Testverlauf
Gehorsam des Hundes und Prüfung der Hund - Halter - Beziehung.
Die Übungen wurden in einem als Büro dienenden Baucontainer und dem eingezäunten Gelände des Hundevereins durchgeführt.
Die Hündin wurde von Fr. Heike Laffer vorgeführt. Fr. Laffer betrat mit der angeleinten Hündin einen Baucontainer. Hierbei passierte die Hündin eine in der Tür hängende Jacke und einen aufgespannten Regenschirm. Während die Formalitäten erledigt wurden, verhielt sich die Hündin mir (einer ihr fremden Person) gegenüber sehr ruhig. Ein Anfassen an Ohren und Kopf, sowie Streicheln am Körper war ohne Abwehrreaktionen wie Knurren oder Schnappen des Hundes möglich.
Die Hündin ließ sich ohne Probleme von Fr. Laffer an den Vorderläufen hochheben. Ganz hochheben war aufgrund der zierlichen Körperstatur von Fr. Laffer nicht möglich. Die Hündin konnte nicht in Seiten- und/oder Rückenlage gebracht werden. Der Fang konnte ohne Probleme geöffnet und eine Zahnkontrolle vorgenommen werden. Die ID-Kontrolle wurde mit einem Chip- Lesegerät simuliert. Die nächsten Übungen wurden auf dem eingezäunten Gelände des Hundevereins durchgeführt.
Fr. Laffer betrat mit der angeleinten Hündin den Platz. Die Hündin trug ein Halti. Bei der Begrüßung der Hundeführerin fixierte ich die Hündin. Diese nahm die Fixierung nicht an und verhielt sich desinteressiert. Die Hündin zeigte eine gute Leinenführigkeit. Ebenso wurden die Anweisungen „Sitz" und „Platz" sofort ausgeführt.
Fr. Laffer ging mit der angeleinten Hündin an der Platzbegrenzung entlang. Auf der anderen Seite des Zauns befanden sich andere, auch gleichgeschlechtliche Hunde. Die Hündin zeigte keinerlei Interesse an den Hunden und störte sich nicht um sie. Fr. Laffer leinte die Hündin ab. Die Hündin löste sich zögernd von der Besitzerin, taxierte die Umgebung, kam ohne Aufforderung zu Fr. Laffer zurück. Sofort wurde die Hündin gelobt. Anschließend spielte Fr. Laffer mit dem Hund. Hierbei warf sie ein Spielzeug weit weg. Die Hündin lief zum Gegenstand und kam schnell wieder zur Besitzerin zurück. Hier forderte sie die Hündin zum weiteren Spielen auf. Das Spielzeug konnte der Hündin ohne Probleme mit dem Kommando „aus" abgenommen werden.
Fr. Laffer ging mit der frei laufenden Hündin an der Platzbegrenzung entlang. Auf der anderen Seite des Zauns befanden sich andere, auch gleichgeschlechtliche Hunde. Die Hündin zeigte keinerlei Interesse an den Hunden und störte sich nicht um die anderen Hunde.
Während dieser gesamten Übungen zeigte sich die Hündin ruhig. Sie stand im Gehorsam und zeigte in allen Bereichen eine gute Unterordnungsbereitschaft.
Verhalten beim Kontakt mit anderen Hunden.
Dieser Prüfungsteil wurde mit allen 6 zu begutachtenden Hunden gleichzeitig auf dem Übungsgelände durchgeführt. Die Hunde waren angeleint und trugen ein Halti.
Die Hundeführer/Innen stellten sich in einer Reihe im Abstand von 5 Metern nebeneinander auf. Sie gingen gleichzeitig nebeneinander ca. 30 Meter in eine Richtung, drehten sich um, liefen einige Meter mit dem Hund und gingen dann im Abstand von 5 Metern hintereinander her. Nun lief das letzte Team Zickzack durch die vor ihm gehenden Teams. Hierbei wurde sie von einem teilnehmenden Shar Pei angeknurrt. Danach bildeten die Hundeführer/innen mit Ihren Hunden einen Kreis mit einem Durchmesser von ca. 7 Metern. Auf Anweisung tauschten die Teams die Plätze. Zuerst passierten sich die Hundeführer/Innen. Danach gingen die Hunde aneinander vorbei. Zum Schluss bildete sich wieder ein Kreis. Nachdem jeder Hundebesitzer/in drei Schritt nach vorn ging, betrug der Durchmesser nur noch ca. 3-4 Meter.
Alle o.a. Übungen absolvierte die Hündin ruhig und selbstsicher. Das Anknurren des Shar Pei ignorierte die Hündin vorzüglich. Sie stand zu jeder Zeit im Gehorsam der Hundeführerin.
Kontakt mit Personen in Bewegung Incl. räumlicher Kontakt zum Hund.
Alle folgenden Übungsteile wurden auf der LKW-Anlieferungsstelle der Fa. Metro mit dem entsprechenden Autoverkehr durchgeführt.Bei dem Kontakt mit sich bewegenden Personen passierte eine Personengruppe den Hund, drehte sich um und ging wieder am Hund vorbei. Ein Jogger passierte den Hund in beiden Richtungen. Im Begegnungsverkehr schrie ich den Hundeführer an und klatschte dabei in die Hände. Zudem streifte ich den Hund sehr stark mit meinem Knie.
