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BEITRÄGE 2009

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Beiträge zur Spinnmühle Meinert, Lugau/Erzg., 2009
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0.12.2009


Keine Bäume, kein Brunnen auf dem Chemnitzer Marktplatz

Markt- oder Rathausplätze sind die Visitenkarten der Städte, deshalb kommt deren Gestaltung besondere Bedeutung zu. Entgegen der aktuellen Diskussion halte ich den Marktplatz der Stadt Chemnitz in seiner Ansicht, so wie er jetzt ist, für gut gelungen und fertig. Man muss sich freilich mit der ihn einschließenden Architektur anfreunden können. Bei einigen Gebäuden fällt das nicht schwer, andere Gebäude, wie das Haus “Roßenhof Arkaden” kann man als misslungen betrachten.
In dem Bereich des Chemnitzer Marktplatzes vor dem Alten Rathaus befand sich in  früheren Zeiten ein Wasserbrunnen mit Pferdetränke, später drei Standbilder. Ein Kunstwasserspiel hat es da nie gegeben.
Der Chemnitzer Marktplatz war immer von seiner Funktion als Marktplatz geprägt. Später, mit dem Bau der Straßenbahnlinien über den Marktplatz, wanderte der Wochenmarkt an die Brückenstraße. Der Marktplatz wurde zum Verkehrsknotenpunkt.
Es gibt auf dem Chemnitzer Marktplatz keine Tradition eines Kunstwasserspieles.
Auch unter ästhetischer Betrachtung würde ein Wasserspiel vor dem Alten Rathaus nicht passen. Unsere Vorfahren wussten das und bauten ein Wasserspiel auf den kleineren Neumarkt.
Ich würde auf den Chemnitzer Marktplatz kein Kunstwasserspiel bauen, den offenen Platz so wie er jetzt ist belassen. Für einen Brunnen bieten sich an, der Neumarkt aber viel mehr noch der neu entstehende Düsseldorfer Platz. Der kleinteilig umschlossene Platz wäre perfekt für eine authentische Rekonstruktion des historischen “Saxonia-Brunnens” der in Teilen noch existiert. Mit einem authentisch  rekonstruierten Saxonia-Brunnen, der ursprünglich auf dem heute nicht mehr existierenden Rossmarkt, einen Platz von ähnlicher Größe wie der Düsseldorfer Platz stand, wäre ein seltener Blick auf das Vorkriegschemnitz möglich. Der neue Platz würde sein gewisses etwas erhalten.

Für Fatal halte ich den diskutierten Vorschlag den Chemnitzer Marktplatz an dessen Längsseiten mit Bäumen zu zustellen. Ein großstädtischer Marktplatz muss offen sein.  Die jetzt gefundene Lösung einen einzelnen Baum vor der Galerie Kaufhof zu pflanzen halte ich für gut.

 
26.10.2009

Abriss Augustusburger Straße 200 und 202

 
Der Abriss der Augustusburger Straße 200 und 202,


wird von der Stadt Chemnitz so mitgeteilt:

PRESSEMITTEILUNG 776 Chemnitz, den 26.10.2009

Augustusburger Straße wird weiter begrünt

Im Bereich der Hausnummern 200 und 202 der Augustusburger Straße wird der Grünzug erweitert. Der seit den 1970er Jahren konsequent entwickelte Grünzug Augustusburger Straße wird damit weiter vervollkommnet.
Mit der Durchführung der Maßnahme ist die Firma Becker Umweltdienste GmbH, Sandstraße 116, 09114 Chemnitz beauftragt. Die Arbeiten beginnen in den nächsten Tagen. Die Fertigstellung ist bis Jahresende 2009 vorgesehen. Die Kosten für den Abbruch und die einfache Begrünung betragen rund 50.000 Euro. Die Maßnahme wird vollumfänglich gefördert.

 
Quelle: Stadt Chemnitz







28. Oktober 2009



Ganz anders an der Annaberger Straße. Hier begannen in diesen Tagen im Auftrag der Erbengemeinschaft die Sicherungsarbeiten an einem Gründerzeithaus, welches direkt an der lauten Annaberger Straße steht. Hier zeigt sich wieder die in Chemnitz auf vielen Ebenen beobachtete Diskrepanz zwischen dem Wirken der Stadt Chemnitz und privatem Engagement.


20.10.2009

Stadt Chemnitz, Fotowettbewerb
 "Erzähl von deiner Stadt - Bilder der Moderne" -
Siegermotiv zeigt Abbruchfläche


Ohne Kommentar.

In der Jury saßen nach Informationen der Freien Presse u. a.: OB Barbara Ludwig, Statdsprecherin Katja Uhlemann und Sachsenfernsehen Moderator Gunnar Baumann.


07.10. 2009


Weitere Deurbanisierung der Stadt Chemnitz

Mit dem Abbruch der letzten historischen Gebäude an der Moritzstraße in der Chemnitzer Innenstadt, setzen die dafür Verantwortlichen die Deurbanisierung der Chemnitzer Stadtlandschaft fort.

Die beiden Gebäude, erbaut um 1890 stehen an einer ruhigen Seitenstraße in der Chemnitzer Innenstadt. In der Nachbarschaft befinden sich kürzlich sanierte Wohnhäuser und ein Bürohausneubau.

Nach meinen Informationen sollten die Gebäude ursprünglich saniert werten und als Heimstätte für Galerien, Werkstätten etc. genutzt werden. Nun werden die Gebäude abgerissen. Es entsteht eine weitere Leerfläche in der eh schon locker und großteilig bebauten Chemnitzer Innenstadt.





Chemnitz, Moritzstraße am 7. Oktober 2009


01.10.2009

Marmor-Palast wird versteigert

Das ab 1874 errichtete und seit Mitte der 1990er Jahre leer stehende historische Konzert- und Ballhaus Marmor-Palast an der Limbacher Straße in Chemnitz wird von dessen Eigentümer in eine Auktion gegeben.

Das bekannte Chemnitzer Ballhaus, das nach dem 2. WK auch als Interimsspielstätte des Chemnitzer Theaters fungierte, verfiel in den letzten Jahren zusehends.
Dem historischen Wert für die Stadt Chemnitz angemessene Sicherungsarbeiten fanden am Gebäude nicht statt. Seit Sommer fehlen die großen Saalfenster am Gebäude. Der Zugang in das Gebäude ist für jeden möglich.



Die Versteigerung des Marmorpalastes an einen unbekannten Käufer, der das Gebäude ab 15.000 Euro ersteigern kann, birgt die Gefahr, dass es zu weiterem Leerstand und Verfall des Objektes kommt. Zu wünschen wäre gewesen, wenn das Objekt unter Obhut des jetzigen Eigentümers mit Denkmalmitteln gesichert worden wäre um den Substanzerhalt zu gewährleisten.


20.09.2009

Neuer Eigentümer für historische
Spinnmühle Lohse in Schlettau


 
 

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Die ehemalige Baumwollmaschinenspinnerei des sächsischen Architekten früher Fabrikbauten Johann Traugott Lohse hat einen neuen Eigentümer. Wie es hieß, ist der Komplex welcher seit 10 Jahren in Eigentum einer Schlettauer Denkmalschützerin war, per Internetauktion an ein Schweizer Immobilienunternehmen verkauft worden.


Das 1824 am Zusammenfluss von Rothenbach und Zschopau errichtete klassizistische Fabrikgebäude ist typisch für Lohses Fabrikarchitektur.

Ansicht von der Straße. Die Nebengebäude waren von der letzten Eigentümerin teilweise vermietet worden.



Historische Ansicht der Fabrikanlage als diese eine "Knochenmühle" zur Leim-/Düngemittelproduktion beherbergte. Das aufwendige Sparrendach mit dem ehemals vorhandenen Dachreiter fehlt heute.







 

09.09.2009

Gründung einer Leipziger Denkmalstiftung

Lieber Chemnitzer Mitstreiter,

Tätigkeitsfeld der geplanten Stiftung (http://www.leipziger-denkmalstiftung.de/) soll ganz Mitteldeutschland sein. Wir wollen Strukturen aufbauen, die nachhaltige bzw. langfristige konkrete Hilfe für gefährdete Denkmale ermöglichen, wo sonst niemand hilft.

