Die Händel um Alltäglichkeiten
Systematische
Aufzeichnungen über seine Verhandlungen und Beschlüsse ließ der Rat
von Dresden im Mittelalter nicht machen. Vielmehr verließ man sich
untereinander auf ein gutes Gedächtnis, wobei nach Ablösung bzw.
Wiederwahl des Rates die jeweiligen Beschlüsse mündlich
weitergegeben wurden. Erst die vermehrten Geschäfte machten es unumgänglich,
mit Beschluss vom 23. März 1487 künftig wenigstens die Ergebnisse
aus den Sitzungen der Räte niederschreiben zu lassen. Schon im nächsten
Jahr waren der guten Vorsätze jedoch schon wieder Einhalt geboten.
Nachfolgenden Auszug, speziell zur Sittengeschichte Dresden, verdanken
wir dem von 1526 bis 1544 in Dresden amtierenden Oberstadtschreiber
Dr. Martin Heusler (+ 14.05.1555), seit 1539 zugleich Ratsherr und
1554 regierender Bürgermeister:
1527
Freitag post Alexij
(19.VII.):
Kunig der jarkoch in gehorsam (Gefängnis) genohmen, darumb das
er des raths bevelh uberschriten.
Vigilia Laurentii
(09.VIII.):
ist her Gregor pfarrer zu Leuben mit dem pauer Gotze gnant, der noch
(nach) ime mit eynem kenchen (Kännchen) geworfen, vorgetragen, sollen
beider seits fridlich gegen einander halten und nicht bruchig werden.
Ist dem burgermeister angelobet, sal der pauer den gerichten zu abtrag
1 ß (Schock Groschen) geben.
Vigilia assumptionis
(14. VIII.):
ist des kuchenmeisters hausknecht gefengklich angenohmen,
darumb das er Thomas von der Heyden mit blosem wehr uberlauffen, mit
zusage, das derselbige Hausknecht uff Thomas von der Heyden ansuchen
uff gleich und recht solle behalden werden.
Vigilia assumptionis
(14. VIII.):
Sauppe sal dem richter 16 gr. geben, darumb das er in Fabian Fladen
hauße mit Worten gefrevelt und sunderlich got gelestert. Davor
ist Paul Kolig burge.
Mitwoch nach
Bartholomei (28. VIII.): sind Nickel Nahel und der schwartzferber im
Loche [Stadtteil Dresdens] zu bornmeister vorordent.
Freitag post
Augustini (30. VIII.):
Dy hausgenossen sollen dy katzbach helffen reumen nach alder
gewonheit. Welcher es nicht vormag, soll nach seinem vormogen uffs
baumeister erkentnus gelt geben.
Dinstag post Egidii
(03. IX.):
... das all dyjhenigen, so ecker an wegen und greben haben, sollen dy
grebin helffen reynigen und auffs nau auswerffen, damit dy wege
gebessert.
Freitag post Galli
(18. X.):
ist gerathschlaget von wegen Caspars des gerichtsdyners seines
frevels halben, der er in richters hauße begonnst (begangen), unnd
beschlossen, man wolle sich des rechten bey den von Leiptzk belernen.
Mitwoch Post Simonis
et Judä (30. X.):
beschlossen, das Hansen Heringen sein burgerrecht, inmassen
Mats Poppen und andern gescheen, wegen seins ungehorsams werde
uffgesagt, sein wohnung anderswo zu vorsehen.
Sabatho post omnium
sanctorum (09. XI.): Hans Heringen sein burgerrecht uffgesagt ut supra,
darumb das er nicht in gehorsam gegangen uff bevelh des raths,
so er doch den knechten bey treuen und eren und verlihrung des
handwergs angelobet, irem bevelich sich zu halden.
Mitwoch nach Martini
(13. XI.):
ist von des raths wegen her Wentzel Kuhmollern altaristen gesagt, weil
bey ime vorgangen tag am abend in seiner feurmaur feur auskomen
und nicht gemeldet, derwegen er dem rathe ein silber schock zu geben
pflichtig und bußfellig wurden. Wil eyn rat sulch schock doch uff
ferner bedencken uff sein entschuldigung und bitt itzmahls bey sich
halden, mit anzeigung, das er ferner pleyssiger in seim hause
auffsehen und sich boser oder vordechtiger personen enthalden wolle,
domit von seinetwegen keine vorwarlosung oder schaden entstehen und
seiner person unvordechtig und unbeschuldenbleiben mogen.
