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Kleine Hofgeschichte Alljährlich beobachte ich vom Küchenfenster aus, was auf dem Hof so kreucht und fleucht.
Der Hof ist zwar größer, aber um diese Ecke mit dem Hocker und der Vogeltränke dreht sich meine kleine Geschichte und sie beginnt mit dem 1 Januar 2010
Der Winter hatte uns voll im Griff und die Vögel konnten durch den hohen Schnee kein Futter finden. Ich schaufelte einen Weg zum Blumenhocker und zur Vogeltränke.
Ich war noch am Schneeschaufeln, da kamen schon die ersten Vögel angeflogen und als ich das Futter und geviertelte Äpfel auslegte, stürzten sie sich schon drauf, ohne Scheu vor mir zu haben. Bei Menschen würde man sagen, sie rissen es mir förmlich aus den Händen. Die armen Vögel müssen ja richtig ausgehungert gewesen sein.
Hier hockt meine Amsel, die ich Flügelchen genannt habe, weil sie einen gebrochenen Flügel hat von ihrem Erstflug aus dem Nest. Sie kann fliegen, nur den Flügel nicht mehr anlegen, der bleibt gespreizt. Vier Jahre kam sie unter mein Küchenfenster, gemeinsam mit ihrem Männchen und sie stellten mir immer ihre Jungen vor. Es war zu putzig, zuzusehen, wie sie die Kleinen fütterten, konnte manchmal bis in den Schlund schauen, wenn sie ihre Schnäbel so weit aufrissen.
Ich dachte, ich sehe nicht richtig, marschiert sie doch schnurstracks vom Futter zur Tränke und badet. Das tat sie nicht alleine, auch alle anderen badeten im lauwarmen Wasser, das ich frisch reingegossen hatte. Das war ein Leben an der Tränke, dass die Leute manchmal am Zaun stehenblieben, um diesem lustigen Treiben zuzuschauen. Die Kleinen haben damit angefangen und wohl die Großen wie Tauben, Krähen und Elstern angelockt. Mir kam das immer wie Buschfunk vor.
Das ist mein Freund der Rabe, der Kontrolle macht, ob ich auch den Schnee gut weggeschaufelt habe. Er kommt schon das fünfte Jahr mit seinem Frauchen und den Jungen, aber die konnte ich noch nie fotografieren. Dann kann ich zuschauen, wie sie erst füttern und dann den Kleinen zeigen, wie sie allein ihr Futter aufnehmen müssen. Dabei kann man sehen, wie schlau sie sind. Was die Igel an Trockenfutter liegenlassen haben, wird in den Schnabel gesteckt und dann in die Vogeltränke geworfen. Da weicht es auf, und sie angeln es raus. Ich darf zusehen, wie die Kleinen das nachmachen.
Meine Katzren und ich warteten schon voller Ungeduld auf die Igel, und Peter hielt Ausschau, aber weit und breit war kein Igel zu sehen. Er meinte wohl, wenn er sich hinsetzt, werden sie schon kommen.
Auch Putzi machte sich auf die Suche nach den Igeln. Sie wusste noch vom Vorjahr, dass ich unter der Hecke ein Igelhaus hatte, wo sie sich vorsichtig ranpirschte.
Wir mussten noch lange warten, denn der April bescherte uns wieder sehr viel Schnee, Ich ging immer wieder abends raus, ob nicht endlich ein Igel in Sicht ist. Ich legte schon an den bekannten Futterstellen Katzentrockenfutter aus und wunderte mich, dass es am nächsten Tag alle war, obwohl ich noch keinen Igel gesehen habe, und endlich sah ich den ersten.
Unterm Blumenhocker saß auch einer und war fleißig beim Mampfen, aber er war unruhig, weil ein anderer auf ihn zusteuerte.
Der Kleine ging so gezielt auf den Hocker zu, dass er diese Futterstelle bereits kannte. Aus den Vorjahren wusste ich, dass die Mutter immer mit den Kleinen herkommt und ihnen die Futterstellen zeigt. Danach gehen dann alle getrennt auf Futtersuche, so auch diese drei, und wenn sie sich mal ins Gehege kommen, sind sie richtig grob zueinander.
Ich wollte gerade raus, um Igelfutter auszulegen, denn sie kamen immer so gegen halbneun Uhr abends, da wäre ich fast über die Mutter gestolpert, naja war ja diesmal später dran, nur gut, dass ich meine Digi dabei hatte, so konnte ich sie gleich fotografieren, nur den Papa habe ich dieses Jahr nicht mit der Kamera erwischt, obwohl ich ihn oft gesehen habe.
Hier ist noch mal mein Flügelchen, hier habe ich sie das letzte Mal gesehen. Sie hat mir vier Jahre lang sehr viel Freude gemacht. Kurz vorher, fand ich ein totes Männchen, welches ich unter der Tanne vergrub. Ich nehme stark an, dass das meine beiden Freunde waren.
Dieser junge Igel hat sich schon ganz schön was angefuttert, da kann der Winter kommen, und er hat noch Zeit, mehr Speck draufzubringen.
Mein Freund auf Futtersuche, aber erst muss er sich in Pose werfen, damit ich ihn schön knipsen kann.
Er fliegt nie weg, wenn ich das Fenster öffne. Manchmal hält er sein Köpfchen schief, als ob er sich freut mich zu sehen. Hier schmeißt er alles rein, und dann mampft er das Aufgeweichte. Dadurch muss ich das Wasser öfter wechseln, weil eine olle Brühe draus wird.
Obwohl schon der 18. Oktober ist kommen die Kleinen noch, was für mich ein gutes Zeichen ist, weshalb ich auch jeden Abend Futter auslege.
Ich bin so froh, dass sie noch kommen, denn da können wir Hoffnung haben, dass der Winter nicht so lang wird. Ich kannte es, dass sie immer bis November kamen, nur voriges Jahr war es anders. Die Alten waren Anfang Oktober verschwunden und die Jungen kamen ab Mitte des Monats nicht mehr. Weil das für mich so ungewohnt war, dachte ich, das wir einen langen Winter kriegen. So war es auch, bis Mitte April Schneemassen und dicke Kälte.
Dieser Kleine wird den Winter nicht überleben, weil er starken Husten hat, was bedeutet, dass er von Lungenwürmern befallen ist. Dann soll er jetzt noch schön futtern, bevor er sich schlafen legt.
Dieser Kleine frisst nur auf den Gehwegplatten, nicht unterm Hocker. Das habe ich schon mehrmals gesehen. Er läuft von der Platte am Hocker vorbei zur Tränke und rennt dann wieder zurück.
war noch nicht die letzte Aufnahme, sie kommen immer noch...
mir ist es das erste Mal gelungen, einen Igel an der Tränke zu fotografieren
und dann lief er schnell weg, ich noch hinterher...
um halbzehn sah ich sogar zwei an der Tränke, aber als ich hinkam, liefen sie weg. von hinten konnte ich noch beide erwischen, waren Mutter und Kind - rechte das Kind, linke die Mutter...
ich beobachte sie jeden Abend, denn es kommen so viele, vermutlich aus dem Park...
ich erkenne auch, welche hier heimisch und welche vom Park sind, weil die Fremden suchen, und die anderen gezielt zu den Futterstellen gehen.
Ich werde noch weiter beobachten, und wenn das Futter liegenbleibt, sind sie zum Schlafen.
Meine Weihnachtsgeschichte 2008 Die Heimat
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