Das Sammeln des Gründungskapitals für die Stiftung erweist sich jedoch deutlich schwieriger als anfangs gedacht. Nur ein sehr kleiner Bruchteil der überaus zahlreichen verbalen Untertützungsankündigungen mündet in tatsächlichen Zustiftungen. Mit der Stiftungsbehörde hatten wir ursprünglich vereinbart, dass ein Betrag zwischen 25 T Euro und 50 T� erforderlich ist. Nun haben wir die schriftliche Mitteilung bekommen, dass angesichts unseres breiten und ganz Mitteldeutschland umfassenden Arbeitsansatzes zwingend mindestens 50 T Euro zusammen kommen müssen. Gegenwärtig fehlen uns dafür noch etwa 25 T Euro. Wenn wir das nicht alsbald schaffen, kann das Genehmigungsverfahren nicht mehr in diesem Jahr beendet werden. Dann können wir mangels juristischer Gründung (= Genehmigung der Stiftung) auch nicht die versprochenen Spendenbescheinigungen für 2009 ausstellen und vor allem sind dann die 50 T Euro gefährdet, die die Stadt Leipzig noch in diesem Jahr - aber eben erst nach Gründung - zustiften will.

Hier unsere Bitte um Hilfe und zugleich ein Angebot. Bitte helft uns beim Geldsammeln oder durch Ansprechen bzw. Vermitteln von potentiellen Stiftern. Denkbar wäre auch Folgendes: Unser Satzungsentwurf sieht in § 4 Abs. 4 die Möglichkeit von gesonderten Fonds vor. So könnte ein spezieller Fonds "Chemnitz" oder "Chemnitzer Land/Erzgebirge" o.ä. eingerichtet werden. In diesem Fall würde mit den Stiftern des Fonds eine spezielle Vereinbarung geschlossen zur Verwendung der Erträge - bspw. für deren regionale Bindung. Auch denken wir darüber nach, dem Stiftungsnamen "Leipziger Denkmalstiftung" einen Untertitel zu geben, der auf die Region verweist (Der bisherige Name vermeidet die begrifflichen Unklarkeiten von "Mitteldeutschland", zeigt trotzdem die Verortung in der Region und war nicht zuletzt ein deutlicher Wunsch der Leipziger Stadtverwaltung, die den Stadtrat zur Zustiftung der 50 T Euro bewegen muss).

Die Arbeit der Stiftung wird auf absehbare Zeit zu großen Teilen durch ehrenamtliche Mitstreiter erfolgen, etwa die Pflege der Denkmaldatenbank (http://www.baudenkmale-mitteldeutschland.de/), Öffentlichkeitsarbeit, Sammeln von Informationen zu Konzepten und Akteuren, etc. Auch hier sind wir auf Mitstreiter vor Ort angewiesen und natürlich auch sonst offen für jeden Mitstreiten und jeden konstruktiven Hinweis. Wir alle haben nur begrenzt Zeit und Mittel, aber das jeweils Wenige zusammen genommen, kann in der Summe wirken.

Für Fragen oder ein Treffen stehen wir jederzeit gern zur Verfügung. Gern schicken wir auch weitere Informationen.

Mit herzlichen Grüßen aus dem mitteldeutschen Leipzig

i.A. Wolfram Günther


31.08.2009

Sicherungsarbeiten an Villa Duderstaedt

Eine gute Nachricht für Chemnitz, seit heute laufen an der Dresdner Straße die Sicherungsarbeiten an der Villa Duderstaedt. Mit Mitteln der WGS wird der Substanzerhalt des Baudenkmales gesichert. Das Gebäude wird im Auftrag der Erbengemeinschaft von einem Dresdner Immobilienbüro zum Kauf angeboten.
An der Villa Merkel an der Dresdner Straße sind die Sicherungsarbeiten schon seit einigen Wochen in vollen Gange.




Die Villa Duderstaedt war Wohnsitz der Chemnitzer Kaufmanns- und Architektenfamilie Duderstaedt. Aufnahme 2007.


21.08.2009

Chemnitz älteste Kattundruckmanufaktur zusammengefallen

Chemnitz älteste erhaltene Kattundruckmanufaktur ist eingefallen. Das 1828 in Fachwerkbauweise errichtete Gebäude war einer der wenigen erhaltenen Bauten der frühen Jahre der Industrialisierung in Chemnitz.



Eigentümer der Kattundruckmanufaktur ist nach meinen Informationen ein großes Chemnitzer Wohnungsunternehmen. Das Gebäude stand seit der Wende leer. Bauliche Sicherungsmaßnahmen am Gebäude haben nicht stattgefunden. Für Baudenkmäler wie dieses können Eigentümer Mittel zur Sicherung beantragen. Wohnungsunternehmen haben zudem angestellte Hausmeister die mit Sicherungsarbeiten an derart wichtigen Gebäuden betraut werden können um einen Substanzerhalt zu gewährleisten.



Das spätklassizistische Fachwerkhaus bestach durch ausgewogene Proportionen sowie durch das flache Krüppelwalmdach mit aufgesetztem Dachhecht zur Beleuchtung des Dachgeschosses. Aufnahme 2007.
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16.08.2009
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Wie ein großes Wohnungsunternehmen in Chemnitz-Harthau
einen denkmalgeschützten Straßenzug leer ziehen ließ,
die Anwohner in Plattenbauten umsiedelte und heute
Gebäudeverkäufe und Wächterhäuser verhindert

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Es war im Jahre 1797 als der Kaufmann Carl Friedrich Bernhard für 400 Reichstaler im oberen Teil des Dorfes Harthau ein Mühlengrundstück erwarb. Der Grundstock zur Gründung Sachsens erster fabrikmäßiger Garnproduktion. Die Geburtsstunde des Industriezeitalters in Sachsen.
Der Produktionsstandort in Chemnitz-Harthau welcher fast 200 Jahre bestand, hinterließ eine Reihe an historischen Bauten. Sachsens erstes Fabrikgebäude von 1800, ein klassizistisches Herrenhaus, erbaut 1806/07, ein Spinnmeisterhaus von 1820, ein 1836 errichtetes Arbeiterwohnhaus das später als Fabrikschule diente und eine Beamten- und Arbeiterwohnsiedlung die sich bis in den Nachbarort Klaffenbach erstreckt. Ein Gebäudeensemble welches zwischen 1861 und 1920 entstand. Nach der Wende allesamt in Eigentum eines großen Wohnungsunternehmens.




Während Fabrikgebäude und Herrenhaus nach der Wende früh leer standen und ein jahrelanger Kampf um deren Erhalt begann, waren die Wohnhäuser gegenüber an der Klaffenbacher Straße noch alle bewohnt.
M
an muss hier die örtlichen Begebenheiten verstehen. In den Häusern lebten meist ältere Menschen die schon ihr ganzes Leben dort gewohnt hatten. Meist ehemalige Spinnereiarbeiter, Rentner, Vorruheständler. Diese Menschen hatten ihr soziales Gefüge dort. Hinter den Wohnhäusern befindet sich die Kleingartenanlage der ehemaligen Spinnerei. Kaum ein Anwohner der dort nicht seinen Garten gepachtet hatte. An der Klaffenbacher Straße gibt es zudem einen Garagenkomplex, welchen die Mieter selbst errichtet hatten. Vor ca. 3 Jahren entschied sich der Eigentümer der Gebäude den ganzen Straßenzug leer ziehen zu lassen.




Das Gebäude Klaffenbacher Straße 74 - 76 ist exemplarisch für das Vorgehen des Eigentümers. Mir ist bekannt dass die letzten Mieter des Hauses zum Auszug gedrängt wurden und letztlich in teilsanierte Plattenbauten gezogen sind. Eine in diesem Gebäude wohnente Familie hatte ein Kaufangebot für eine Gebäudeseite gemacht wollte dort sanieren. Vom Eigentümer abgelehnt. Das Gebäude steht nun seit Jahren leer. Der Kaufpreis wird immer mal wieder nach unten korrigiert. Derzeit wird es für stolze 75.000 Euro angeboten.