Vigilia Barbarä (03.
XII.):
Nickel Reichel von Aldendresden und die lange Lorentzen sind mit zu
kurtzen elen (Ellen) begriffen. Ist in dismahl nachgelassen, doch mit
anzegung, man sye wider betroffen, sie mit straff des rechten
vorzunehmen.
Vigilia Nicolai
(05.XII.):
Hans Hering ist wieder ausm gehorsam gelassen, dorin er
genommen, das er dem richter und rathe zum offtern, wan man noch im
geschickt der schulde halben, ungehorsam aussenbliben, mit anzegung,
nachdem im zuvor sein burgerrecht auffgesagt und er sich doch nicht
dornach gehalten, das er zwuschen hir und fastnacht vorkeuffen sal.
1528
Freitag post Felicis
(17. I.):
Jacoff Weyßen von des raths wegen und U. g. H. sein Straffe zu geben
angesagt.
Freitag post Felicis
(17. I.):
Der messerschmied, so dy Merten Messerschmieden geelichet in der
kleinen Brudergassen neben Schonhausen wonhafftig, ist wider
gefengklich eyngenohmen des ehbruchs halben, so er mit eyner
dirnen begunst (begangen), weil er nicht hat am gelde zu bezalen, das
er am leibe pusse (büße), was ihm seins armuts halben und das man
besorgt, er mocht dem weibe und kleinen kindernd entlauffen, zu 2 ß
gelassen.
Sonabent am tage
conversionis Pauli (25. I.): beide rethe vorsammelt. Erstlich auff
bevelh U. g. H. beschlossen, dy wache uffn abent und sunderlich auff
heyligen tagen, weil der muttwill mit geschrey und singen uber dy zeit
fast uberhandt nimpt, mit desta stercker zu bestellen, dy fruhe ortten
(Frühkneipen) vor der messe durch den richter und gerichtsknechte
abzustellen und zu wehren.
Mitwoch post Pauli
conversionis (29. I.):
Krommesehen ist das alde des uffdeckers (Abdeckers) haus bey
der saltzscheune an der Elbe in ansehung seiner pleysigen dinst, dem
rathe gepfleget und kunfftig zu thun erbottig, zugesagtet, also das er
eyn halb jar 30 gr. davon geben sal.
Mitwoch post Pauli
conversionis (29. I.):
Laux Schiffhauer und Bartel Kromer sint durch eyn rath vortragen des
frevels halben, so bemelter Schiffhauer Bartel Kromern zugefuget
dergestalt. Dyweilsie beide ire sache mechtlich uff ein rath nach
langer underhandelung und anforderung gestellt, sal Laux Schiffhauer
Barthel Kromern vor sein ausgegeben gelt und scheden 2 alde ß , in 14
tagen beym richterniderzulegen, geben, sich mit den gerichten und
balbirern vortragen und hinforder in freuntschafft zu geleben,
fridlich mit worten und wercken zu halden, samt iren vorwanten,
desgleichen Kromer mit seinen sonen gegen Schiffhauern, bey peen
(Strafe) 10 fl., welche teyl bruchig mit glaubwirdigen mennern
uberweiset ader einicherlei ursach dem andern teil geben wurde, dem
rathe zu geben. Schiffhauer hats dem alden Kromer und beiden seinen
sonen abgebethen und sich voreyniget.
Freitag post Dorotheä
(07. II.):
[Bartel] Baritzsch (auch Paritzsch) sagt, habs von feiner konst, so er
in Doringen uberkomen, das er dy gicht und kranckeyten, dy kein artzt
heylen kan, vortreibet und schetze suchet...
Freitag am tage
Valentini (14. II.):
dy becker allesampt vorgefordert und nachdem sy zum offtern strefflich
befunden in dem das sy das broth rocken und weysens (roggens und
weizenes) viel zu klein backen und offtmals begriffen, ists ine
itzmals nachgelassen und angezeigt, das uffn montag das broth sal
besichtigt werden, und welchs zu klein befunden, sal alsbald
zuschnitten (zerschnitten) werden und daruber gestrafft werden.
