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Meine Jugendliebe

Ich habe viele Lieder im Kopf und eigenartigerweise zielen die immer auf den selben Mann.
Als wir 16 waren verliebten wir uns beide, und er sang mir immer ein Lied vor
"Wunderbares Mädchen, hast mich schon am Fädchen, hast mich schon am Gängelband..."
Dann verloren wir uns aus den Augen und sahen uns wieder,
als wir 18 waren, verliebten uns so stark, dass wir uns sogar verlobten.
Da sang er mir immer vor "Die Liebe ist ein seltsames Spiel"

Obwohl ich mit ihm verlobt war, heiratete ich ein Jahr später einen anderen
und wir sahen uns mit 20 Jahren wieder, er noch frei, ich verheiratet.
Wir wurden gute Freunde, aber ein Lied sang er immer,
"Sag mir Quando, sag mir wann..."

Mit 24 Jahren war ich geschieden und er verheiratet.
Wenn wir uns zufällig bei meiner Schwester trafen, verstanden wir uns gut,
mehr war nicht, da er nun für mich unerreichbar war,
aber er sagte mir folgende Worte, die ich nie vergessen habe.
"Hanna, du warst meine große Liebe, du bist meine große Liebe,
und du wirst es immer bleiben,
nur ein Zusammensein gibt es nicht mehr."
Immer, wenn wir uns mal zufällig trafen, musste ich an diese Worte denken,
denn das Nichtzusammenkommen bezog sich ja auf seine Ehe.

Mit 48 Jahren wurde er Witwer und mit 50 Jahren trat er als freier Mann wieder in mein Leben.
Da lud er mich zu einem gemeinsamen Urlaub in Portugal ein,
ohne Kosten für mich und mit dem Versprechen,
dass ich keinerlei Verpflichtungen ihm gegenüber habe.
Ich nahm an, freute mich sehr, aber dann kamen Ängste in mir hoch,
denn jeder hatte sein Leben gelebt, was 32 Jahre bedeutete.

Im Flugzeug begann das große Wunder, wir saßen sehr eng zusammen,
und wenn wir uns ungewollt berührten, Arme oder Hände,
ging es wie Strom durch uns beide, und wir wurden unruhig und zittrig,
wussten selbst nicht, wie wir mit dieser Situation fertig werden sollten.
Wir waren wieder 16, schüchtern und unbeholfen, und das mit 50 Jahren.
Dann waren wir in Portugal, und das erste Mal nach 32 Jahren gemeinsam in einem Bett.
Wir waren beide aufgeregt und verlegen, wirklich wie damals als wir 16 waren,
wo außer Küssen auch nicht mehr war.
Ich schlief in seinen Armen, die mich förmlich umklammerten, ganz ruhig ein.
Dann wachte ich durch sein Schnarchen auf, war immer noch von ihm umklammert
und empfand sein Schnarchen wie Musik.
Was habe ich das Schnarchen meines Mannes gehasst,
und bei ihm fand ich es schön, es beruhigte mich sogar.
War ich noch normal?

Wir verbrachten einen herrlichen Urlaub miteinander und verliebten uns so stark,
dass es uns manchmal den Atem nahm.
Wir sprachen auch darüber, weil wir es beide nicht fassen konnten.
An einem besonders romantischen Abend, wir saßen auf einer Burgterrasse hoch über dem Meer,
und der Mond schien auf das Wasser, fragte ich ihn nach seinen Worten wegen der Liebe
und dem Nachsatz "nur ein Zusammensein gibt es nicht mehr".
Da nahm er meine Hand, streichelte ganz zart mein Gesicht und sagte:
"Hanna wir sind doch zusammen, und jetzt halte ich dich fest,
damit du mir nicht mehr davonlaufen kannst."

Dieses Festhalten hat er auch wörtlich genommen, als wir wieder zu Hause waren.
Er gab mir keine Gelegenheit, wieder mein eigenes Leben zu führen,
und ich wollte es auch gar nicht mehr.
Jede Faser meines Herzens sehnte sich nach ihm,und er hatte die gleichen Empfindungen.
Wie oft stand er abends vor meiner Tür, um für ein paar Stunden bei mir zu sein,
denn er arbeitete 100 km von mir entfernt.
Es war ihm einfach zu lange, bis zum Wochenende zu warten,
und jedes Mal brachte er Blumen mit, weil er kein Mann von großen Worten war.