Herr Haag wohnt seit mehreren Jahren im ehemaligen Beamtenwohnhaus der Fabrik. Erbaut 1861. Herr Haag und seine Partnerin welche im Gebäude eine Wohnung für monatlich 200 Euro gemietet haben, bieten dem Eigentümer seit längerem einen Mietkauf des Objektes an. Mit immer neuer Argumentation wird dieser abgelehnt. Der Eigentümer bietet dieses Gebäude sonst nicht zum Kauf an. Hier könnte ein Wächterhausprojekt starten. Am Gebäude sind dringend Reparaturen notwendig. Herr Haag wartet nur darauf loslegen zu können.







Die beiden Siedlungshäuser nebenan an der Klaffenbacher Straße sind Investitionsobjekte erster Klasse. Die Straße ist ruhig. Das Umfeld ist grün. Hinter den Häusern gibt es große Gärten. Schräg gegenüber befindet sich die sanierte Bernhardsche Spinnerei. Die Gebäude sind baulich in sehr gutem Zustand. Seit deren Leerzug tut sich auch hier nichts. Die Gebäude werden auf der Homepage des Eigentümers nicht einmal zum Kauf angeboten.



Wenige Meter trennen dieses Haus das für 73.000 Euro angeboten wird und auch erst seit kurzem leer steht, vom oberen Teil der Siedlung in Klaffenbach. Dort sind erstaunlicherweise alle Häuser durch einen anderen Eigentümer saniert worden und heute vermietet.



Das älteste Gebäude der Siedlung, Chemnitz letztes Fabrikschulhaus. Jahrelang gab es einen Rechtsstreit zwischen dem Eigentümer der es abreisen lassen wollte und der unteren Denkmalbehörde. Letztere gewann und der Eigentümer musste das Gebäude sichern lassen. Aktiv zum Verkauf angeboten wird es nicht.



Die Chemnitzer Malerin Benita Martin und ich haben einmal das originale Aussehen der Harthauer Fabrikschule um 1840 rekonstruiert.



Das zum Ensemble gehörente Spinnmeisterhaus aus dem Jahr 1820 ließ das Unternehmen einfach zusammenfallen. Aufnahme 2007.



Das Umfeld der Siedlung ist Ideal. Gegenüber befindet sich die sanierte Bernhardsche Spinnmühle. Heute ist dort im ehemaligen Fabrikgebäude und im Neubau ein Altenpflegeheim untergebracht. Das Herrenhaus ist zum Wohnhaus für betreutes Wohnen umgebaut worden.



Sachsens erste Fabrik.



Im Zuge des Umbaus zum Altenpflegeheim erhielt das Ensemble auch einen Neubau.



Hinter dem Herrenhaus wurde der historische Park mit Gartenhaus rekonstruiert. Auf dem Nachbargrundstück werden Parzellen als Eigenheimstandort angeboten. Was für ein Wahnsinn wäre es, wenn die Zukunft an der Klaffenbacher Straße so aussehe das die historischen Gebäude verschwinden würden und gegenüber aber neu gebaut würde.




13.08.2009

Spinnmühle Meinert Lugau/Erzg.,
wenig Chancen auf Rettung


Ein halbes Jahr nach der Begehung der Meinertschen Spinnmühle in Niederlugau durch engagierte Bürger, Vertreter der Stadt Lugau und der Denkmalbehörde stehen die Chancen auf Rettung des bedeutenden Industriedenkmales schlecht.

Nach der Begehung des Objektes im Februar 2009 konnten zu erst die schwierigen Eigentumsverhältnisse zum Teil geklärt werden:

Der Eigentümer, laut Grundbuch wohnhaft in Italien, hat die Spinnmühle vor 2 Jahren versteigert.
Der Ersteigerer wohnt in Kerpen und beanstandet eine Grunddienstbarkeit im Grundbuch.
Nur wenn ein Kaufinteressent diesem 8000,- Euro für die Spinnmühle zahlt, würde er seinen Ersteigerungsbetrag in Höhe von 3000,- Euro beim Notar freigeben.

Die Problematik wurde am 06.03.2009 im Landesamt für Denkmalpflege dem Justitiar Herrn Schnell und Herrn Dr. Streetz vorgetragen.

Es hat eine weitere Begehung der Spinnmühle mit einem Statiker und einem Holzschutzgutachter statt gefunden.  Hierbei wurden die bedeutenden Schädigungen, insbesondere der mehrgeschossigen Dachkonstruktion erkannt und als erste Maßnahme die Abstützung bestimmter Geschossbereiche und der Aufbau eines Schutzdaches mit Gerüst als Schutz vor Witterung vorgeschlagen. Das Gebäude steht seit Mitte der 1970er Jahre leer.

Der Bürgermeister der Stadt Lugau Thomas Weikert informiert, dass die Stadt nicht in der Lage ist, Eigenmittel für eine Sicherung aufzubringen. Die Stadt Lugau ist nicht Eigentümer des Objektes.

Nach der ersten Begehung im Februar 2009 gab es diverse Hilfebekundungen. Diese haben nicht statt gefunden.
Das Ansinnen einen Verein zum Erhalt der Spinnmühle zu gründen scheiterte bisher an den Eigentumsverhältnissen der Spinnmühle und den damit eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten einer derartigen Initiative. Von den Bürgern der Stadt Lugau gingen bisher keine konstruktiven Vorschläge zum Erhalt des Industriedenkmales, wie z.B. eine Aktion zur Beräumung des Grundstückes ein.

Retten könnte die Spinnmühle Meinert derzeit nur eine Initiative auf Landesebene. Hier gibt es aber eine blockierende Haltung der Verantwortlichen.

Es ist davon auszugehen das die Spinnmühle Meinert in naher Zukunft zusammenbrechen wird. Die Stadt Lugau wird dann, will sie nicht eine Ruine im Ortsbild haben, hohe Kosten für die Beräumung des Grundstückes aufbringen müssen. Diese Mittel hätten heute zur Sicherung des Objektes eingesetzt werden können.



Bei der Spinnmühle Meinert in Niederlugau/Erzg., erbaut 1812 handelt es sich um einen der frühesten und heute einen der ältesten Fabrikbauten Kontinentaleuropas. Besonders macht das Gebäude dessen klassizistische Architektur. Weil in Sachsen die industrielle Revolution im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands früh einsetzte, wurde hier der Bau solcher großen Fabrikgebäude früh möglich. Die "Spinnmühle" Meinert war im frühen 19. Jahrhundert ursprünglich eine mittels Wasserkraft betriebene Baumwollmaschinenspinnerei.


23. Juli 2009

Villa Merkel gerettet!


Eine Nachricht die ich selten gerne verkünde. Geradezu im letzten Augenblick ist die wunderbare Villa Merkel an der Dresdner Straße vor dem Abbruch gerettet worden. Nach dem das Gebäude jahrelang hinter dichtem Buschwerk verfiel, zuletzt im Inneren zusammenbrach und der Abbruch genehmigt und beschlossene Sache war, konnten jetzt, wie mir der Eigentümer Herr Jörg Mierbach bestätigte, auf Initiative der Westsächsichen Gesellschaft für Stadterneuerung mbH Mittel bereit gestellt werden, welche umfangreiche Sicherungsmaßnahmen am Gebäude möglich machen.



Der Erhalt der Villa Merkel ist für Chemnitz ein Glücksfall. Zwischenzeitlich war auf dem Grundstück, nach Abbruch des Gebäudes die Neuerrichtung eines Islamischen Gebetshauses geplant.
Wie mir heute Abend der Vertreter der Eigentümergemeinschaft der Villa Duderstaedt an der Dresdner Straße bestätigt, werden auch hier für Sicherungsmaßnahmen Mittel von der WGS bereit gestellt. Auch das Schlößchen, das Gebäude mit dem Turm, Dresdner Straße 76, wird mit Mitteln der WGS auf Jahressicht umfangreich gesichert. Damit bleiben alle historischen Villen an der Dresdner Straße erhalten. Noch vor zwei Jahren war das überhaupt nicht absehbar. Eine wirklich gute Nachricht für Chemnitz.




Das 1864 für den Dampfmaschinenfabrikanten Carl Christian Merkel fertig gestellte Wohnhaus besticht durch die heute leider nicht mehr vorhandene, qualitätvolle Fassade früher Gründerzeitarchitektur.