Freitag nach
reminiscere (13. III.):
Steffan Fehrman in gehorsam genohmen, darumb das er gesagt, ein rathe
schreibe, was er wolle.
Freitag nach judica
(3. IV.):
... Frantz Schmeissers busse halben gehandelt. Beschlossen, das er 5
ß geben soll darumb das er des burgermeisters geboth nicht gehalten
und geringe gerste under gutte gemenget. Ist im hernoch zu 10 fl. uff
sein pleyssiges bitten gelassen.
Freitag nach jubilate
(08. V.):
Kilian Thomas von Leuben under Herman von Tauschwitz gesessen darumb
das er den pfarrer von Plauen vorm Sehethor mit bloßem gewere
angefertigt mit dreuworten (Drohworten), er wolle im den kop von
eynander hauhen, ist er gefengklich durch den amtmann eyngenohmen und
den gerichten uberanthwort, drey tage gesessen und wider ausgelassen,
das er dem rathe 1/2 ß zu busse geben und eynen vorstand machen soll,
sich ferner fridlich zu haldenund mit worten und wercken nicht zu
vorgreiffen. Ist zu sulcher busse gelassen in ansehung seins armuts
und kleinen kindern.
Caspar Lorentz und Hans Golner sint burgen darvor wie vormerckt und
das berurt gelt uff Bartholomei falle.
Sonnabents nach
cantate (16. V.):
ist Melcher Gerbern von wegen des raths aus eintrechtigem beschluß
bevohlen, im gehorsam uffm rathhause zu bleiben, der
unfuglichen wort halben, so er im rath hiruber und dem burgermeister
licentiato (Naumann) in seiner behausung gegeben, nemlich das er
offentlich gesaget, man thu seinem sone unrecht, im rath geredt, man
handle alles unordentlich und one grundt.
Sonnabents nach
cantate (16. V.):
Caspar Fischer ist ausm gehorsam gelassen, das er hinforder nicht
anders kegen seinem weibe halden solle, dan es man und weibe geburt,
und solle sie straffen, wi einem fromen manne zustendig, ap si bruchig,
und hinforder der bierheuser sich eusser, wie bisher von ime befunden.
Wirt er sich anders bezeigen, wolle sich eyn rath wissen ken ime zu
halden.
Mitwoch post Jacobi
(29. VII.):
Steffan Tschuricht beclagt sich uber Christoff Jentzsch, das er sein
weib im byerhauße offentlich zun ehren geschuden, welchs Jentzsch
nicht gestendig. Tschuricht hat dy sache dem rathe enheim gegeben.
Hats Jentzsch dem parth abgebethen, nemlich das er nichts von im,
seinem weybe und freuntschafft wisse den alles guths, und ab er etwas
in trunckener weyse geredt, das sei ime leyt (leid). Ist doruff in gehorsam
genohmen und vorboten, zwischen hir und Michaelis in kein byerhauß zu
khomen. (Bemerkung am Rande:) Wasser und brot zu geben, ins underste gefencknus
zu setzen.
Freitag post vincula
Petri (07. VIII.):
dem jungen Jentzsch vorbothen, in byerheuser zu gehen, zu toppeln und
spielen mit anzegung, wo er dermassen mit leichfertigen worten
begriffen, oder das er sein vater unerlich handelt, wolle ine eyn rath
mit ernst straffen.
Mittwoch nach omnium
sanctorum (4. IX.): ist Jacoff Kupperschmied von des raths wegen
gesaget, das er seins stiefvatern Hans Hammers hauß meiden solle und
ine mit keinen unnutzen worten beschwere, es sei wo es wolle, durch
sich oder durch sein weib, sunder an gleich und recht begnugen lassen
bey der stadt meidung.
Mitwoch nach Andreä
(02. XII.):
hat ein erbar rath dy leuthe an der Elben und vorm thor, so zum spital
Martini gehoren und dem selben zinsbar, sovil dy erbgerichte belanget,
uff bevelh U. g. H. bürgermeister Hans Gleynigen als itzt vorordenten
spitelmeister angewist, sich nich im, sovil vor alders gewest, aller
gebur zu halten, dorin im eyn rath wil rettig (beirätig) und
hulfflich sein. Was dy obergericht anlanget, wissen sie wol,
wie es auch vor alders gehalten.
