Kurzgeschichten

Bisher habe ich nur wenige Geschichten geschrieben, Gedichte schreiben fällt mir wesentlich leichter.
Ich hoffe Sie gefallen Ihnen trotzdem.



                                                                                                                                         Copyright by Wolkenfee


Buch kontra Zeitschrift
Die kleine Bank am See
Seelenqualen in der Nacht

Buch kontra Zeitschrift

„Wow, … gerade noch geschafft.“  Wie immer in letzter Minute erscheint Tina ganz atemlos im Zug.

„Kannst du nie pünktlich sein Tina?“ fragte ich etwas genervt.

„Hab´s doch geschafft, musste mir nur schnell ne Zeitschrift holen für die Fahrt.“

„Solche Dinge besorgt man sich rechtzeitig, dann kommt man nicht in Stress“ entgegnete ich in dem ich mein Buch hochhielt.

„Feuer und Stein, oh je, wie kann man nur so einen Schmöker lesen. Verstehe sowieso nicht warum es Bücher gibt und die auch noch gelesen werden.“ Tina hält gelassen ihre „Bild der Frau“ hoch. „So was solltest du lesen, dann bist du gut informiert und könntest mitreden.“

„Ach Tina, wie soll mir so eine Zeitschrift was Wichtiges vermitteln?“ Fragte ich dummerweise, denn ich wusste sofort was nun folgen würde.

„Erkläre mir doch bitte was dir dieser Schmöker bringt“ bat mich Tina.

„Ich erfahre viel über die Vergangenheit und wie die Menschen damals gelebt haben.“

„Puh, Vergangenheit, du solltest viel mehr in der Gegenwart leben“ meinte Tina

„Es ist ja nicht nur das, was mir an dem Buch gefällt. Diana Gabaldon schreibt so fesselnd und realistisch, dass ich total abschalte und alles um mich herum vergesse. Diese gekonnte Verbindung zwischen Geschichte und Mystik, ist das was mir so gut gefällt.“ Antwortete ich. Wie gern hätte ich Tina überzeugt, doch leider mag sie absolut keine Bücher.

„Ja, ja,“ kam es zurück „du und das Mystische, das hat es dir schon immer angetan. Du glaubst eben auch daran, dass unser Schicksal vorbestimmt ist, doch über die Horoskope aus meiner Zeitschrift lachst du. Kann ich nicht verstehen.“

„Oh je Tina, wie kann man nur an solche schwachsinnigen Horoskope glauben. Wenn sie dir passen findest du sie gut und wenn sie dir nicht passen, sagst du Horoskope sind Quatsch.“

„Na ja, aber das machen doch alle so, wer will schon schlechte Nachrichten haben.“

„Man muss doch nicht alles wie die Anderen machen. Doch deine Horoskope haben nichts mit dem was Diana Gabaldon beschreibt zu tun.“

Tina nimmt mir das Buch aus der Hand und liest eine Passage vom Einband vor: „Man schreibt das Jahr 1946. Claire Beauchamp Randall, eine patente und sehr rational eingestellte junge Frau, wird in Schottland von einem alten magischen Steinkreis in Bann gezogen. Als sie eines Tages nichts ahnend einen der Steine berührt, verliert sie das Bewusstsein und erwacht im Jahr 1743. Das ist doch alles Quatsch, so etwas gibt es doch gar nicht und deswegen finde ich das Buch unmöglich und würde so etwas nicht lesen.“ Mit diesen Worten reicht sie mir mein Buch zurück.

„Mensch Tina, es gibt soviel zwischen Himmel und Erde was nicht wissenschaftlich zu belegen ist. Aber in diesem Buch geht es ja nicht nur darum. Ich sagte schon, dass die Autorin so faszinierend schreibt, dass ich einfach nicht aufhören kann wenn ich erst einmal angefangen habe zu lesen.“

Demonstrativ schlägt Tina ihre Zeitschrift auf und meint: „dann les ruhig in deinem Schmöker, vergiss alles um dich, ich bin ja da und werde dich rechtzeitig am Fahrtziel in die Gegenwart zurückholen.“

„Ich danke dir Tina!“ antwortete ich lächelnd.

