten. Dabei klingt BARBERINA doch so melodisch, so einprägsam. Nach Tanz, Romantik und graziler Schönheit. Vielleicht auch nach Ausgelassenheit.
Bei der Vorstellung kann Herbig nur lachen.
Es bleibt ein kurzes, unkommentiertes Lachen.




Derzeit lebt Manfred Herbig nur 500 m entfernt der Ruine, der BARBERINA. Er ist der ehemalige Gastwirt und Pächter. Lärmend machen sich rote und gelbe Bagger nebenan zu schaffen, unablässig fahren Lastwagen ein und aus. In Altchemnitz/ Reichenhain/Erfenschlag, wo bis vor einigen Jahren noch das industrielle Herz der Studentenbewegung und Einheimischen schlug, strengt sich die Stadt an, die BARBERINA zu vergessen. Oberhalb des Gebäudes wurden Ingenieurschulen und Universitätsgebäude gebaut, gut abgeschottet und separatisiert von der BARBERINA, die doch einstmals das bestbesuchteste Restaurant der zukünftigen Ingenieure und Doktoranden darstellte. Laut Herbig war die BARBERINA einer der erfolgreichsten Absatzmärkte für das Bier der Brauerei Einsiedel. Rund um die BARBERINA wurden Ein- und Mehrfamilienhäuser gebaut, ein Wohngebiet saniert, entstanden Wohn- und Gewerbeparks. Als Verkehrsknotenpunkt stellt sie die Eisenbahnlinien- und Straßenverbindung von Chemnitz zu den anliegenden Orten dar. Das Objekt sucht der Architektur wegen in Europa seinesgleichen. Es bietet die Chance, einen ganzen Stadtbezirk neu zu erfinden und beträchtliche Wachstumsimpulse für die gesamte Region zu setzen.

 

Aber Manfred Herbig kann sich nicht freuen. Es habe schon zu viele große Versprechen und Pächter gegeben.
Im 19. Jahrhundert war die BARBERINA ein Haltepunkt für Kutscher, sie nannte sich „Ausspanne“, die Eisenringe zum Befestigen der Pferdezügel sind heute noch an den Simsen der Vorderfront der BARBERINA zu sehen. 32 Rösser hatten Platz in den massiv gebauten, kellerartigen, mit Rundbögen ausgestatteten Gewölben. Sie wurden getränkt, ein Brunnen sorgte für Frischwasser, die Kutscher fanden Unterkunft im 2. Stock.
Anfang des 20. Jahrhunderts, in der Zeit des Baus der Eisenbahnlinie um 1908, gewann diese Gaststätte an zentraler Bedeutung. Mit angegliedertem Ballsaal, liebevoll als „Kast’l“ bezeichnet, wurde sie zur Bahnhofsgaststätte Erfenschlag, später Reichenhain, eine Familie Scherzer übernahm die Pacht. Der spektakuläre Ballsaal war mit riesigen Rundbogenfenstern, Eingangsportal, Stuckdecken, angemessenem Interieur, Leuchtern und  wunderschönen Säulen ausgestattet. Das einmalige Gebäude zählte als kulturelles Zentrum, die Nähe des Wasserwerksparkes, ein riesiger, angegliederter Hockeyplatz und ein lauschiger Vorgarten, eine geräumige Toreinfahrt unterhalb des Tanzsaales, breit genug für Gespanne, sorgten für Attraktivität und Anziehung. Bis 1938.
Bis zum 2. Weltkrieg.




Der Pächter Scherzer verlor im Krieg sein Leben, die BARBERINA überlebte und wurde von den Pfauter Werken (zuletzt MODUL) von 1941 bis 1945 gekauft.
In dieser Zeit diente der Ballsaal als Schlafstatt und Aufenthaltsraum für Ostarbeiter, die für die Pfauter Werke tätig waren. Sämtliche Einrichtung wurde entweder entwendet oder zerstört, nichts ist davon übrig geblieben. Die Stuckarbeiten und Säulen des Ballsaales sind nur noch teilweise erhalten. Und die tragenden Wände.
Das Restaurant wurde belassen und diente als Verwaltungsgebäude.
Nach dem Krieg ging das Objekt an einen gewissen Herrn Suchanek, dessen Tanzlokal im Zentrum von Chemnitz durch Bomben vollständig zerstört wurde, über.
Er nannte sie von da an BARBERINA.



