
Mein Leben mit den Kreta Hunden........... August, 2005
Die Erfahrung die ich speziell in Kreta gemacht habe war für mich wie ein kleines Geschenk, mein Leben hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Tiere, ihr recht ein würdevolles Leben zu führen, habe ich mir so gut es mir möglich ist zur Aufgabe gemacht.(ich bin allein erziehende Mutter von zwei Kindern, das alles unter einen Hut zu bringen ist nicht leicht).Ich möchte versuchen sie in meine Welt mitzunehmen, das zu fühlen was ich fühle. Ihnen zu zeigen wie viele Menschen nicht nur aus Deutschland hier im ausländischen Tierschutz alles geben. Es gibt gerade auf diesem gebiet so viel zu berichten....Deutsche Rentner die dort Ruhe gesucht haben und viele Streuner gefunden haben. Aber dazu später, alles zu seiner Zeit.....
Nun zu den Griechen! Sie sind nicht alle Unmenschen, auch wenn es ihnen im laufe meines Berichtes so vorkommen wird. Das möchte ich vermeiden, vieles ist Unwissenheit, und das sie nie richtig aufgeklärt wurden, was heute noch eines der Hauptprobleme ist. Einfach ausgedrückt sie kennen es nicht anders, was niemanden von jeglicher Schuld freispricht aber wenigstens eine Erklärung ist mit der ich persönlich Leben kann und auch muss! Sonst wäre das alles nicht zu ertragen! Es ist nicht leicht etwas aufzuklären, ich meine Licht in den Tierschutz im Ausland zu bringen und warum es so wichtig ist zu Helfen ohne sie negativ zu beeinflussen. Jeder von ihnen sollte sich seine eigene Meinung bilden. Um ihnen nahe zu bringen was ich meine, möchte ich dieses spezielle Beispiel ans Herz legen. Das war mein Schlüssel’ Erlebnis, was heute noch dafür verantwortlich ist das ich von den Kreta Hunden nicht mehr los komme.....wie diese einfach nur dankbaren Tiere mein Herz erobert haben!!
Meine erste Fahrt für den Förderverein Arche Noah Kreta war im Jahr 2ooo, direkt nach den Weihnachts Feiertagen, mein ganzes Gefühlsleben war auf totale Harmonie eingestellt, -es war ja schließlich Weihnachten! Mein fahrbarer Untersatz hörte auf den Namen „Pyromane“, es war ein damals 28 Jahre alter Feuerwehr Bus......! Er war ein stolzer 6 Tonner und hatte eine Ausstrahlung die schwer zu beschreiben ist. Für mich ist er heute noch die Fahrkarte in ein besseres Leben ,- ein Fahrplatz so was wie ein Lottogewinn für Vierbeiner! Einfach ein LKW mit ein bisschen Herz, denn mit diesem Auto wurde schon so viel Gutes geleistet.
Gut, zurück zur Fahrt, einfach dauerte sie 2,5 tage- Allgäu – Ancona - Fähre nach Patra -Küstenstrasse nach Athen-Fähre nach Chania auf Kreta. Als ich nach 25 Stunden in Patra angekommen bin begann meine so harmonische Stimmung umzuschlagen..... ich war noch nie wirklich im Ausland und niemand hatte mich gewarnt, mir gesagt was mich hier erwartet. Es war ein Alptraum!
Die ersten Streuner waren direkt am Hafen…..und das was ich sah war für mich unbegreiflich, ich habe heute noch Tränen in den Augen wenn ich davon erzähle. Keiner dieser Streuner war nur annährend normal genährt, man konnte deutlich die Verletzungen am ganzen Körper erkennen. Man musste sie nur anschauen und konnte erahnen welch schreckliches Leid sie erfahren mussten. Einer der Hunde hatte wohl einen alten Bruch, lief nur auf drei Beinen, der Kopf voller alter sowie neuer Narben, dass Fell schmutzig, und überall Zecken. Das Bild dieses speziellen Hundes werde ich wohl im Leben nicht vergessen denn dann geschah etwas, was mein Bild über griechische Hunde geprägt hat - dieser so sehr gepeinigte und gebrochene Hund kam mit heruntergebeugtem Kopf, aber Schwanz wedelnd auf mich zu.... er war nicht böse....er wollte eine kleine Streicheleinheit, ein bisschen liebe.....und nahm dafür all seinen Mut zusammen was ihm sichtlich schwer fiel……denn die Seite von der er die Menschen kennen gelernt hatte, war eine Seite die ich zu dem Zeitpunkt nicht kannte ……aber er kam! und wollte nicht mehr gehen….aber ich konnte ihn nicht mitnehmen was mir so wehgetan hat aber wenigstens war er da mal richtig Satt ! (ich habe ihn nie wieder gesehen….)