1529
Freitag post
Felicitis (15. I.):
... zum andern ist Karphan angezeiget, 10 ß vor dy bezichtung seins
weibes und uffruhr in seinem hauße sampt anderm unfuglichen leben
gebunst (begangen) zu geben. Daruf er eyn bedenckzeit gebeten. Ist im
nochgelassen.
Freitag post Fabiani
et Sebastiani (22. I.): ist Jacoff Kaphan in sitzendem rathe erschynen
und geanthwurt. Dieweil bose sachen über ine ergehen sollen, als das
eyn geschry in seinem hauße begunst, derwegen er in gehorsam genohmen,
auch das eyn unzuchtig weib des morgens sey heraußgegangen, ist er
des geschreies gestendig und vorhoffe, das er derhalben neben seiner
forigen entschuldung genug gestrafft. Des andern stucks wollen inen
die edelleuthe vortretten und vorantwortten.
Zum andern seines weibes halben thue er dise anthwurt. Hab sie jemand
mit boser that anzusprechen, der sol sie rechtlich furnehmen und mit
recht darzu thuen als vil sie auch thun will...
Sonnabent post
invocavit (20. II.):
beschlossen, Frantz Schmeissern anzusagen, das er bey grosser peen
(Pein) nicht uber 2 factoreien haben sal, domit auffsatz im
fischhandel zu vormeiden.
Item drey thonnen hering von Schmeissern erkaufft befunden untuchtig,
falsch und boße, sollen vorbrant werden uffm margkte. Sonnabent
post invocavit (20. II.):
... Schwarzkoppen dem ferber angesaget, sein hoff forder zu setzen
zwuschen hir und ostern. Man wolle inen alhier nicht dulden
fleischfressens halben und das er seyn weib schir erwurget, derwegen
er in gehorsam genohmen. Hat des gefencknus halben eyn urfrid
gethan.
Mittwoch nach oculi
(03. III.):
hat des beschedigten schneidergesellen vater gebeten, dy beschediger
nach eyn zeit lang inne zu halten, bis man befinden mochte, ob sy dy
vorwandten bessern (entschädigen), weil es nach ungewis und ferlich
ist.
Freitag nach judica
(19. III.):
hat [schwarzkoppen] eyn radt genade bezeget uff sein pleyssig bith,
dan er umb gotis willen gebeten mit erbittung, keyn (gegen) eynem
erbarn rath zu sterben und zu geneßen. Wirt er aber wider kohmen, sal
im eyns mit dem andern gedacht werden und one genade aus der stadt
zihen. Und damit syn (fehlt wohl: versprechen) bestendiger zu
befinden, sal er zwuschen hir und michaelis in keine schenkstadt
gehen.
Mittwoch post
corporis Christi (02. VI.):
Der herr pfarrer (Dr. Petrus Eyssenberg) sampt seinen leuthen beclaget
sich uber Hans Barbirern, das er jungst vorschinen montag nach
jubilate (19. IV.) uffn abent umb sechs in seinem hauße in viler
leuthe gegenwertigkeit offentlich gesaget zu etlichen von Poppitz: yhr
seit eittel schelcke draussen zu Poppitz und vorretterische boßewicht
mit euerm herrn, yhr saufft byr, solt billicher hellisch feuer sauffen,
yhr vorrether und bosewichte, das euch dy pestilentz mit pfaffen mit
allh (!) und dergleichen unfuglichen worten.
Doruff meister Hans geanthwort, er wisse gar nichts darumb, hab dy
wort nicht geredt, sei des vorstandes got lob, das er solichs nicht
thuen sal, und weis nichts von dem herrn doctor und den leuthen denn
alles libes und guths, habe nihe keinen willen nach gedancken gefasset,
vielweniger einiches wort geredt. (Nachschrift:) Dise injurien hat der
herr doctor dem rathe zu gefallen nachgelassen und Hans Barbirer ist
inn gehorsam genommen.