An Trennung dachten wir beide nicht mehr, wir wollten nur noch zusammensein,
was gar nicht so einfach war, denn nun mussten wir uns zusammenraufen,
was wir aber wunderbar hinbekamen, manchmal wie die Kinder,
einfach abhauen und nicht ausdiskutieren.
Da fällt mir eine Begebenheit ein, die ich zum Besten geben möchte.
Es war ein Wochenende, wo ich bei ihm war, und er musste kochen.
Wir hatten einen Streit, der ausartete, dass ich einfach nach Hause fuhr
und er mich vergeblich in seinem Stadtgebiet suchte.
Zu Hause weinte ich und war wütend über meine falsche Reaktion,
stellte mich aber noch in die Küche und machte das Gemüse für den nächsten Tag fertig.
Am nächsten Morgen bat ich meinen Sohn,
mich und meinen Topf mit dem Gemüse, zu ihm zu fahren.
Er schüttelte nur den Kopf über unser Verhalten und meinte, wir sind wie Kinder.
Auf der Hinfahrt sahen wir ihn auf der Gegenfahrbahn, nächste Abfahrt runter und wieder zurück.
Dann standen wir uns gegenüber, ich mit dem warmen Topf in den Händen,
und alles war wieder gut.

Wir behielten unsere Wohnungen und waren abwechselnd ein Wochenende in seiner
und eins in meiner Wohnung. So hielten wir es auch mit dem Kochen.
Einmal sagte er mir:" Hanna ich habe mir eingebildet, dass ich gut kochen kann,
aber mit dir komme ich nicht mit". Da war ich natürlich ganz stolz und merkte gar nicht,
wie ich im Laufe der Zeit immer mehr kochte als er.
Unsere Wohnungen wollten wir nicht aufgeben, damit keine Missverständnisse entstehen,
wer was aufgegeben hat.
Dann ergab es sich, dass ich eine neue bekommen musste,
weil in unserem Haus alle Leitungen geplatzt waren.
Diese neue Wohnung suchten und renovierten wir gemeinsam,
und sie wurde " unser Heim".

Wir hatten nicht nur 2 Wohnungen, sondern auch 2 Gärten,
aber seinen ließ er mich im ersten Jahr nicht sehen,
weil er ein Biogarten war, hatte keine Zeit.
Dann bewitschafteten wir beide Gärten.
Einmal stand er in meinem Garten am Zaun betrachtete ihn und sagte
"Hanna, ist dein Garten schön, so wird meiner nie."
Da umarmte ich ihn und versprach ihm, dass seiner in spätestens 3 Jahren genauso schön,
wenn nicht noch schöner sein wird, er müsse mich nur walten lassen.
3 Jahre später stand er an seiner Hecke und betrachtete seinen Garten,
rief mich zu sich, nahm mich in seine Arme und küsste mich.
Er sagte mir wie glücklich er ist, was ich aus seinem Garten gemacht habe.
Ein Jahr später gab ich meinen Garten ab an meinen Sohn, denn es wurde uns beiden zu schwer,
2 Gärten zu bearbeiten und volltags noch zur Arbeit zu müssen.

Ich bin sonst kein gläubiger Mensch, aber in unserem Fall betete ich in Gedanken zu Gott,
dass er uns beiden doch ein paar gemeinsame Jahre schenkt.
Dieses Gebet wurde erhört, denn wir durften 10 Jahre in Gemeinsamkeit verbringen,
wofür ich immer noch sehr dankbar bin.
Es gab Höhen und Tiefen bei uns, doch die Höhen überwiegten,
dass Freunde und Verwandte uns sagten, man sieht unsere Liebe aus den Augen blitzen,
was besonders schön ist, weil wir ja nicht mehr die Jüngsten sind.

Dann erlitt er seinen dritten Herzinfarkt und ich kämpfte um sein Leben,
war jeden Vormittag und Abend an seinem Bett hielt seine Hand in meinen Händen,
streichelte und liebkoste sie und sprach ganz leise zu ihm, erzählte von unserer Liebe.
Die Ärztin machte mich darauf aufmerksam, dass er alles wahrnimmt,
da die Geräte sofort reagieren, wenn ich bei ihm bin.
Diesen Kampf haben wir aber verloren.
Ich ahnte es den letzten Abend schon, als ich seine Hand ganz sachte auf die Bettdecke legte
und ging weinend nach Hause.
Am frühen Morgen kam dann dieser traurige Anruf, dass er mich für immer verlassen hat.
Heute weiß ich, wie wertvoll seine Worte waren und welchen Bestand sie für ihn hatten.
Diese 10 Jahre, die wir zusammensein durften, waren die schönsten Jahre meines ganzen Lebens.
Er war nicht nur meine Jugendliebe - er war meine Liebe.