Anschließend fixierte ich den Hund. Dann forderte ich den Hund zum Spielen auf. Dieser Aufforderung kam der Hund sofort nach. Eine Person mit einem Spazierstock überholte den Hund in einem engen Abstand, drehte sich um und passierte ihn nochmals.
Die Hündin zeigte in allen Bereichen ein ruhiges und sicheres Auftreten.
Konfrontation mit Umweltreizen und unerwarteten Begebenheiten
Eine Personengruppe passierte den Hund, drehte sich um und ging wieder am Hund vorbei. Das Aufspannen eines Schirms nahm der Hund gelassen hin. Ein Kanister gefüllt mit Steinen wurde kurz hinter der Hündin auf den Boden geworfen. Der verursachte Lärm löste bei dem Hund keinerlei Reaktion aus. Mit einem Ball spielende Kinder ignorierte die Hündin. Anschließend ging der Hund ohne Probleme über einen auf dem Boden liegenden Stock.
Die Hündin zeigte sich unbeeindruckt von Umweltreizen und zeigte sich in jeder-Situation neutral und unbefangen.
Verhalten im Straßenverkehr
Während dieser Übungen befand sich immer ein anderer Hund in ca. 5 - 7 Meter Abstand zur Hündin. Mehrere Fahrradfahrer passierten den Hund in beide Richtungen. Sofort folgten ebenfalls in beiden Richtungen ein Rollschuhfahrer, ein Kind mit InLinern,ein Kind mit einem Kick-Board, eine Frau mit Kinderwagen und ein Jogger. Eine Personengruppe passierte nochmals sehr eng den Hund in beide Richtungen und bildete anschließend einen immer enger werdenden Kreis um den sitzenden Hund. Der Kreis konnte nicht mehr enger gemacht werden. Alle Personen waren über dem Hund. Hier wurde die Hündin von der Hundeführerin gelobt. Anschließend folgte sie Fr. Laffer aus dem sehr engen Kreis. Das Team unternahm einen kleinen Spaziergang. Vorbei fahrende, hupende Autos wurden genauso ignoriert, wie ein zufällig anwesender LKW, der auf mein Bitten hin laut hupte. Als das Team einen Wagen passierte, knallte die Fahrerin sehr laut die Autotür zu. Danach begrüßte ich die Hundeführerin freundlich per Handschlag und forderte anschließend den Hund zum Spielen auf.
Die Hündin war trotz der hohen Umweltreize gelassen und sicher. Sie war nicht beeindruckt und zeigte sich unbefangen. Die Aufforderung zum Spielen nahm die Hündin nicht an.
Verhalten des angebundenen Hundes ohne Halterkontakt
Zum Schluß wurde der Hund an einen Pfahl angeleint und der Hundeführer entfernte sich außer Sichtweite des Hundes. Nun passierte ein Hund und eine Personengruppe den Hund. Eine Person mit Mantel ging in beiden Richtungen am Hund vorbei. Ein Jogger lief ebenso am Hund vorbei wie spielende Kinder. Ich fixierte den Hund und forderte ihn anschließend zum Spielen auf.
Die Fixierung nahm der Hund nicht an. Der Aufforderung zum Spielen kam die Hündin nicht nach. Sie zeigte sich sehr sicher und erkundete im Rahmen der Leinenlänge die Umgebung.
Die Hündin zeigte sich bei diesen realen Alltagssituationen unbeeindruckt.
Übungen zur Befreiung vom Leinenzwang
Ergänzend zu den Tests ohne Leine im Bereich Hund-Halter Beziehung wurden zusätzlich noch zwei Testteile durchgeführt
Diese Übungen wurden wieder auf dem eingezäunten Gelände des Hundevereins durchgeführt. Dem Hund wurde das Haiti und die Leine abgenommen. Der Hund löste sich nicht weit von der Hundeführerin. Auf Kommando kam sie sofort zur Hundeführerin zurück. Anschließend wurde auf dem Gelände Fußball gespielt.
Die Hündin stand unter Kommando und ging nicht ein einziges mal auf den Ball, obwohl dieser im Abstand von ca. 50 cm an ihr vorbei geschossen wurde. Die spielenden Personen wurden ignoriert.
Beurteilung des Verhaltens des Hundes
Die Hündin zeigte sich während des gesamten Testverlaufs unterordnungsbereit und führig. Symptome von Aggressivität waren nicht zu erkennen. Die Beziehung zwischen Hund und Hundeführerin ist eng und freundschaftlich. Der Hündin ist zur Zeit der Überprüfung ein ruhiges, ausgeglichenes und sicheres Wesen zu bescheinigen. Das Sozialverhalten des Hundes Artgenossen beiderlei Geschlechts und Menschen gegenüber ist als vorbildlich zu bezeichnen. Umweltreizen gegenüber zeigte sie sich neutral und unbeeindruckt. Sie stand jederzeit unter der Kontrolle der Hundeführerin.
Eine Beeinträchtigung durch ein (attestiertes) großes Gaumensegel war nicht fest zu stellen.
Aufgrund der bei der Begutachtung festgestellten Wesenseigenschaften der Hündin ist eine Befreiung vom Maulkorb und Leinenzwang zu befürworten.
Dieses Gutachten gibt nur eine relevante Aussage darüber, wie sich der Hund während des Zeitraums der Testphase vorgestellt hat.
Uwe Klaus Ziech
(VDH-Sachverständiger)