19. Juli 2009

Eisengießerei Richter hat neuen Eigentümer

Die historische Eisengießerei Richter in Chemnitz-Harthau ist kürzlich an einen neuen Eigentümer verkauft worden. Der junge Mann plant, wie ich von ihm erfahren konnte, das Wohnhaus, Stück für Stück, nach seinen Möglichkeiten zu sanieren. Die ruinöse Gießereihalle plant er nicht zu sanieren. Diese soll sich selbst überlassen werden oder später abgerissen werden.



Das Wohnhaus der historischen Eisengießerei Richter hat eine Zukunft, das Ensemble nicht.


10. Juli 2009

Leipziger Denkmal Stiftung, Onlineplattform für gefährdete
Baudenkmäler in Mitteldeutschland
etabliert


Das vom Stadtforum Leipzig initiierte Projekt http://www.baudenkmale-mitteldeutschland.de/, eine Datenbank für gefährdete Baudenkmäler in Mitteldeutschland, entwickelt sich einen Monat nach Eröffnung zur Informationsplattform zu gefährdeten Baudenkmälern in Mitteldeutschland. Erste Anfragen von Interessenten zu den vorgestellten Objekten, bestätigen die Idee einer Denkmalplattform für Mitteldeutschland.

Die Datenbank kann von jedem User, der über Informationen über ein gefährdetes Baudenkmal verfügt, ergänzt werden. Ziel ist es einen Bestand von gefährdeten Baudenkmälern in Mitteldeutschland zu erfassen, öffentlich zugänglich zu machen und so mögliche Interessenten/Investoren an die Objekte heranzuführen.


23. Juni 2009

MDR Sachsenspiegel berichtet aus Chemnitz

In seiner Ausgabe vom Sonntag berichtete der MDR Sachsenspiegel zum Thema Stadtumbau aus Chemnitz:

"Chemnitzer beklagen das Abrisskonzept der Stadt"

Interview Sandro Schmalfuß
Interview Barbara Ludwig



21. Juni 2009

Großflächiger Gebäudeabriss an der Körnerstraße?

Wie ein Eigentümer eines Gebäudes an der Körnerstraße recherchiert hat, standen die auf dem Foto links zu sehenden Gebäude noch im letzten Jahr auf der Abbruchliste des Eigentümers, einer großen städtischen Wohnungsgesellschaft. Wie hier inzwischen der aktuelle Stand ist, konnte noch nicht in Erfahrung gebracht werden. Bezeichnend ist, dass diese Gebäude überhaupt zum Abbruch vorgesehen waren. Wer die Körnerstraße kennt, weiß dass hier keines der sonst immer vorgetragenen Argumente pro Abbruch greift. Ein Beweis dass viele Gebäudeabrisse der Vergangenheit in Chemnitz nur einem Zweck dienten - Geld verdienen mittels Fördermitteln.




13. Juni 2009

Weitere Lücken in geschlossenen Straßenzügen
durch Abriss geplant


Um zu verhindern das im Rahmen des Stadtumbaus in Chemnitz durch Gebäudeabrisse weiter Lücken in geschlossenen Gründerzeitstraßenzügen entstehen, hatte man in Chemnitz den Plan entwickelt gleich ganze Karrees abzureisen. Dies sollte möglich gemacht werden in dem Eigentümer von Gebäuden in dem zum Abbruch vorgesehenem Karree ihre Häuser gegen andere gleichwertige Häuser in besseren Lagen eintauschen. Mittels diesen Planes sollte die auf dem Foto links zu sehende Häuserzeile an der Zietenstraße bis hoch zur Jakobstraße komplett abgerissen werden.



Kein einziger Eigentümer der teilweiße schon sanierten und vermieteten Gebäude war bisher offenbar bereit sein Haus aufzugeben. Trotz dieses Umstandes ist man nicht bereit den Plan aufzugeben. So sollen wohl noch in diesem Jahr die beiden eingekreisten Gebäude des großen Chemnitzer Wohnungsunternehmens, Zietenstraße 3 und 5 abgerissen werden. Lächerlicher Weiße verpackt man die dadurch entstehende Lücke als "Zugang zu den bunten Gärten", die nebenan auf der Brachfläche an der Augustusburger Straße entstehen. In den Statements der Verantwortlichen zu diesem Thema klinkt es so als wäre dieser Zugang im Rahmen des Projektes "bunte Gärten vom Sonnenberg" zwingend notwendig. Durch den Abriss dieser beiden Gebäude wird der untere Bereich der Zietenstraße städtebaulich entstellt das Bild des historischen Sonnenbergviertels trotz aller Aussagen der Verantwortlichen in den Medien, dass es so etwas in Chemnitz in Zukunft nicht mehr geben soll, ein weiteres mal nachhaltig geschädigt. Ein Offenbarungseid an die Glaubwürdigkeit der Chemnitzer Stadtoberen.


12. Juni 2009

Luxuspreise für Chemnitzer Altbauten

Es gibt mehrere Bausteine ein Baudenkmal mit der Begründung "wirtschaftlich nicht verwertbar" zum Abrissobjekt zu machen. Einer ist, ein Gebäude zu unrealistisch hohen Preisen anzubieten, so dass sich kein Käufer findet. Ein Beispiel von vielen ist das historische Mehrfamilienhaus Lessingplatz 10, das auf der Homepage des großen Chemnitzer Wohnungsunternehmens für 165.600 Euro angeboten wird.



Ein realistischer Verkaufspreis für ein unsaniertes Mehrfamilienhaus in Chemnitz in diesem Zustand ist ein Betrag zwischen 20.000 Euro bis 40.000 Euro. Mitunter liegen die Preise inzwischen auch darunter.



Das Gebäude nebenan, Lessingplatz 14, ähnliche Größe und gleicher Zustand ist am 2. Juni 2009 für 18.000 Euro (Mindestgebot 15.000 Euro) versteigert worden.


30. Mai 2009

27 Jahre später

1982 fotografierte der Dresdner Fotograf Hartmut Göhler auf der Limbacher Straße in Karl-Marx-Stadt eine Straßenbahn der Linie 3 bei der Vorbeifahrt am Marmor-Palast.



... 27 Jahre später zeigt eine vom selben Standpunkt aufgenommene Fotografie,



den dirketen Vergleich. Eine Straßenbahnlinie gibt es nicht mehr auf der Limbacher-Straße. Das Gebäude rechts ist verschwunden und der Marmor-Palast präsentiert sich heute auf dem Weg zur Ruine.
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26. Mai 2009

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Abriss der Gebäude an der Leipziger Straße gescheitert
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Wie Sachsenfernsehen heute Abend berichtet sind die Abbruchpläne der Stadtverwaltung für die Häuser an der Leipziger Straße vorerst auf Eis gelegt. Grund dafür sei, das die Fördergelder aus dem Konjunkturpaket II für die Errichtung von Lärmschutzwänden nicht genehmigt wurden. Mehrere der zum Abbruch vorgesehenen Gebäude sind in Privateigentum, die Stadt hat keinen Zugriff.

Der massive Bürgerprotest der vergangenen Monate und geänderte Förderrichtlinien zeigen Wirkung. Jetzt besteht nocheinmal die Chance die Vorschläge aus dem Wettbewerb vom vergangenem Jahr zur Umnutzung der Gebäude und die vorgeschlagenen Maßnahmen zur Lärmreduzierung an der Leipziger Straße aufzunehmen.