26.10.2004


                        Copyright by Uwe Bruechner


Die kleine Bank am See


Immer wenn ich zur Ruhe kommen will,
setze ich mich kurz vor der Abenddämmerung dort hin.
Die Sonne versinkt langsam am Horizont.
Der Himmel färbt sich leuchtend rosa,
über dem See schimmert kühl und silbern der Dunst.
Langsam wird es dunkel,
Nebel hängt tief über dem stillen Wasser,
oben kreisen lautlos zahllose Raben.
Lassen sich zur Nachtruhe
auf dem großen alten Baum am Ufer nieder.
Kein Laut ist mehr zu hören.
Meine Gedanken entwirren sich,
Ruhe kehrt in mir ein.
Ich genieße diese Lautlosigkeit,
das Gefühl nicht mehr in dieser Welt zu sein.
Momente voller Harmonie mit mir und der Natur.
Der aufgehende Mond durchdringt die schwarze Nacht,
lässt silberne Lichtbahnen im See spiegeln.
Langsam kommt Wind auf,
kleine Wellen breiten sich wie ein Fächer aus,
der Nebel verweht.
Die Sterne strahlen und funkeln mit dem Silbermond um die Wette.
Meine Seelenreise durch die Nacht beginnt,
denn ich suche dich in meinen Träumen.

 02.08.2005



                                         Copyright unbekannt

 

Seelenqualen in der Nacht

 

Leise klingt die Musik von Yanni aus den Lautsprechern. Es ist 3 Uhr und die meisten Menschen in der Straße schlafen längst. Vor dem offenen Fenster rauscht der Regen, gleichmäßig und stetig. Genau wie die Traurigkeit die ihr Herz und ihre Seele umfangen hält. Egal was sie auch macht, der Schlaf will nicht kommen, ihr keine Erlösung schenken. Das Buch, das sie immer gefesselt hat, kann sie nicht lesen weil ihre Augen in einem Tränenmeer schwimmen. Die Tränen rinnen wie der Regen: gleichmäßig und stetig über ihr Gesicht und Keiner sieht  oder hört es. Sie lassen sich nicht stoppen.

Diese längst vergessen geglaubten Krakenarme des Molochs kommen aus allen Ecken auf sie zu.
Sie versuchen sie zu greifen und zu locken. Leise flüstert er:

Komm lass dich in meine offenen Arme fallen, ich fang dich auf.
Nein, hau ab, ich will das nicht!
Hier ist es schön warm und weich.
Hier ist es auch warm und mein Bett ist weich.
Bei mir ist jeder Kummer und Schmerz vergessen.
Hier ist auch ... oh, darauf hat sie keine kluge Antwort.
Was ist bei dir?
Na ja, ... ach was das vergeht auch wieder.
Wie lange willst du das noch mitmachen und wie oft?
Solange bis ich die wahre Liebe gefunden habe, oder sie mich.
Du bist doch kein Kind mehr, so was gibt es nicht für dich, das hast du doch wahrlich oft genug erlebt. Jedes Mal wird es schlimmer. Komm in meine Arme, da bist du geborgen und dir wird kein Leid mehr geschehen.
Ich habe lebende Arme die mich halten und da wird mir auch nichts geschehen.
Wo sind denn diese lebenden Arme die dich halten? Ich sehe nichts. Du bist wie immer allein. Komm zu mir, ich zeige dir ein Paradies, da geht es dir gut.
Verschwinde, ich will das nicht, du zeigst mir nicht das Paradies sondern meinen Tod.


Sie stellt die Musik lauter damit sie die flüsternde Stimme nicht mehr hören muss und überlegt wie sie endlich den erlösenden Schlaf finden kann. Schlaftabletten sind da von ihrer Tochter, doch es ist fast 4 Uhr. In 1 1/2 Stunden muss sie aufstehen. Zu spät für Tabletten, sie kann es sich nicht leisten zu spät zu kommen. Auch für Wein ist es zu spät ....

Merkst du nicht dass es für alles zu spät ist? Zu spät für Tabletten, für Alkohol, für einen neuen Arbeitsplatz und für die Liebe. Komm ... komm mit mir, ich führe dich in ein Land indem du das alles nicht brauchst und dort ist es für nichts zu spät.
Nein, hau ab, es gibt immer einen Weg, es ist nicht zu spät solange noch Hoffnung in mir ist!
Hoffnung, Träume, Liebe .... das sind doch alles nur Worte. Du machst dir selber was vor.
Sag das nicht, es gibt auch noch Menschen die mich brauchen und sich um mich sorgen.
Entschuldige dass ich lache, wer braucht dich denn noch? Schau doch genau hin: so lange du alles machst wie die Anderen es wollen, dann sind sie lieb und nett.
Das ist nicht wahr, wie kannst du so was sagen?
Sei doch ehrlich zu dir selber. Wie ist es denn wenn du mal machst was du willst?
Ich mache doch was ich will ... meistens.
Werden deine Wünsche respektiert? Richtet man sich nach dir oder nimmt man Rücksicht auf deine Gefühle?
Ja natürlich ... ich meine ... na ja, ich kann nicht rücksichtslos sein. Möchte niemanden verletzen.