Mithwoch post
Bonifacii (09. VI.):
Der pfarrer von Kotzschenbrode beclaget sich über Hans Schonhirschen
von Zuschkewitz (Zitzschewig), das er inen und seine freundtschaft
auch seinen eldern seligen ubel gelestert und geschulden welchs keines
weges zu dulden. Doruff anthwurt Schonhirsch, er hab in auch zuvor
geschulden und inen doruff allein eyn junckern geheissen. Anthwurt der
pfarrer, er rede sein gewalt, dan er hab inen und die seinen zun ehren
in dr hochzeit, do er nicht gegenwertig gewest, also geschulden,
welchs er erst hernach erfarn und inen mit glimpfflichen worten
derhalb angeredt, als hat er in zum andern geschulden seher ubel. Ist
inn gehorsam genohmen. (Nachschrift:) Freitag post Viti (18.
VI.) hat Hans Schonhirsche dem herrn pfarrer die zugefugten injurien
abgebethen und gesaget, er wisse nichts anders von im und aller seiner
fruntschafft dan libes und guths und alle redlikeit. Doruf hat er
angelobet bei 10 ß, sich fridlich zu halden und nichts zu effern
(eifern).
Freitag post
Bonifacii (11. VI.):
Valten Schonhirsch und Ulrich Satler haben Hansen Schonhirsch
ausgeborget, mit handgelubd selbschuldig zu hafften, das er sich
zwuschen hir und Michaelis mit dem rathe umb 10 ß vortrage von wegen
seins ungehorsams und mutwilligen gezenck. (Nachschrift:) Der rath hat
dy straffe zu sich genohmen; wan der wein geraten oder man dingen*
wirdet, wil sich der rath wissen zu halden
[* Der Rat pflegte in den ihm zinspflichtigen Dörfern Kötzschenbroda
und Zitzschewig im Herbst zur Weinlese Gerichtstag zu halten]
Mithwoch nach
assumptionis (18. VIII.):
ist Matz Poppen aber in gehorsam genohmen, das er eyn
viermeister geschlagen und etliche des raths mit bosen worten
beschwert und wider ausgelassen, also das er 3 1/2 ß zwuschen hir und
navitatis Mariae niderlegen sal. Notandum, wirdt er widerkommen selbst
und gnade bitten, fall im gnade widerfaren. (Nachschrift:) Ist im zu 1
ß gelassen.
Dinstag vigilia
navitatis Mariae (07. IX.):
Nachdem Gorg Goltschmidt Wolf Schneidern, so das Elbenthor schleust,
doselbst im thor, als her hat wollen schlissen, nebst vorschinen
sontag nach Bartholomei mit der faust ubel geschlagen und meister
Ulrich Schützmeister, weil es vor seinem hause gescheen, auch helffen
reuffen, deswegen sie beide Gorg Gotschmidt und der schutzmeister in gehorsam
genohmen uff bevelh M. g. H., als hat sie der rath uff heutt loßgestellt,
also das iglicher 1/2 schock zu buß gebensoll. (Randbemerkung:)
Notandum, M. g. H. hat selbst dy leutheuff der brucken von der
holtzbrucken an zum rathe geweist.
Mithwoch post Lucä
(20. X.):
... beschlossen zu vorbitten, das sich keyn gesell am tantze vordreien
(verdrehen) noch anders eyn jungfer uffzihen dann wi zu Leiptzk
gehalten wirt, als das nicht dy jungfern hin und widder sollen gezogen
und gefurt werden.
1530
Freitag nach
ascensionis (27. V.):
ist Melcher Gerber in gehorsam genohmen, darumb das er Wolff
Reichen diezeit richter ubel gescholden und geschmehet hat offentlich
uffm margkte vor allem volcke. Item er hat inen auch geschulten und
geschmehet, das er ime sein maltz geschatzt, darzu inen der rath
vorordnet und schwerlich vermocht. Uff dis malh hat der geduld mit ime
getragen, aber der andern injurien mit der zeit wil der rath wol masse
und gepurliche straffe finden.
Freitag nach Petri
und Pauli (1. VII.):
Blasius Schuster der meltzer hat sein hoffstadt im Loche dem
rathe vor 28 ß erblich vorkaufft. Umb d tagezeit will sich der radt
freundtlich kegen im bezegen.
