Home
Veranstaltungen 2012
CELLFOOD Zellernährung
Vitamine für die Seele
Aufruf der Hopi-Indianer
Finsternis und Licht
Dalai Lama - Gespräch
Über mich
Gedanken
Frieden
Buchtipp des Monats
Empfehlenswerte Filme
Engel Bücher
Musik
Lebenshilfe Bücher
Spirituelle Romane
Schutzengel
Links
Kontakt
Impressum
rePage

Die Finsternis und das Licht

Daniela Böhm

 

Das Licht war nachdenklich und sprach zur Finsternis:

"Wo ich auch hinkomme, du warst schon vor mir dort. Wieso eilst du mir immer voraus?"

Die Finsternis antwortete nicht.

"Ich tue was ich kann, ich fliege so schnell wie nichts im Universum es zu tun vermag und dennoch… du scheinst schneller zu sein als ich es bin. Wie kommt das?"

Die Finsternis aber schwieg und hüllte sich tiefer in ihren dunklen Mantel.

Das Licht sprach weiter, denn es wollte Antworten finden auf seine Fragen.

"Hinter den Sternen werde ich geboren, in einer anderen Sphäre und durch die Sterne erstrahle ich im grenzenlosen Raum. Ich werde geliebt, von großen und kleinen Planeten und den Wesen, die auf ihnen leben. Durch mich entsteht Leben und ich spende Wärme. Die Schönheit des Universums wäre ohne mich nicht sichtbar und ich gebe Freude durch den Glanz meiner Strahlen. Ich werde gepriesen und willkommen geheißen, auch in den entlegensten Winkeln der unaussprechlichen Weiten. Wieso bist du überall wo auch ich es bin und gibt es einen Ort, an dem du nicht bist?"

Fast unmerklich regte sich die Finsternis und noch mehr Dunkelheit umgab sie, aber das Licht bemerkte es nicht und erzählte weiter von seinem Wirken.

"Engel preisen mich, Religionen sind mir zur Ehren gemacht worden und meine Strahlen überziehen all jenes mit Glanz, was vorher unter einem Schleier verborgen schien. Etwas Stärkeres als mich gibt es kaum und dennoch …"

Die Finsternis begann zu zittern und eine tiefe Traurigkeit erfüllte ihr düsteres Sein, doch das Licht fuhr fort:

"Ich bin mächtig und ich bin schön. Alles lasse ich durch mein helles Leuchten erstrahlen. Stark bin ich und schnell. All das bist du nicht und trotzdem bist auch du allgegenwärtig. Ich verstehe es einfach nicht", seufzte es und blickte die Finsternis fragend an.

Da ging auf einmal ein Beben durch die Finsternis und Zorn erfüllte sie. Die Finsternis wurde tiefschwarz wie die vollkommene Dunkelheit in den entlegensten Winkeln des Universums, dort, wo es keine Sterne gab und die kein sterbliches Lebewesen jemals erblickt hatte. So groß war ihr Zorn, dass sie Welten zum Fallen bringen wollte und sich wünschte, alles Bestehende würde in einem großen, schwarzen Loch verschwinden.

Das Licht erschrak.

Als das Beben in der Finsternis schließlich nachließ, durchzog eine unendliche Trauer jede Faser ihres dunklen Wesens und verwandelte sich in ein Meer von nie geweinten Tränen.

Und unter Tränen sprach die Finsternis:

"Ja, du bist schön, stark und strahlend. Alles liebt dich und sehnt sich nach dir. Du bist all das, was ich nicht bin. Ach, könntest du mich nur einen Moment lieben, wahrhaft lieben und erkennen, dass wir beide eins sind in den unermesslichen Weiten dieses Universums. Ja, es gibt eine Macht, die stärker ist als du es bist: die Liebe. Du glaubst du seist von mir getrennt. Aber mein Zorn und mein Hass, meine Wut und meine Trauer, meine Angst und mein Schmerz sind nur durch diese Trennung entstanden. Liebe mich, so, wie du dich selbst liebst. Auch ich sehne mich nach dir. In den dunkelsten und kältesten Nächten meiner Verzweiflung verzehre ich mich nach den Strahlen deines glanzvollen Seins. Aber noch mehr als deine Wärme, brauche ich deine Liebe. Du kommst von dem Einen, wahrlich, geboren wirst du in einer anderen Welt hinter den Sternen, doch auch meine Geburtsstätte ist dort. Aber von uns beiden bin ich der Geringere. Denn siehe, ich diene dir. Wie könntest du so leuchten, wenn nicht ich die dunkle Bühne für deinen Glanz wäre? Liebe mich", sagte die Finsternis noch einmal und hüllte sich dann wieder in ihren schwarzen Mantel um ihre Tränen zu trocknen.

Das Licht war verstummt und blickte die Finsternis traurig an. Endlose Stille breitete sich aus und Ewigkeiten vergingen. Planeten hörten für einen kurzen Moment auf, sich um Sonnen zu drehen und lauschten den Worten der Finsternis, die in den unerschöpflichen Weiten des Universums nachhallten.

Da wurde das Licht sehr traurig und Tränen der Erkenntnis und des Mitgefühls erschütterten es. Noch nie zuvor war es unglücklich gewesen, Leid war ihm fremd gewesen und nur den sterblichen Dingen vorbehalten. Das Licht hatte einzig und allein Freude, Glanz und sein strahlendes, unbeschwertes Sein gekannt. Diese tiefe Trauer verwandelte das Licht und es wurde heller, immer noch heller, so hell, wie es nie zuvor gewesen war. Und in einem Augenblick der Ewigkeit umhüllte es die Finsternis in einer unermesslichen Liebe, die stärker war als es selbst.

 

Das Universum stand still

                                                          

  

Copyright ©2011 Daniela Böhm

Kopieren und Vervielfältigen nicht gestattet

Von der gleichen Autorin erschienen:

Der träumende Planet

Die Erde und der Mond erzählen

über den Zustand unseres Planeten

und der Menschen, die auf ihm leben

Zwei Marder im Himmel

Tiergeschichten

für die Seele