
Alkioni, ein kleiner griechischer Engel
Das Schicksal hat Alkioni und uns zusammen geführt. Ein schwerer Unfall besiegelte ihre – unsere – Zukunft. Eine Zukunft voller Liebe, Geborgenheit und ganz vielen Streicheleinheiten.
Der Frühling hatte grad begonnen, als eine liebe Tierschützerin auf den Weg in die Stadt einen kleinen Hund mitten auf der Fahrbahn sitzen sah. Ohne lange zu überlegen stoppte sie ihren Wagen und lief hin zu dem kleinen Fellbündel um ihn in Sicherheit zu bringen. Dieses kleine schwarze „Ding“ saß regungslos da und die Autos, Busse und LKWs sausten ohne Rücksicht, Links und Rechts daran vorbei. Regungslos und völlig apathisch ließ sich der kleine Hund, ein völlig unterernährter Welpe an den Straßenrand tragen. Es war eine kleine Hündin, höchstens drei Monate jung, ihre Rippen und die Wirbelsäule waren nur noch umhüllt von dünner Haut, die Vorderbeinchen waren durch Futter.- und Vitaminmangel stark gebogen. Sie konnte nicht laufen, ihr Hinterteil lag schlaff auf dem Asphalt. Nur mit den Vorderbeinchen versuchte die kleine sich fortzubewegen. Georgia, wie diese Frau hieß, brachte den kleinen verletzten Welpen ins Tierheim KAZ - Shelter. Endlich gab es seit unendlich langer Zeit etwas zu fressen. Man fuhr mit ihr zum Tierarzt, der einen schweren Bruch im rechten Oberschenkel feststellte und es wurde sofort operiert. Der Bruch wurde mit einer Metallstange fixiert und man ließ diese noch einige Zentimeter aus dem Oberschenkel heraus ragen. Der Tierarzt hat alles falsch gemacht, was falsch gemacht werden kann, er hat noch nicht einmal feststellen können ob es sich um einen frischen oder schon älteren Bruch handelte. Die Schmerzen nach der Operation müssen für Alkioni (den Namen gab man ihr im Tierheim) kaum auszuhalten gewesen sein. In der Nacht hat sie sich dann, schreiend vor Schmerzen, die Metallstange selber aus dem Oberschenkel gezogen.
Ein Pfleger fuhr sofort mit ihr zu einem anderen Tierarzt, der die Wunde sorgsam versorgte. An der Bruchstelle wurde nichts mehr gemacht. Der Knochen wurde durch die Metallstange zusätzlich noch verletzt und Spezialisten, die aufgesucht wurden, waren sich alle einig – diesen Bruch kann man nicht mehr richten. Alkioni lebte nun im Büro des Tierheims, sie bekam gutes Futter, einen weichen und warmen Schlafplatz und wahrscheinlich das erste mal in ihrem noch so kurzem Leben die Liebe und Wärme von Menschen zu spüren.
Den Namen Alkioni hat ihr Vana, der Engel des Tierheims, gegeben. Alkioni war in der griechischen Mythologie eine Nymphe in die Zeus verliebt war. Sie aber wies ihn ab und er verwandelte sie vor lauter Zorn in einen Vogel. Sie legte ihre Eier im Januar, die aber von der eisigen Kälte nicht zu neuem Leben heranreifen konnten. Aus Mitleid hat Zeus befohlen, das, wenn Alkioni ihre Eier auf die Welt bringt, das Wetter trocken und warm sein muss. So gibt es seit der Antike das Phänomen, 20 warme und sonnige Tage im Januar – die Alkioni Tage.
Die Zeit heilt alle Wunden und so ging es ihr von Tag zu Tag besser. Die Knochen wuchsen schief zusammen aber immerhin – das Mäuschen kann wieder laufen. Alkioni wollte leben, kämpfte und hat gesiegt. Hier in Deutschland hat die kleine Maus viele Herzen berührt und eine Welle von Spenden traf für sie in Griechenland ein, auch Patenschaften wurden übernommen. Schon bald war sie nicht mehr zu bändigen und entpuppte sich als ein reines Energiebündel. Nun konnte sie in einen Zwinger ziehen, wo sie Jason, der mit einem schweren Beckenbruch ins Tierheim kam, kennen und lieben gelernt hat. Die beiden waren ein Herz und eine Seele. Jason fand eines Tages seine Familie und Alkioni blieb alleine zurück.
Knapp ein halbes Jahr nach dem plötzlichen Tod meiner Hündin Bonny, fühlte ich mich bereit, einem neuen Hund meine Liebe zu schenken. Meine alte Hündin Laika und ich hatten beide sehr gelitten, aber jetzt sollte es Zeit sein, einer armen Seele – einem Straßenhund - ein neues Heim zu geben.
Wir wurden auf die „kleinen-pfoten“ aufmerksam und verliebten uns in Alkioni die dort vorgestellt wurde. Am 1 August 2006 holten wir sie in Düsseldorf am Flughafen ab und endlich hatte auch sie ihre eigene Familie. Am selben Abend ist sie völlig erschöpft in meinen Armen eingeschlafen.
Mit ihrer Behinderung lebt sie sehr gut und ist kaum zu bändigen. Sie liebt Hundesport, auch wenn sie nicht über die Hürden springen darf. Es gibt ja noch eine Menge anderer Geräte. Bei einem Hunderennen hat sie von 24 Teilnehmern den 11 Platz gemacht. Es waren alles kerngesunde Hunde und Alkioni hat allen gezeigt wie schnell sie ist. Ich bin so unendlich stolz auf meine kleine Maus, die trotz ihrer schlimmen Erfahrung die Lebensfreude nicht verloren hat.
Alkioni lebt nun seit über einem Jahr bei uns und sie ist ein gelehriger, verschmuster, intelligenter aber auch dickköpfiger und selbständiger Hund geworden.
Inzwischen lebt auch Laura aus demselben griechischen Tierheim bei uns und meine alte Laika hilft mir dabei die beiden Temperamentbündel zu bändigen. Sie sind einfach nur wunderbare Hunde und jede von ihnen trägt ihr eigenes kleines Geheimnis mit sich. Dieses Geheimnis hat sie geprägt und zu den Persönlichkeiten werden lassen, die sie heute sind.
Ganz ganz herzlichen Dank an Vana , Georgia, den Menschen aus dem Tierheim KAZ – Shelter in Griechenland und den vielen lieben Menschen, die ihr Herz für Alkioni geöffnet haben.
Ganz viele Bilder der beiden Griechinnen sind auf meinen HP’s www.alkionis-stern.de und www.meine-tatzenbande.de zu sehen
Danke
Karin mit Laika, Alkioni (Lina) und Laura
2007 Alle Rechter beim Verfasser
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