Freitag nach Jacobi
(29. VII.):
sein handtwerge und gemeyn gefordert und inen von wegen U. g. H.
angezeigt das keyn eynwohner jemands frembdes und sunderlich von den
ortern, do das sterben ist, one wossen und willen des raths, bürgermeisters
oder richters sal eynnehmen noch herbrigen. Wurd uber das aus irem
vorlassen (Nachlässigkeit) das sterben bey jemand eynkommen, sol
derselbige dy stadt ein halb jhar meiden und dorzu an leib und gut
gestrafft werden.
Item bey wem feuer auskommen und derselbesulchs vorschweigen und nicht
ausschreien, der sal auch an leib und gut gestrafft werden.
Freitag nach
Laurentii (12. VIII.):
sein dy pauern, so in Baltzer Dodeners heuß gefrevelt, etliche burger
geschlagen, vorwundt dermaß loßgegeben, das sie 4 ß sollen
niderlegen allenthalben und den barbirer zufride stellen.
Freitag nach
Bartholomei (26. VIII.):
hat Merten Claus der tuchmacher mit handtgelubde zugesaget, das er
nicht mehr spilen wil, es sey alhir oder anders wuh, und wan er
uberfunden, das er eynich mal uber 3 gr. spilen wirt, sal er in gehorsam
genohmen unnd zum tieffsten in thorm geworffen werden, welchs dy
tuchmacher bey gleicher straffe, wo si es erfarn, ansagen sollen.
Mithwoch nach
Leohnardi (09. XII.):
Michel Holtzeln vorboten, in kein byr noch weinhaus zu gehen in eynem
jhar, auch kein spil zu treiben bey hochster buß. Hat er solso mit
handgelubde zugesagt zu halten.
1531
Dornstag nach oculi
(16. III.)
beschlossen durch beyde rethe, das man dy gotslesterer straffen solle
offentlich inhalt der gestalten nottel.
Freitag nach vincula
Petri (04. VIII.):
Jacoff Hundorff hat sein sache, das inen Gorg Waygener eyn schalck und
boßewicht geschulden, dem rathemechtig anheim gestalt, desgleichen
Gorg Wagenerhat sich darzu bekant und sage es nach (noch), er hab ime
drey rade gestolen und inen keller vorstackt, welchs Hundorff verlegen
(verleugne), das er ime die rade zugesaget, wi er auch vorm richter
Wolff Reichen bekant, das er sie ime vor seine mühe gegeben, doruff
er sie, damit sie nicht am wetter vortorben, in keller beschickt.
Discussum quod fecit animo injuriandi et illegitimo modo, ergo
punibilis, sal inn thorm gesatzt und eyn tag oder 2 gehalten werden.
Uff erkenntnus des raths hats der wayner Hundorffen abgebethen und
gesaget, das er inen zun ehren geschulden und geschmehet, das habe er
gethan aus bewegtem zornigem gemutte und wisse nichts von ime dan alle
redlichkeit und alles und bitte umb gottes willen ime sulchs umb zu
vorgeben. Doruff ist der wagener in gehorsam genohmen und den
viermeistern Hundorffsunschuldt angezeigt. (Am Rande): Nickel Nael und
Jacoff Hornig haben inen außgeborget sonnabent dornach.
Sonnabend darnach
(05. VIII.):
... Es sal nymandt bei leip und gut keinen herbergen, die aus dem
sterben kommen, nach auffnehmen ahne wissen und willen des rathes,
auch kein obist bei den Behemen keuffen.
... Es sal aller aberaum aus der stadt an die Elben bei Ficklern an
die Mauer gefurt werden und sonst keinen ort, uf bevelh U. g. H..
... Es sal nymandt die schwein uffm marckte und gassen umblauffen
lassen. So offt der botte (Ratsbote) die uberkommet, sal er sie
pfenden, desgleichen die entten. Item keine gense sollen in und uff
den stadtgraben befunden werden, bei pfendung wie oben.
... Der mist sal von den strassen vorn thoern in 14 tagen geschickt
werden. Welcher uber di zeit befunden wird, sal des gehorsams
nicht entledigt werden, er schicke in dan hinweg und gebe 1 ß zur
straffe.
.. Letzlich der geschoß erinnerung gethan, das die von Walpurgis bis
uf pfingsten, von Michaelis bis uf Martini eingebracht werden, beim
gehorsam und straff.
