Hand in Hand
Obwohl
nach Aktenlage die Grenzen zwischen Scharfrichter und Büttel im
Dresden des späten Mittelalters verschwimmen und beide immer wieder
gleichzeitig genannt werden, so sollte dennoch davon ausgegangen
werden, dass dieselben beruflich wie auch in Person getrennte Wege
gingen. Ihr enges Hand-in-Hand nicht nur in Bezug auf Gefangennahme,
Rechtsprechung und Aburteilung des armen Sünders sondern auch
die örtliche Nähe beider "im Loche" macht es um so
schwerer, die Grenzen scharf zu trennen, ob heute oder im Mittelalter,
wo ebenfalls schon von des
hengers stogk die Rede ist.

Klar
festgestellt werden kann dagegen, dass beider Häuser zu Beginn der
verfügbaren Aufzeichnungen Anfang des 15. Jh. in einem baulich
schlechten Zustand waren, denn nicht nur 1407 heißt es 1 czymerman
2 gr., daz er hat gedakt czu dem putel und czu dem henger sondern
auch zwei Jahre später wird ausgebessert an
daz botels hows und an daz hengers hows.
Um 1420 stellt zumindest der Rat in Rechnung:
1 ß 36 gr. vor eyn huz by deme henger, daz die burger dem henger
kouften. Eine
genauere Ortsangabe gibt erst eine Rechnung von 1455 preis, wo es heißt: 4
gr. 6 Pf. zcu dem borne in der Kottilgasse - Kuttelgasse:
zwischen kleiner Kirchgasse und Galeriestraße - zcu
fertigen an eymer von des bottils, hengirs und huren heuwsern. Die Büttelgasse
findet erstmals 1451 Eingang in die Geschichtsbücher. Später als
Stockgasse bzw. große Frohngasse bekannt geworden war sie zwischen
Kreuzgasse und Wilsdruffer Straße gelegen und nach 1945 nicht neu
aufgebaut.
Über
Generationen hinweg befand sich hier die Ratsfronfeste. Noch im ältesten
Adressbuch der Stadt von 1797 ist auf der Großen Frohngasse unter Nr.
470 das Haus des Stockmeisters Karl Gottlieb Stübler (bis 1828 58
Jahre in diesen Diensten) zu finden. Inwieweit des Raths
Gerichtsdiener in Haus Nr. 471, Christian Gotthelf Stübler, mit
diesem verwandt ist, lässt sich zum derzeitigen Zeitpunkt nicht
sagen.
Noch
mehrfach sind in Belegen der kommende Jahren Henker, Büttel und
Hurenhaus zusammen im Loche aufgeführt, so:
1458:
9 gr. von des botils huse, von des temmers huse, von deme frauwenhuße
von ytlichen 3 gr. den nagebawern zcu hulffe zcu eynem borne.
1461:
24 gr. zcu dem borne yn der gasse hinder Steffen von der 3 huß des
boten, des themers unde der frawen huße.
1467: 4 gr. 1
Pf. 1 hllr. Her Losemalcz gaterczinß
(Wurfzins) von der hengerey, buteley, marstall, jodenhoffe und der
frauwen huße
1489:
9 gr. minus 3 nawe heller wurffzcins von der hengerey, boteley, den
fleischbencken und von der Judenstuben und von der nawen badestuben in
der stadt.
1491:
5 ß Mattes Kwmollern vom gange uff der statmauern 200 und 40 elen
langk zu machen und das gezcymer ist noch dem brande am meren teil
uffs Creutzthormgen, die buteley, yns frawenhaus und an andere ende
komen, des der gangk nicht hat mogen vollbracht werden.
Erst
ein handschriftlicher Vermerk zur Scharfrichterordnung von 1501
vermerkt für das Jahr 1530 eine Verlegung der Wohnung des Henkers vor
das Wilsdruffer Tor Nahe der Viehweide.
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