Die CD ist zu Ende, doch die Stimme lässt sie nicht zur Ruhe kommen. Sie möchte schlafen, alles vergessen und nicht mehr reden.

Ach ja, du kannst nicht rücksichtslos sein? Wie schön für die Anderen und so praktisch. Du nimmst auf alle Rücksicht und bist schön friedlich, damit keiner beleidigt ist und dir dann seine fragwürdige Liebe oder Aufmerksamkeit entzieht.
Hör endlich auf damit, so ist das gar nicht, du verstehst das nicht. Du liebst eben nicht.
Doch ich liebe, ich liebe dich. Komm in meine Arme und du vergisst alles was dir Kummer und Schmerz bereitet und findest das was du suchst, erhoffst, erträumst. Doch komm bald.


An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Sie legt ihre Lieblingsmusik ein. Vielleicht verschwindet dann die Stimme. Es ist ja doch  viel Wahres dran was sie sagt. Natürlich nicht alles, aber doch manches. Währe es nicht wunderbar sich in warme Arme zu  legen und beschützt darin einzuschlafen und wieder aufzuwachen? Oder einfach nur einschlafen und dort für immer zu schlafen?

Komm zu mir ..... komm in meine Arme, da kannst du für immer schlafen.
Lass mich endlich in Ruhe, ich möchte ...
Bei mir findest du alles was du möchtest, doch komm bald .... es ist nicht mehr viel Zeit.

Sie überlegt warum nicht mehr viel Zeit ist und schaut auf die Uhr, es ist gleich 5. Ne gute halbe Stunde, dann kann sie sich fertig machen fürs Büro und ...
Komm zu mir, dann brauchst du dich nicht mehr fürs Büro fertig machen. Die Zeit verrinnt.
Warum hast du es so eilig? So eine Entscheidung ist für immer und das kann man nicht auf die Schnelle ...
Ach was, was willst du überlegen? Du bist für niemanden wichtig, es geht auch alles ohne dich. In ein paar Monaten bist du ersetzt und vergessen.
Das stimmt nicht, ich werde geliebt und gebraucht.
Was passiert denn, wenn du sagst was du fühlst oder denkst? Da hört doch keiner zu, es wird immer erwartet, dass du so funktionierst wie die Anderen es wollen oder es denen gerade passt. Du bist ein Mensch mit vielen Gefühlen, den man respektieren sollte. Wer tut das denn wirklich?
Na ja, ... da ist ...
Sei ehrlich zu dir selber, normalerweise müsste deine Antwort viel schneller kommen, ohne erst lange überlegen zu müssen. Komm ... komm zu mir ..... aber .....


Sie ist ganz durcheinander, warum hat er es so eilig sie in die Arme zu nehmen? Irgendwo hat sie was übersehen, aber was? Ihr Kopf ist leer, das Denken fällt ihr schwer. Draußen wir es langsam hell.


Komm ... komm zu mir ..... komm doch endlich. Ich will dich

Das Verlangen sich fallen zulassen wird größer. Endlich schlafen, alles vergessen und Ruhe haben.

Komm ... komm zu mir ... komm ....

Geborgen und beschützt in warmen Armen einschlafen. Soll sie doch? Es ist so verlockend.

Komm ... komm zu ....

Vor dem Fenster sind die ersten Vögel zu hören. Zwitschernd begrüßen sie den neuen Tag.

Komm ...

Sie steht auf, geht zum Fenster, sieht die langsam aufgehende Sonne. Ihr Herz wird weit. Liebe erwärmt es.
Da hört sie hinter sich ein immer leiser werdendes qualvolles und enttäuschtes Neeeeiiiin ...


Als die ersten sanften Sonnenstrahlen ihr Gesicht berühren, weiß sie, dass sie den Moloch überwunden hat. Er kommt nur im Dunkel der Nacht, wenn die Ängste groß sind. Am Tag hat er alle Macht verloren.
Dankbar schaut sie die Sonne an. Ob sie wohl weiß, dass sie ihr das Leben gerettet hat? Wie nah sie dran war, sich endlich in die Geborgenheit der vielen Arme fallen zu lassen und endlich zu schlafen? Für immer.
Nun schickt sie Sehnsuchtslieder still und leise, mit den Sonnenstrahlen zu ihrem Liebsten auf die Reise. Sicher hat er gut geträumt, dabei aber ihr Leid versäumt.

01.07.2005

 

 

zum Seitenanfang

 





 



Verantwortlich für den Inhalt ist der Autor der Homepage. Kontakt

Kostenlose Homepage von rePage.de


Anzeige:    Freunde finden leicht gemacht