     

                                                  Beide 16 Jahre alt.

    

                                                  Beide 50 Jahre alt

 

         

 

Kindheitserinnerung


Als ich im Juni 2009 zum Klassentreffen in Pasewalk war,
besuchte ich auch alle Plätze, wo ich meine Kindheit verbrachte.
Unser Haus war weg, aber die beiden Ahornbäume, auf die ich immer geklettert bin,
waren noch da, inzwischen riesengroß.
Ich erkannte, wo Haus und Hühnerstall mal waren und dazwischen der Hauklotz.

Da stiegen traurige Erinnerungen in mir hoch.

Ich war 6 und meine kleine Schwester 4 Jahre alt, und wir spielten auf dem Hof.
Meine ältere Schwester sollte das Mittagessen warmmachen, wozu sie Holz brauchte.
Sie bat den Nachbarsjungen, Holz zu hacken, was er auch sofort tat.
Als er fertig war, machte er mit dem Nachbarsjungen Wetthacken, was heißt,
ein Stück Holz mit dem ersten Schlag der Axt durchzukriegen.

In dem Moment kamen meine Eltern vom Acker und verboten das.
Die Jungen legten die Axt weg, doch als die Eltern im Haus waren,
holten sie sie wieder vor und spielten weiter.
Da sie kein Holz mehr fanden, legten sie ein Stück auf den Hauklotz,
das für meine Schwester eine Puppe war, denn Puppen hatten wir nicht.
Dieses Stückchen Holz hatte die Form von einem Menschen
und wurde so in ihrer kindlichen Fantasie zu ihrer Puppe.

Als sie sah, dass es auf dem Hauklotz lag, lief sie hin und schrie "meine Puppe".
Sie griff zu, und im selben Moment kam die Axt und zertrennte ihre rechte Hand.
Sie hat nicht einmal aufgeschrien, wurde nur ganz blass.
Erst als das Blut hervorschoss, fingen wir alle an zu schreien.
Alles stürzte durcheinander und war völlig kopflos.

Meine ältere Schwester legte die halbe Hand an die verbliebene,
und wickelte Handtücher drum.
Dann setzte sie die Kleine in den Handwagen und jagte mit meiner Mutter
3 km in die Stadt zum Krankenhaus.
Ich lief hinterher, doch meine Mutter schickte mich nach Hause,
wo ich aber nicht hinwollte, weil ich auf einmal Angst vor dem Hauklotz hatte.
Ich setzte mich bei den Nachbarn unter das Fenster und weinte bitterlich,
bis sie mich entdeckten. Sie waren entsetzt, als ich von dem Unglück erzählte
und trösteten mich, so gut sie konnten.

Meine Schwester hat 3 Finger und die halbe Hand verloren .
Als sie in die Schule kam, lernte sie, mit den verbliebenen Fingern,
Daumen und Zeigefinger, zu schreiben.

Ich habe im Laufe der vielen Jahre oft von diesem Unglück geträumt,
und als ich dort stand, wo das Schreckliche passiert ist,
sah ich es wie in einem Film wieder vor mir.

        

                                            Alina 6 Jahre alt

 

                                 

Der Kater meiner Schwester

Ich habe am 17. August 2008 die Todesstunde meiner Schwester erlebt durch ihren Kater.
Meine Schwester hatte 2 Katzen 14 Jahre alt.
Am 23. Juli kam sie in´ s Hospiz und eine Katze durfte mit.
Die andere wollten wir einschläfern lassen, weil sie
durch den Tod meines Schwagers (2 Jahre zuvor) psychisch gestört und krank war,
aber keiner brachte es fertig.
So nahm ich den Kater zu mir, obwohl ich selbst 2 Katzen habe.
Meine Schwester sprach nicht mehr, verstand aber alles, was wir ihr erzählten. 
Ich sagte ihr, dass der Kater bei mir ist.
Da drückte sie meine Hand und sagte, "Das ist aber schön, jetzt bin ich beruhigt".
Am 16. August abends fing der Kater an zu husten, und ich sprang sofort zu ihm,
um ihn zu beruhigen, was mir auch gelang.
Dabei hatte ich das Gefühl, dass es nicht ihm schlecht ging, sondern meiner Schwester.
Am 17. August um !8,30 Uhr bekam er wieder einen Hustenanfall,
und ich glaubte, er wird ersticken.
Ich kniete vor ihm und weinte bitterlich, hielt ihn ganz zart in meinen Händen,
bis er ganz langsam zu sich kam.
Dann rief ich weinend meine Nichte an und teilte ihr mit, dass der Kater um sein Leben kämpft.
Sie wusste in dem Moment, genau wie ich, dass etwas mit meiner Schwster, ihrer Mutter
nicht in Ordnung war. Um 20.00 Uhr bekamen wir vom Hospiz bescheid,
dass meine Schwester für immer eingeschlafen ist.