12. Mai 2009

ARD Magazin MONITOR berichtet aus Chemnitz

In der Sendung am 14. Mai 2009 ab 21:45 Uhr berichtet das ARD Magazin "Monitor" in einem Beitrag unter der Überschrift "Chemnitzer Altbauten: Wie eine Stadt mit Fördermitteln zugrunde gerichtet wird" aus Chemnitz. Das vierköpfige Team des WDR um den Redakteur Lutz Polanz war vier Tage in Chemnitz. Interviewt wurden neben mir, u. a. Barbara Ludwig, Simone Kalev und Dr. Thomas Ungethüm. Gedreht wurde an der Leipziger Straße, auf dem Brühl, im Sonnenbergviertel und im Kaßbergviertel.

zum Beitrag

Die Gebäude an der Klaffenbacher Straße in Chemnitz-Harthau
Die Gebäude an der Palmstraße in Chemnitz kurz vor dem Abbruch
Abbruch der Gebäude Reinhardt- Ecke Palmstraße










12. Mai 2009

Abriss Bergstraße 14, Verschwendung städtischer Mittel

Seit heute läuft der Abriss des Gebäudes Bergstraße 14 in Chemnitz. Den Abriss des neuklassizistischen Mehrfamilienhauses nimmt die Stadt Chemnitz in Ersatzvornahme vor, der Eigentümer ist laut Aussage der Stadt nicht auffindbar. Die Notwendigkeit des Abrisses des Baudenkmales wird seitens der Stadt mit durchbrochenen Decken im innerem des Gebäudes begründet.



Wenn die Verantwortlichen bei der Stadt Chemnitz den Abriss des Gebäudes u. a. mit einem nicht auffindbaren Eigentümer begründen, müssen diese auch davon ausgehen das die Kosten (ca. 40.000 Euro) für den Abriss des Gebäudes nicht wieder eingetrieben werden können. Für jedes Denkmalobjekt stehen Mittel für eine Sicherung bereit. Mit Sicherung meine ich nicht die Straßensperre vor dem Haus sondern eine Abdichtung des Daches mit Dachpappe und das Abstützen des Gebäudes im innerem. Kosten von ca. 10.000 Euro.



Qualitätvoll stuckierte Details schmücken die schlichte Fassade des Gründerzeitreihenhauses.



Mit dem Abriss des Gebäudes setzen die Verantwortlichen bei der Stadt Chemnitz ihren Plan durch zwischen Bergstraße und Leipziger Straße eine Grünfläche zu schaffen. Mehrere historische Gebäude sollen dafür fallen. Die weiteren Abrisskandidaten:



Die vier Gebäude gegenüber. Man stelle sich den Straßenzug vor wenn diese Gebäude abgerissen sind.



Ein besonderer Fall, das Eckgebäude an der Bergstraße. Die Eigentümerin habe ich selbst in Grüna besucht und mit ihr gesprochen. Sie erzählte mir ihre Geschichte, wie ihrer Mutter das Haus zu DDR Zeiten enteignet wurde und wie sie fast zwei Jahrzehnte um die Rückübertragung gekämpft hat dabei ihre ganzen Ersparnisse verlor und krank wurde. Zwischendurch wurde das Haus angezündet, der Dachstuhl brannte ab. Das letzte was ich gehört habe ist, dass die Stadt das Gebäude kaufen will, um es abreisen zu lassen. Damit würde die ganze Auffahrt an der Bergstraße städtebaulich ruiniert.



Der im Original erhaltene Sockelbereich des Gebäudes ist mit feinen Stuckarbeiten über den EG Fenstern geschmückt.




1. Mai 2009

Leipziger Straße, Konzeptvorschlag des Stadtforum Chemnitz
aus 2008, offener Brief an Oberbürgermeisterin Ludwig


Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,

seit einiger Zeit verfolge ich den sogenannten "Stadtumbau" in Chemnitz mit großer Sorge.

Bis zum heutigen Tag haben eine Vielzahl schwer nachvollziehbarer Gebäudeabrisse den stadträumlichen Zusammenhalt und die Identität unserer Stadt gefährdet. Selten wurden alternative Nutzungskonzepte offen diskutiert.
Der nun geplante Abriss der Häuser Leipziger Straße 101 bis 111 gleicht einem traurigen Höhepunkt einer langjährigen Entwicklung. Keine zwei Kilometer Luftlinie vom Rathaus entfernt sollen intakte Wohngebäude in einem geschlossenen Karree abgerissen und durch Lärmschutzwände ersetzt werden, wie man sie sonst nur an Autobahnen und Schnellstraßen findet!

Als Begründung für den Abriss werden fast immer die hohe Verkehrsbelastung der Leipziger Straße und die daraus folgende unattraktive Wohnlage genannt. Die Stadt kann durch eine Vielzahl an Maßnahmen das Problem an der Wurzel packen und sowohl die Verkehrsmenge als auch deren negativen Auswirkungen vor Ort mildern und damit eine Nutzung der Gebäude zu ermöglichen.

Bereits im Wettbewerbskonzept (Sommer 2008) des Stadtforums Chemnitz zur Umnutzung der fraglichen Häuser haben wir eine Vielzahl an möglichen kurz- und mittelfristigen Maßnahmen zur Verbesserung der verkehrlichen Situation im Straßenzug Leipziger Straße vorgestellt.

Beigefïügt finden Sie eine ausführliche Version der vorgeschlagenen Maßnahmen, die sowohl auf eine Verkehrsmengenreduzierung als auch auf eine Verminderung von Emissionen und Immissionen abzielen.

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
bitte prüfen Sie nochmals die mittlerweile in einer Vielzahl (Stadtforum Chemnitz, Institut für Integrierte Stadtentwicklung, TU Chemnitz) vorliegenden Alternativen zum Abriss. Gerne stehe ich Ihnen für weitere Fragen und eine Diskussion zur Verfügung!

Ich habe mir erlaubt, eine Kopie dieses Schreibens sowie die Maßnahmenanalyse an Frau Baubürgermeisterin Petra Wesseler sowie die Presse zu senden.

zur Studie

Mit freundlichen Grüßen
Uli Molter M.A.
Chemnitz


29. April 2009

Herzlichen Glückwunsch Chemnitz

Heute Abend ist Baubürgermeisterin Wesseler überaschend vom Chemnitzer Stadtrat im Amt bestätigt worden. Im zweiten Wahlgang haben 31 von 49 anwesenden Stadträten für Petra Wesseler gestimmt.

Artikel Freie Presse


28. April 2009

Leipziger Straße, offener Brief
Wahl + Partner GmbH


Liebe Mitstreiter,
 
um Investoren für Häuser zu gewinnen, bedarf es Emotionen und Leidenschaft.

Die Abrisspolitik von Chemnitz wirkt sich katastrophal auf zukünftige Käufer aus. Sie bleiben aus und ziehen Städte mit urbanen und intakten Karrees vor. Selbst für uns wird es immer schwieriger, hinter dieser zerpflückten und leidenden Stadt zu stehen und die Fahne hoch zu halten. Wo die Oberbürgermeisterin wohl Urlaub macht? In Venedig, Paris, Florenz...... ?
Egal wo. Die neuzeitlichen Satellitenstädte der Metropolen reizen nicht für einen Besuch. Es sind die alten Stadtkerne und gründerzeitlichen Häuser. Die gleichen Häuser, die in Chemnitz sinnlos zerstört werden.

Es grüßt Sie freundlich aus Waiblingen

Hartmut Wahl


27. April 2009

Leipziger Straße, offener Brief

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Ludwig,

seit einiger Zeit verfolgen wir mit großer Skepsis die derzeitige Stadtentwicklung in Chemniz, insbesondere die aktuellen Geschehnisse in der Leipziger Straße. Der enorme Verlust an historischer Bausubstanz, darunter zahlreiche Baudenkmale, stellt einen massiven Eingriff in das städtische Gefüge dar, durch den sich die bereits bestehenden Probleme aus unserer Sicht weiter verschärfen werden.

Unser "Institut für Integrierte Stadtentwicklung" beschätigt sich intensiv mit den Problemen städtischer Magistralen und entwickelt dafür integrierte Handlungs- und Entwicklungskonzepte. Das IIS ist eine Kooperation engagierter Architekten, Stadtplaner und Juristen für integrative Ansätze der Stadtentwicklung und versteht sich als kompetenter Partner für Städte und Gemeinden. Alle beteiligten Partner engagieren sich seit Jahren in vielfältiger Weise im Stadtforum Leipzig für behutsamen Stadtumbau und sind mit den einschlägigen Problemen, aber auch mit Lösungsansätzen vertraut. Aus Leipzig bringen wir unter anderem die Erfahrung mit, dass auch in problematischen Quartieren Alternativen zu Abriss und Substanzverlust möglich sind. Die aktuellen Planungen für die Leipziger Straße in Chemnitz, die mit einem weiteren, nicht hinnehmbaren Verlust von Bausubstanz verbunden wären, haben uns veranlasst, Ihnen die Potentiale und Entwicklungsmöglichkeiten dieser Straße darzustellen. Die beigefügte Konzeptstudie zur Revitalisierung dieser bedeutenden Magistrale soll mögliche Maßnahmen und integrative Handlungsansätze aufzeigen und als Diskussionsgrundlage für anstehende Stadtumbaupläne dienen. Wir möchten Sie bitten, die Abrisspläne an der Leipziger Straße auszusetzen, unsere Vorschläge zu prüfen und gemeinsam für das Quartier Schloßchemnitz und seine Magistrale neue Strategien zu entwickeln. Gerne stehen wir Ihnen persönlich für nähere Erläuterungen zur Verfügung. Wir haben uns erlaubt, eine Kopie dieses Schreibens und unserer Konzeptstudie an das Baudezernat, die Chemnitzer Stadtratsfraktionen und die Presse zu senden.