Freitag nach Lucä
(20. X.):
Hans Hesperg ist eyn vormunde gegen der Jostin Weißbrot. [im Anhang:
Jobst Weißbrot war 1530 in Pulsnitz hingerichtet worden, vgl.
Dresdner Geschichtsblätter I, 84]
Sonnabend nach
Briccii (18. XI.):
ist Joachim Listen seine straffe vorandert, also das er in 4 wochen
sal 2 ß niderlegen, und hat zugesaget, in einem jhar kein messer zu
tragen und das er nach neun horin keinen tabern (schenke) sal befunden
werden, wil sich halten als einem fromen gesellen gezimet.
Freitag nach
(Tagesangabe fehlt):
ist die banck so Matz Robus (?) gehapt, dem baccallaureen Merten
Peltzs sohne geligen, das er die belegen sol, so langeer es
vormag, und wan er di nicht meher zu vorlegen wust, das er di
unvorkaufft dem rathe wider aufflasse, welchs er also zugesaget.
Mithwoch Luciä (13.
XII.):
hat Georg Schirmeister mit handgelubd zugesaget bey schuldt, busse und
hochstem landtrecht, sich widder mit worten nach wercken kegen seim
schwager dem sindico zu vorgreiffen, sonder fridlich halten.
Freitag post Thomä
(22. XII.):
Die hutterin angesaget, das sie ire tochter Barteln irem manne nicht
sal furhalten, zeiget ursachen an, das er sie yhr habe anheim
geschickt und halte sie ubel, welcher ursachen nicht wol zu sagen, und
sonderlich das er sie zwine, gelt uffzuborgen und di leuthezu betrigen;
wo sie es nicht thun wil, das er sie mit nehsteln steuppe und schlahe,
welchs die Grensingenerfaren und sie von Freiberg herab mit ir bracht.
Bartel Jentzschen und seim weybe angesaget, das sie sich beide selbst
als alte vorstendige sollen weisen und widder zusammen zihen; wo
nicht, sol ir keinem vorstattet werden, hirinne in der stadt weichbild
ire nahrung zu haben, und dy frau sol vorkeuffenund weg zihen. Termin
angesetzt bis uff trium regum.
Freitag post Thomä
(22. XII.):
Jacoff Kaphan sal sich in 14 tagen mit eym rathe umb den todschlag in
seim hauß begunst und vorschwigen vortragen.
1532
Dornstag post
epiphaniä (11. I.):
hat M. g. H. vorordent und bevelh gegeben, wan man ein oder mehervom
hoffegesinde - ausgeschlossen die vom adel, welche sich aller
billickeit selbst halten und weisen werden - nach acht hor in eim
schenckhauße befinden wirt, sollen sie mit gefencknus eingezogen und
des morgens dem marschalh uberanthwurt werden, causa, das bei Jacoff
Kaphan und Hans Deissenbach in 14 tagen noch einander in itzigem hauße
vom hoffegesinde ein mordt gescheen.
Mithwoch post Felicis
(17. I.):
Kaphan sol in 14 tagen 2 ß niderlegen doruff es der cantzler und Hans
von Schonberg durch furbit betedigt (vereinbart), von wegen das er ein
uffruhr in seinem hauße lassen gescheen und sulchen den gerichten
vorschwigen, dorin ein mordt gescheen. (Nachschrift:) ist zu 1 ß
gelassen uff ir bit.
Freitag (überschrieben:
Sonnabend) post paschä (05. IV.):
haben die viermeister der fleischer, so si des gefencknus entledigt,
10 fl. zur straffe gegeben, darumb das sie am osterabend unrecht (überschrieben:
unwarheit) bericht, als solt das kalpfleisch zu Pirn, Meissenjhe ein
ú vor 4 # gegeben und geschatzt sein wurden.
Mithwoch nach
Laurentii (14. VIII.):
Hans Kalben sohn ist zu burgen henden ausgelassen, also das er
zugesaget, bis uff weinachten kein messer oder gewher zu tragen, und
das er diejenigen, so inen seiner bosheit halben zu gefencknus bracht
mit worten unbeschwert lasse. Wurde er aber wider kommen und sich
vorgeslich zeigen, so sal im eins mit dem andern gedacht werden. Sal
zwuschen hir und Michaelis 1 ß niderlegen.
Quelle: Dresdner
Geschichtsblätter 1911
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