 

                                  


                                     

 Familientradition 

In unserer Familie war zu Weihnachten das Oblatenbrechen üblich,
und das ging so.
Heiligabend zum Abendbrot wurde eine große weiße Oblate
auf einer weißen Serviette herumgereicht.
Jeder brach sich ein kleines Stückchen ab und legte sich das in den Mund.
(so wie Abendmahl oder Hostie)
Dann wünschte man sich gegenseitig ein gesegnetes Fest,
und anschließend wurde gegessen.
Ich war noch ein Kind, erlebte es Jahr um Jahr
und fand es immer irgendwie fast heilig und schön.

Wir 4 Schwestern hatten dannn unsere eigenen Familien
und setzten diese Tradition bei uns fort.
1974 holten wir unsere Mutter zu uns, weil sie krank und allein war.
Da wurde es etwas ausgeweitet.
Sie tat es Heiligabend mit der Familie der einen Schwester, bei der sie wohnte.
Am 1.Weihnachtstag trafen wir uns alle dort, und wir brachen in großer Runde
die Oblate mit den schönsten Wünschen füreinander,
was uns immer die Tränen in die Augen trieb.

1988 saß ich Heiligabend mit meinem Sohn traurig da,
und wir dachten an meine Mutter, da sie im August verstorben war
und nun keiner mehr zum Oblatenbrechen rief.
Da klingelte es bei uns, meine Schwester und mein Schwager
standen mit einer Oblate da und brachen sie mit uns auf der Straße.
Dann fuhren sie zu den anderen beiden Schwestern.
Das machten sie ab diesem Zeitpunkt jedes Jahr.

Im Dezember 2006 verstarb mein Schwager
und meine Schwester war nun ganz allein am Heiligabend.
Ich bestellte ein Taxi und fuhr mit meiner Familie zu ihr, um sie zu trösten.
Da brachen wir gemeinsam die Oblate, was ihr größter Trost war.
Das hat meine 8- jährige Enkelin so beeindruckt,
dass sie es nicht mehr vergaß,
und mich mehrmals erinnerte, es 2007 zu wiederholen.
Das taten wir auch, und es war wieder eine große Runde,
denn ihre Kinder und Enkelkinder waren da.
Es war sehr festlich und schön, wir waren alle sehr gerührt.

Nun haben wir 2008 und wieder steht Weihnachten vor der Tür,
aber meine geliebte Schwester ist nicht mehr hier,
sie hat uns für immer verlassen.
Heiligabend werde ich mit meinen Kindern zu meiner letzten Schwester fahren,
und wir werden die Oblate brechen, in einem klein gewordenen Kreis.

Meine Kinder wollen diese Tradition in ihrer kleinen Familie fortsetzen,
auch wenn ich mal nicht mehr da bin.

                                                    

 

Schwestern

 
Vor 2 Jahren pflanzte ich im Vorgarten 3 Studentenblumen,
die uns drei Schwestern symbolisierten.
Wir beobachteten freudig das Wachstum, dass ich in Bildern festhielt
und meinen Schwestern immer zeigte.
Die linke Blume war die älteste Schwester, in der Mitte war ich,
und die rechte Blume war die jüngste Schwester.
Was hatten wir beiden älteren Angst um die Jüngste, denn sie war sehr krank.
Das Jahr haben wir alle drei gut überstanden, aber dann kam das Jahr 2008.
Da wurde die älteste Schwester schwerkrank, dass ich nicht dazu kam,
neue Blumen zu pflanzen.
Im August ist sie für immer von uns gegangen. 
2009 pflanzte ich wieder Blumen, aber dieses Mal nur zwei.
Beide Pflanzen waren gleich groß, aber meine überragt jetzt ihre,
so wie es im wirklichen Leben ist, denn sie ist inzwischen
einen ganzen Kopf kleiner als ich, weil ihre Knochen bröseln.
Die Blumen wachsen auch nicht so richtig, und man weiß nicht,
ob sie noch zur Blüte kommen, obwohl Blütenansätze da sind.
So, wie wir die Blumen lieben, lieben wir Schwestern uns.

         3 Schwestern 2007                                    2 Schwestern 2009

 

                                                  

 

 

 


                                                             



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