Als ich mich so gut es mir möglich war gefasst hatte fuhren wir Richtung Athen. Wer deutsche Strassen kennt weiß, das wenn mal ein Tier anfährt, man es zum Tierarzt fährt oder wenigstens von der Strasse räumt-....... mein Gott wo bin ich hier? Die Strecke die vor uns lag waren ca. 25o km Küstenstrasse, die für mich die pure Hölle waren. Am Straßenrand lagen tote Katzen, Hunde, sogar eine tote Ziege! Dort ist es eine schlechte Sitte so lange diese armen Tiere zu überfahren, bis nur noch das leere, vertrocknete Fell überbleibt. Und was meine Erfahrung angeht dauert das sehr hange, ich habe im letzten Monat (Juli)erst ein solches Fell gesehen wo ich Anfang letzten Jahres die Hundeleiche hab liegen sehen.
Dann kam Athen, dort am Hafen erartete mich dasselbe, nicht leicht zu ertragende Bild der Streuner. Es folgten noch mal 11 Stunden Fähre ----- dann unser Tierheim in Chania, ein kleines Licht in großer Dunkelheit. Ich habe in meinem Leben noch kein vergleichbares Leid gesehen, aber auch nicht Tierärzte die dieses Leid mit so viel Liebe versuchen in einem erträglichen Rahmen zu halten. So nah war ich Tot und Leben noch nie. Manche Hunde waren so krank das man sie nur noch vom Leiden erlösen konnte, andere dagegen sprangen quitsch fidel durch die Zwinger, und es war kaum zu glauben das auch diese Hunde dem Tot mal näher waren als dem Leben! Und dann waren da noch die Babys.....und so viele....eines schöner als das andere, große, kleine, langes Fell, kurzes Fell, einfarbig und ganz Bunt, für jeden Geschmack etwas!
Das war dann auch für mich der Moment wo ich wusste das es sinn macht, diese Hunde nach Deutschland zu bringen. Hier haben diese Hunde keine Zukunft, und bei uns würden sie treue Weggefährten, die uns viel Freude bereiten. Es sind Lebewesen die ein Recht auf ein würdevolles Leben haben! Kein Mensch hat das Recht über Leben und Tot zu entscheiden.
Wie sollte man denn auch entscheiden welches Tier leben darf und welches nicht. Die Hauptaufgabe der Tierärzte ist aber eine andere, erwachsene Streuner kastrieren und die Einheimischen aufklären. Beides fruchtet mittlerweile und zeigt erste Erfolge. Nun wieder zu meiner Fahrt zurück. Ich habe in den zwei Tagen die ich in Chania verbracht habe noch viel Schreckliches gesehen. Meine körperliche wie seelische Verfassung war verheerend, ich hatte auch nicht die zeit das gesehene zu verarbeiten, an schlafen was nicht wirklich zu denken. Zu diesem Zeitpunkt wollte ich nur Heim, das alles war eindeutig zuviel. Ich kann das kaum beschreiben ich habe viel geweint und ab und zu daran gezweifelt das der liebe Gott wirklich alles sieht und wenn ja warum lässt er dieses leid zu???Dann kam die Heimfahrt! Es waren 74 stunden die natürlich mit viel Arbeit verbunden waren.....Zwinger sauber machen, Gassi gehen und was sonst noch so anfällt. Geschlafen wurde bei den Hunden. Und dann das womit ich ja gar nicht mehr gerechnet hatte denn meine Meinung, das ich so was nie mehr sehen möchte, hat sich total gewendet. Jeder einzelne Hund bei diesem Transport hat mir dann geholfen das zu verarbeiten was ich gesehen hatte .... diese Hunde hatten so viel liebe zu geben, das mir irgendwann klar wurde was das wichtigste war.....die Hunde! Ab diesem Moment hatte ich den Wunsch es noch vielen Hunden zu ermöglichen ein besseres Leben zu führen. Ich bin zwar nur eine von mehreren Fahrern aber ich denke dass auch ich dem ganzen leiste. Es ist egal wo man hilft, die Hauptsache ist das man es tut! Nachtrag: An dieser stelle sollte noch gesagt sein das ohne die vielen Spenden all das nicht möglich wäre! Danke! Im Namen aller Hunde die gerettet werden konnten……denn es hat nicht jeder dieser Kreaturen dieses Glück………..viele sterben noch heute ( Nov. 2oo6) auf den Strassen unserer doch so heilen Welt……….. Karina Wüst
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