 
Ab 1950 übernahmen die BARBERINA Herr Herbig Senior, danach sein Sohn als Pächter. Das Restaurant erlangte die 2. Blüte als Anlaufpunkt für die anliegenden Bewohner, internationalen Studenten und Arbeiter.
Der Besitz ging an eine Privatperson über, die unter tragischen Umständen 1982 verstarb. Die Verwaltung des Objektes übernahm die GGG. Es wurden keine Sanierungsgelder bewilligt.
Der Ballsaal siechte dahin. Er diente 1950 als Werkstatt für eine Fahrrad- und Handwagenfabrik der Fa. Leibel. Der Abraum, der durch die Erbauung der Universität gleich gegenüber entstand, wurde zum Auffüllen des Hockeyplatzes benutzt, die Toreinfahrt mit ihrem wunderschönen kleinformatigen Steinkopfpflaster fast verschüttet. Mehrmals noch wechselten die Pächter, alle mit dem Versprechen, die BARBERINA zu sanieren.
Bis 1978 konnte sich die BARBERINA als Gaststätte noch halten, seitdem steht sie leer. Selbst als Lagerraum war sie durch Baufälligkeit und mangelnde Pflege nicht mehr zu gebrauchen. Das Objekt, samt Ballsaal wurde 1977/78 an den Heizungs- und Rohrleitungsbau, danach an die Fa. DGH, Wasserwirtschaft, Strickmaschinenbau, Farbengroßhandel etc.etc. verkauft, vermietet, verpachtet und verraten. Der jetzige Eigentümer ist mir nicht bekannt.



 
Herbig steht vor seinem kleinen Haus. Dass die Immobilie vielleicht bald mehr wert ist, interessiert ihn nicht, denn die BARBERINA könnte vor allem mehr Umsatz, Steuergelder und Attraktivität nach Chemnitz bringen. Und eine Sanierung würde die Einmaligkeit dieses Objektes mit seiner Geschichtsträchtigkeit gewährleisten.


03.01.2010

Die Mär von den 20 - 30 Tsd. leer stehenden
Wohnungen in Chemnitz


Das von den Verantwortlichen bei der Stadt oft vorgetragene Problem der 20 - 30 Tsd. leer stehenden Wohnungen in Chemnitz nimmt inzwischen populistische Züge an und wirkt sich nachteilig auf die Stadtentwicklung aus, da diese Zahlen u. a. Grundlage für Entscheidungen bzgl. des Stadtumbaus in Chemnitz sind.

Selten vorgetragen werden dabei die vielschichtigen Gründe für den Wohnungsleerstand welcher u. a. auch Ursachen unabhängig der demografischen Entwicklung der Stadt Chemnitz hat.

So ist in den Zahlen u. a. mit eingerechnet Wohnungsbestand in unsanierten Häusern oder Wohnungsbestand der am Markt nicht nachgefragt ist. Letzterer ist in Chemnitz zahlreich vorhanden. Das sind Wohnungen, (billig) saniert ohne die heute üblichen und bei Mietern nachgefragten Ausstattungsmerkmale wie z. B. Balkon, Laminatfußboden/Parkett oder einen sinnvollen Wohnungsgrundriss.  Auch Plastefenster, glatte Pressspaninnentüren etc. machen eine Wohnung für Mieter unattraktiv.
Weiter macht die Vermietung in Straßen Probleme wo zwar Häuser saniert wurden aber andere Gebäude, oft in Eigentum des großen städtischen Wohnungsunternehmens, unsaniert bleiben oder abgebrochen werden und so hässliche Lücken im Straßenbild entstehen.
Es gibt Beispiele in Chemnitz wo ein Eigentümer sein Reihenmehrfamilienhaus nach einem Abbruch nebenan, plötzlich frei stehend findet.


Auch muss man feststellen, dass Wohnungen in den zahlreich sanierten Plattenbaublöcken immer schlechter nachgefragt werden. Die eintönige architektonische Umgebung eines Plattenbauviertels und die einfachen Risse von Plattenbauwohnungen mit Betonwänden sind für Mieter unattraktiv, gerade wenn man anderswo in der Stadt zum selben Preis eine attraktive, sanierte Altbauwohnung mieten kann. Viele große Wohnungsunternehmen kämpfen mit diesem Problem, bieten neu zu vermietende Wohnungen mit Mietnachlässen oder Angeboten wie “ein halbes Jahr Kaltmiete für einen Euro” an und verlangen aber trotzdem den Erhalt der Chemnitzer Plattenbauviertel.




Unsanierter Wohnungsbestand in Chemnitz in zu teuer am Markt angebotenen Altbauten als Begründung für Wohnungsrückbau in historischen Gründerzeitvierteln.
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