Wir hoffen, mit unserer Initiative Ihr Interesse geweckt zu haben und von Ihnen zu hören.

Mit freundlichen Grüßen

i.V. Alexander Khorrami
Institut für Integrierte Stadtentwicklung



21. April 2009

Hilferuf aus Chemnitz zum geplanten
Abriss
der Gründerzeithäuser an der Leipziger Straße

Liebe Mitstreiter,

hiermit möchte ich einen Hilferuf bzw. einen Aufruf zum Erhalt der Gründerzeitgebäude Leipziger Straße um Vorschläge für eine plakative Rettungsaktion für die Häuser Leipziger Str. (siehe Link) bitten. (Demo, Aufstelltafel, Fleyer, von mir aus vor den Häusern anketten..). Hier werden Steuermittel verschleudert, unser sowie die Wettbewerbsbeiträge der anderen Architekturbïüros zum Erhalt der Häuser ignoriert, die Erkenntnisse aus den Fehlern der gegenüberliegenden Seite unterschlagen. Nur Lippenbekenntnisse und Verzägerungstaktik der Stadtverwaltung bis zur OB - eine blasse Vorstellung fïür eine Stadt, die hinsichtlich ihrer Abrisspolitik überregional schwer in der Kritik steht.

Vorschlïäge bitte kurzfristig an meine Mail-Adresse, danke erst mal vorab.

MfG
Frank Kotzerke (Stadtforum Chemnitz)


Artikel Chemnitzer Morgenpost


6. April 2009

Abriss Farce um "bunte Gärten vom Sonnenberg"

Eine der neuen cleveren Ideen der Verantwortlichen bei der Stadt um Abrisslücken in geschlossenen Straßenzügen zu verhindern war mittels Eigentumstausch ein ganzes Karree in Eigentum der Stadt zu bringen um dieses dann komplett abreisen zu können. Ist diese Idee an sich schon Wahnsinn um das Problem Zerstörung von geschlossenen Straßenzügen/Abriss von Eckhäusern im Rahmen des Stadtumbaus zu lösen, zeigt sich jetzt am "Pilotprojekt" dem unterem Teil der Zietenstraße das diverse Eigentümer hier offenbar gar nicht mitspielen und es somit nicht gelingen kann hier alle Häuser zu erwerben um die komplette Häuserzeile abreisen zu können.



Geht es nach dem Willen der Stadt soll die hier in der Bildmitte zu sehende Häuserzeile komplett abgerissen werden. Die neuesten Planungen sehen aber vor hier nur zwei Gebäude in der Mitte der Häuserzeile herauszureisen. Dies wird dann als "Zugang" zu den daneben liegenden "bunten Gärten vom Sonnenberg" bezeichnet werden. Das heißt, dass auch hier wieder trotz aller Lippenbekenntnisse Stadtzerstörung wie bisher betrieben wird. Es ist offenbar nicht gelungen das aus dem Hut gezauberte, und als Allheilmittel präsentierte Konzept, durch Eigentumstausch von Gebäuden geschlossen abreisen zu können, schon im Pilotprojekt verwirklichen zu können. Am unterem Eckhaus ist auch ein "zu vermieten" Schild zu sehen. Es ist gar nicht davon auszugehen dass hier das ursprüngliche Konzept, Abriss des ganzen Straßenzuges verwirklicht wird. Eine Häuserzeile mit Lücken mehr in Chemnitz. Der Erhalt des ganzen geschlossenen Straßenzuges wäre wünschenswert. Anstatt, das die SPD Fraktion im Stadtrat sich für Baumpflanzungen am Markt einsetzt, sollte man sich lieber für Baumpflanzungen an Straßen wie der unteren Zietenstraße engagieren um das Wohnumfeld zu verbessern. Es wäre ein weiterer wichtiger Schritt nach der Geschwindigkeitsbegrenzung dort.



Derzeit entstehen auf dem Areal an der Augustusburger Straße die sogenannten "bunten Gärten vom Sonnenberg" eine öffentlich zugängliche grüne Freizeitfläche. Diese wäre doch für die im Hintergrund zu sehenden Gebäude an der Zietenstraße ein gutes Vermietungsargument. Im Zusammenhang mit dem Bau des Parkes wurde aber immer nur argumentiert diese Gebäude müssten abgerissen werden.



Auch dieser schöne Kopfbau (einer der letzten in Chemnitz) wird im Rahmen der Stadtumbaumaßnahmen an der unteren Zietenstraße/Augustusburger Straße abgerissen werden.


2. April 2009

Bürgerinitiative gegen Abriss des
Kulturpalastes in Raabenstein

Der drohende Abriss des Kulturpalastes in Raabenstein, einst Medienzentrum von Karl-Marx-Stadt, trifft auf wenig Verständnis bei den Chemnitzern. Das Gebäude ist nicht nur markander Punkt im kulturhistorischen Gedächtnis der Stadt Chemnitz, es stellt auch als erster neu errichteter Kulturpalast der DDR ein überregional bedeudentes Architekturdenkmal dar. Am Montag traf sich die formierende Bürgerinitiative vor Ort um auf das Schicksal des Kulturpalastes aufmerksam zu machen.

zum Artikel der Chemnitzer Morgenpost



Kein Konzept für die Zukunft. Das Schicksal des wertvollen Baudenkmales wird einem privaten "Investor" überlassen. Von den Verantwortlichen bei der Stadt war bisher keine Stellungnahme zur Zukunft des Objektes zu hören.


26. März 2009

Das neue Chemnitz

Was "Stadtumbau" a la Chemnitz bedeutet, zeigen jetzt die beiden großen Chemnitzer Abbruchschauplätze der letzten Wochen Palmstraße und Hans-Sachs-Straße. Wo sich bis vor kurzen hochwertige historische Bausubstanz befand, sieht man sich heute den Brachflächen gegenüber.



Das Gründerzeiteckhaus Palmstraße- Ecke Reinhardtstraße.



Der "Zustand" heute. Wie oft war in den letzten Wochen als Stellungnahme von Kalew und Ludwig zu den Abbrüchen an der Palmstraße zu lesen, hier wäre keine geschlossene Bebauung aufgebrochen worden .... !!!



Das schmerzt besonders. Die schönen Häuser an der Hans-Sachs-Straße ... weg. Ich bin mir sicher hier hätten die Chemnitzer nach einer Sanierung gerne gewohnt.



Treppe ins nichts, der Zustand heute.



Also hier möchte ich doch einmal meinen ganz aufrichtigen Dank an die Verantwortlichen in den entsprechenden Chemnitzer Behörden richten. Das Sie so viel Verständnis und auch Engagement aufbrachten das vom geschlossenem historischen Straßenzug nun (nur) noch die Treppenanlage vorhanden ist. Allen Respekt!!!! Dumm nur das die Gebäude dazu nun nicht mehr vorhanden sind !!! (komplett)


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Jeder der die Bahnhofstraße in Höhe Moritzhof entlang fährt, kann es lesen "In Chemnitz zu Hause"


25. März 2009

Rettung für Eisengießerei Richter?

Diese Information gebe ich unter Vorbehalt weiter. Bestätigt ist sie noch nicht. Angeblich soll der Gebäudekomplex der ehemaligen Eisengießerei Richter in Harthau verkauft worden sein. Der neue Eigentümer plane in der alten Gießereihalle eine Geflügelzucht. Ob eine derartige Unternehmung eine Investition in die sehr maroden Gebäude, besonders in die inzwischen in Teilen eingefallene Gießereihalle zulässt oder ob man abbricht und neu baut wird sich zeigen. Fraglich auch ob eine Lebensmittelproduktion auf einem Grundstück das 200 Jahre als Produktionsstandort der Metallindustrie gedient hat möglich ist. Schön wäre allerdings wenn dieser traditionelle Industriestandort, in welcher Form auch immer, tatsächlich wieder aufleben würde.



Die Aufnahme zeigt, lange darf man mit Investitionen an der Bausubstanz nicht mehr warten.
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1812
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1812, Napoleon scheitert am russischen Winter, Beethoven schreibt die 7. Sinfonie, in Niederlugau wagen zwei Kaufleute mit dem Bau einer Fabrikanstalt den Sprung in das Industriezeitalter.

Fotodokumentation




Blick in eine echte Rarität. Eine klassizistische Fabrik. Ob die Meinertsche Spinnmühle in Niederlugau in 3 Jahren ihren 200. Geburtstag erlebt ist derzeit offen.



Kurz vor der Pressekonferenz (v.l. Bernd Sikora, Thomas Weikert; Bürgermeister Stadt Lugau, Sandro Schmalfuß) Am 4. Februar 2009 fand mit Vertretern der Stadt, engagierten Bürgern und Medienvertretern eine Begehung des Gebäudes statt. Mehr dazu unter "Spinnmühle Meinert" links im Menü.



Sicherungsarbeiten an der Dachkonstruktion - längst überfällig.



Letzte Chance für die Meinertsche Spinnmühle.


4. Februar 2009

Dresdner Straße 76

Nach langer Suche kann ich nun eine historische Aufnahme des Gebäudes Dresdner Straße 76 zeigen. Die Fotografie wurde mir freundlicherweiße von Herrn Dr. Tilo Richter, Basel zur Verfügung gestellt.



Ansicht des Gebäudes, ca. 1910.



Das Gebäude im Sommer 2008. Der jetzige Eigentümer plant im Rahmen der Sanierung, eine authentische Rekonstruktion der Fassaden. Fotodokumentation.


31. Januar 2009

Das Gesicht des neuen Chemnitzer Stadtumbaukonzeptes, eine Fotodokumendation

Das neue Chemnitzer Stadtumbaukonzept, vor wenigen Tagen vorgestellt, sieht im gesamten Chemnitzer Stadtgebiet einen großflächigen Abriss von Gründerzeitgebäuden vor. Hauptsächlich von Gründerzeitreihenhäusern an geschlossen bebauten Straßenzügen und von Gründerzeiteckhäusern.

Fotodokumentation



Dieses Gründerzeithaus an der Ziechestraße gegenüber der Industrieschule ist zum Abbruch vorgesehen. Man stelle sich die Lücke zwischen den beiden sanierten Häusern vor!



Auch das übernächste Haus soll verschwinden. Da auch das Eckhaus Uhlandstraße zum Abruch vorgesehen ist, bleiben also nur die zwei bereits sanierten Gebäude bezugslos an der Straße stehen.



Wird gerade abgerissen. Eines der Gebäude an der Hans-Sachs-Straße.


Offener Brief zum geplanten Abriss
der Häuser Gustav-Freytag-Straße 4-20
und Karl-Immermann-Straße 24 und 28


Sehr geehrte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig,
Sehr geehrte Baubürgermeisterin Petra Wesseler,
Sehr geehrte GGG-Geschäftsführerein Simone Kalew,

wir alle kennen die Briefe und Kommentare und vor allem die Argumente, die gegen den Abriss von Gebäuden in dieser Stadt verfasst werden. Mit meiner schriftlichen Zuwendung möchte ich mich einreihen, um mich, bezugnehmend auf den geplanten Abriss der Häuser Gustav-Freytag-Straße 4-20 und Karl-Immermann-Straße 24 & 28, dagegen zu beschweren. Ich weiß die Unterstützung vieler Bewohner des Apolloviertels hinter diesem Protestschreiben wie es die beigefügte Unterschrift-ensammlung anzeigt. Sie konnte bislang noch nicht an alle Anwohner gereicht werden. Jedoch, die 80 UnterstützerInnen-Unterschriften verdeutlichen das, was die Mehrheit der Bewohner unserer Stadt - und es ist anzunehmen, inklusive die hier Adressierten selbst - beim Thema Abriss denken: Die Verschlechterung von Stadtbild und vor allem von Lebensqualität. Wer es trotzdem noch nicht weiß - am Standort Gustav-Freytag-Straße würde der Abriss Folgendes bedeuten:

1. Es geht halb sanierter Wohnraum (Wärmedämmung und neue Fenster) im Zentrum der Stadt verloren. Die Innenstadt- und Universitätsnähe sind standortförderlich, trotz Hauptstraßenbebauung.
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2. Entlang des Innenstadtrings dienen diese Häuser als Schall- und Schmutzfang für die dahinterliegenden. Um die Bewohnbarkeit in den Häusern der ersten Reihe zu verbessern und den Anblick zu verschönern gibt es zahlreiche Möglichkeiten (Balkons im Hof, Fassadenbegrünung, farbliche Gestaltung, vgl. auch Ideenwettbewerb zur Leipziger Straße)

3. Die Autofahrt entlang des Innentstadtrings ist ein Aushängeschild der Stadt. Von der Leipziger Straße kommend bis zur Zschopauer reichend, würde sich einem ein durchlöchertes Stadtbild zeigen. Das Ende der urbanen Stadtgestalt.

4. Es gibt keine ersatzwärdigen Konzepte für die anschließend entstehenden Freiflächen. Eine von der GGGmbH präferierte hochpreisige Gewerbeansiedlung, ähnlich der Zwickauer Straße, ist für diesen Standort ungeeignet, weil sich in direkter Nähe Wohnhäuser befinden.

5. In der zweiten und dritten Häuserzeile stehende Objekte, sowie ein einzelnes Gründerzeithaus in der ersten Reihe (also der geplanten Abrissreihe) befinden sich zu Teilen in Privatbesitz. Die Häuser der privaten Eigentümer weisen fast alle einen hohen Vermietungsstand auf und sind meist saniert. Diese Häuser würden - wenn sich die GGGmbH noch weiter aus diesem Viertel zurückziehen würde - so vereinzelt dastehen, wie in der Nachkriegszeit. Jedoch ohne Hoffnung auf ein Eingebundensein in ein städtebaulich-vertretbares Ensemble.

Dies sind vertraute, nichtsdestotrotz handfeste Argumente gegen den Abriss an der Gustav-Freytag-/Karl-Immermann-Straße. Im nächsten Abschnitt möchte ich beschreiben, wie die hiesige Stadt-umbaupolitik sich auf die Empfindsamkeit und Meinungsbildung der Einwohnerschaft niederschlägt. Das ist sozusagen die Lehre, die wir aus dem bisherigen Protesterfahrungen ziehen konnten:

Abriss kann wegen seiner beinahen Allgegenwart in der Stadt als etwas Alltägliches beschrieben werden. Die Stadtumbau-Stimmung ist deswegen eher von Resignation als vom kreativen Umgang mit der schrumpfenden Stadt geprägt. Dies wurde auch deutlich als wir uns (rund 20 Anwohner) am 19.12.2008 in der Bäckerei am Bernsbachplatz einfanden, um uns über den geplanten Abriss der Häuser in unserer Umgebung auszutauschen. Das Engagement, was alle durch ihr Kommen zeigten, drohte leider sogleich, wegen dem Vor-Beschlossene-Tatsachen-Gestellt-Sein, in Missmut umzu-schwenken. Denn der Abrisstermin war schon in bedrohliche Nähe gerückt."Lohnt es sich überhaupt noch etwas zu tun? Wir kommen doch eh zu spät." Enttäuschung statt Aufbruch-stimmung machte sich breit. Daran sieht man exemplarisch, wie die Stadtumbau-Strategie in der Stadt das Bewusstsein der Einwohner mitprägt. Man fühlte sich abgehängt. Ein Anwohner im Rentenalter sagte mir zum Beispiel, dass er in der zweiten Häuserreihe wohnt und er seinen Verbleib in diesem nach dem Abriss der ersten Häuserzeile unwirtlichen Wohnumfeld gefährdet sieht. "Am liebsten ganz aus der Stadt ausziehen, auch wenn`s schwer fällt", war sein Statement. Neben der Enttäuschung, also auch Verbitterung. Trotzdem willigten fast alle ein, bei der Sammlung von Unter-schriften in ihren Häusern mitzuhelfen.


Die scheinbare Ausweglosigkeit aus den momentanen Stadtumbaustrategien in dieser Stadt, d.h. die Anwendung der immer sich wiederholenden Strategie, Stadtbildprägendes und Stadtzusammen-haltendes zu missachten, stößt zuerst auf Unverständis bei den Einwohnern, früher oder später werden sie sich dem aber ungewollt annehmen, weil sie keine Befugnisse zur Stadtgestaltung haben können oder sie werden die Stadt ganz verlassen. Solche psycho-sozialen Entwicklungen, die das Stadt-Empfinden und die Stadtqualität repräsentieren, scheint jedoch kaum jemand im Bau- und Stadtplanungsamt und bei der GGGmbH zu berücksichtigen.

Ein Grund, warum unserer Protest erst jetzt kommt, da die Ausschreibung zum Abriss bereits veröffentlicht wurde (Amtsblatt, 14.01.2009), liegt in der weitverbreiteten fehlenden Radikalität im Begreifen des derzeitigen Umwandlungsprozesses der Stadt Chemnitz. Dieser ist schwer vermittelbar und kaum zu glauben! Was aber nicht bedeutet, dass ein bürgerfreundlicher Stadtumbau vonstatten gehen könnte. Es muss nicht sein, dass die Bewohner der Karl-Immermannstr. 26 erst von einem GGG-engagierten Statiker, der bei ihnen vor der Tür steht über den geplanten Abriss auf zufällige Art und Weise informiert werden. Die Abreißer, also die Immobilieneigentümer, wie die GGGmbH, sollten deshalb die Aufgabe übernehmen, die Anwohner und die Chemnitzer Öffentlichkeit über ihre Abrisspläne zu informieren und diese vor allem nachvollziehbar zu verteidigen. Zu solchen Versammlungen wären Vertreter des Stadtplanungsamtes hinzuzuziehen. Das vom Stadtforum Chemnitz geforderte Gremium für Baukulktur könnte ein weiteres Instrument sein, um nachaltigere Konzepte im Stadumbau herzustellen. Dazu gehört auch Stadtumbau, nicht nur als Stadtabriss zu praktizieren. Hierzu wäre beim größten Wohnungsunternehmen der Stadt eine Abteilung Stadtplanung einzurichten, diese wäre aber auch verpflichtet, mit dem Stadtplanungsamt gemeinsam ein für die Stadtgestalt und das Wohn- und Lebensumfeld nachhaltiges Konzept zu erarbeiten. Wie dies aussehen soll, kann an dieser Stelle nicht verhandelt werden. Eigentlich müssten es die Verantwortlichen wissen. Warum aber reagieren sie dem entgegensprechend?


Was kann aber nun noch am Standort Gustav-Freytag-/Karl-Immermann-Straße getan werden? Dazu folgende Forderungen:

1. Die GGGmbH stoppt die Ausschreibung zum Abriss und ermöglicht langfristig die Reaktivierung der Häuser. Einige Konzepte, wie zum Beispiel preiswertes, sozial verträgliches Wohnen in halbsanierten Häusern, sowie studentisches und temporäres Wohnen scheinen prädestiniert für diesen Standort. Potentielle Betreiber eines studentischen Wohnkonzeptes meldeten sich bereits im Stadtplanungsamt.

2. Die GGGmbH verkauft die Häuser. Der Verwalter eines der Privathäuser im Viertel signalisierte schon einmal Kaufinteressen. Als er aber die Preisvorstellungen der GGGmbH kennenlernte, welche vor allem wegen den Altschulden so hoch sind, entschied er sich dagegen.

3. Um Stadtumbau zu einer bürgernahen und bürgerfreundlichen Angelegenheit zu machen, muss die GGGmbH in einer Anwohnerversammlung ihre Gründe für ihr Tun in der Gustav-Freytag-Straße darlegen. Die unterschiedlichen Erfahrungen die beide Seiten mit dem Stadtumbau machen, fänden somit einen Austausch und es ergäben sich Möglichkeiten zur Annäherung von Standpunkten und bestenfalls sogar neue Ideen im Stadtumbau. Es wäre auch wichtig für die Verant-wortlichen, um die persönliche Betroffenheit von Abriss-Anwohnern nachvollziehen zu können. Wer von den Verantwortungsträgern bei GGGmbH und im Bauamt war denn bereits einmal persönlich mit dem Stadtabriss konfrontiert?


4. Dieser vierte Punkt bedeutet den letztmöglichen Ausweg für einen bürgerfreundlichen Stadtumbau an dieser Stelle: Wenn ein Abriss nicht mehr zu verhindern ist, müssen Maßnahmen zum Schutz der dahinterliegenden Gebäudezeilen und des großen Hinterhofes errichtet werden. Es gilt den Lärm und die Abgase fernzuhalten, sowie die Stadtstruktur zumindest in ihrer Erscheinungs-form nachvollziehbar und damit anschaulich zu erhalten. Ein Wettbewerb zur Brachflächengestaltung, oder besser zum Erhalt der bisherigen Hinterhofqualitäten ist auszurufen. Ein Beispiel: Ein offensiver landschaftsarchitektonischer Umgang mit dem eventuellen Abriss der Gustav-Freytagstraße wäe die Errichtung eines begrünten oder auch begehbaren Schutzwalls aus den Abbruchtrümmern. Dies, nur skizzenhaft vorgetragen, würde zugleich annähernd der Nachvollziehbarkeit des Stadtumbauprozesses für künftige Generationen gerecht werden. Eine Rückbaufläche aus Rasen und Zaun oder ein Parkplatz darauf hingegen erzählen von sich selbst keine Geschichte dieses Prozesses der schrumpfenden Stadt, indem wir uns alle befinden.

Diesen letzten Punkt schlug ich auch den Anwohnern beim Treffen im Bäckereicafe vor, worauf mir von vielen entgegengehalten wurde, dass das nicht schön aussehe. Das ästhetische Vorstellungsbild, welches jeder von einer Stadt hat, ist erst in weiteren (historischen, wirtschaftlichen, politischen) Zusammenhängen zu begreifen. Für viele ätere Bewohner ist die Idee eines gestalteten und begrünten Schutthaufens, der zudem die Funktion eines Schutzwalls hat deswegen nicht vorstellbar, weil viele die Stadt vor allem als wachsende Stadt kennengelernt haben. Die bisherigen Erfahrungen im Stadtumbau in unserer Stadt zeigen aber auch, dass nur wenige solche landschaftsarchitektonischen Innovationen angewendet werden, um Stadtstruktur zu erhalten. Es fehlen die positiven Signale und Vorbilder für eine solche kreative Rückbauunternehmung. Aus dieser Konstellation heraus könnte das Stadplanungsamt, zusammen mit der GGGmbH Vorreiter sein, um einen "Stadtumbau der Zuversicht" zu schaffen. Wenn aber dem Primat des wirtschaflichen, sowie städtebaulichen Wachsens weiterhin nachgehangen wird, müssten die Häuser an der Gustav-Freytag-Straße erst einmal stehen bleiben, oder?!

Mit freundlichen Grüßen

Initiative zum Erhalt des Apolloviertels
i.A. Robin Weisbach



7. Januar 2009

Berichterstattung der Medien zum Zustand
der Spinnmühle Meinert in Niederlugau


Anbei zwei der in den vergangenen Tagen erschienenen Artikel:

Freie Presse
Lausitzer Rundschau

Karl Noltze, Präsident der Landesdirektion Chemnitz nimmt wie folgt Stellung:

"Das ganze Alte herumstehen zu lassen, kostet Geld, das die öffentliche Hand nicht hat."

Quelle: Lausitzer Rundschau
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