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Ungarn - Ganz alltägliche Dorfgeschichte

von Uta Trapp
 
 Morgens, noch dunkel, höre ich ein Qietschen, zum Steinerweichen.
 Schreck! Lauschen, horchen: Was? Woher?
 Raus mit Morgenrock und Gummistiefeln, mistiges Wetter, den Lauten
nach..
 Ich lande am Schuppen meiner Nachbarn, bei Irene.
 Klopfen, Irene öffnet, noch im Nachthemd, blinzelt verschlafen.
 Sie weiß sofort, was gemeint ist.
 Öffnet den Schuppen, heraus hoppelt ein winziges Hundebaby.
 Ich denke, ich sehe nicht richtig..
 Irene berichtet, ihre Schwiegertochter habe ihr verboten, den kleinen
 Kerl ins Haus zu nehmen.
 ..... Der ist aber derweil schon im Haus.
 Ich bekomme eine Tasse Kaffee und schimpfe trotzdem.
 Kräftig, wie nie zuvor.
 Wieder zurück, es ist jetzt hell, noch immr in Morgenrock und Stiefeln,
 rufe ich Stephan an, in Deutschland.
 Stephan ist mein Mann, ist "Ungarrrr" und heißt in Ungarn István
 Ich platze vor Wut..
 Der ruft dann bei Irene an, Gespräch länger als eine Stunde.
 An diesem Tag kein Quietschen mehr. Hundekind ist offensichtlich nicht
 mehr im Schuppen abgestellt.
 Bin trotzdem ganz krank, weil ich nicht weiß, was nun Sache ist (hier
 ist alles möglich), will es wissen.
 Tags darauf kommt morgens strahlend Irene ans Tor: Hundchen darf
 bei ihr sein, nicht mehr im Schuppen...
 Schwiegertocher ist beleidigt, erlaubt es nun aber
 Wieder tags darauf: 
 Die Laufleine von "Bodri", dem großen Hund an der Kette ist seit mehr
 als einer Woche gerissen..
 Bodri hängt am Baum mit zu kurzer rostiger Kette. Kümmert keinen.
 Hatte bereits alles neu gekauft, lange Kette, Drehbefestigungen und
 wartete auf passende Gelegenheit...
 Also "rüber" mit Ezsti. Ezsti ist die Tochter von Irene. Sie hilft mir
 in Haus und Hof..
 Sie muß mit und helfen.
 Beleidigt erscheint die Schwiegertocher: "Laufleine geht nicht mehr,
 Bodri frißt Hühner und Eier"
 Erscheint der kleine Wauzi, kommt aus dem Heizungsraum! Dort steht ein
 Körbchen.
 Erscheint Mutter Irene: "Hühner und Eier sind nicht wichtig, Bodri soll
 wieder laufen können."
 Schwiegertochter verschwindet mit saurer Miene in ihrer Wohnung.
 Der kleine Wauzi ist währenddessen in Irenes Wohnung gewackelt,
 dort gleich umgefallen und schnarcht in einem Nestchen unter dem Stuhl .
 
 Eszti und ich schliddern im Dreck herum. Bei Hund Bodri.
 Der ist entzückt, ich rutsche wie auf Eis, hier ist Lehmboden...
 Bodri bekommt die neue Kette, die neue, mit allen Schikanen.
 Laufleine kann ich leider nicht reparieren.
 Alle und alles ins Auto, Eszti muß wieder mit..
 Hin zu Bela und Csaba, am anderen Ende des Dorfes.
 Dort, ein klapperdürrer Hund an der Kette, schön im Dreck.
 Ein Stück weiter der nächste, an der Kette und auch im Dreck.
 Ich bekomme einen Wutanfall ob der Zustände im allgemeinen und im
 insbesonderen.
 Csaba und Bela sind nicht da.
 Erzsi,. Elisabethchen, erscheint, die Frau von Bela, eine ältere,
 unglückliche Frau.
 Sie spricht deutsch, gibt mir in allem recht, fängt an zu Weinen.
 Ich halte inne, umarme sie, tröste sie.
 Ezsti im Auto, schaut stumm zu.
 Wieder im Auto fluche ich weiter.
 Gestern,
 Bodri bellt und bellt und bellt.
 Ein Blick hinüber reicht.
 Er hat sich mit der Kette verfangen und hängt unbeweglich am Baum..
 Irene ist nicht da. Ich muß aber rüber.
 Zur beleidigten Schwiegertocher.
 Klopfe an die Tür und "backe kleine Brötchen"
 Beleidigte Schwiegertocher ist unerwartet freundlich.
 Kleiner Wauzi läuft draußen herum.
 Wir befreien zusammen den armen Bodri, wickeln die Kette vom Baum ab.
 Ich sehe wieder aus wie Schwein.
 Beleidigte Schwiegertochter lädt mich zum Kaffee ein.
 Von mir kein Wort wegen des Hundebabies. Der Kaffee ist ein
 Friedensangebot..
 Sitze in der überheizten Wohnung und lobe alles über den grünen Klee.
 Muß nicht lügen, sie hat alles nach ihrem Gusto toll gemacht.
 Bewundere das Kind, muß auch hier nicht lügen, es ist entzückend..
 
Ergebnis
 Vier Tage "Basisarbeit" :
 Platzen vor Wut - Haare raufen vor Verzweiflung - streitbare
 Entschlossenheit - Eiertanz - Ohnmacht.....
 
 Hundchen hat Körbchen im Heizungsraum
 Irene hat Stoffhäuschen bekommen für den kleinen Scheißer.
 Steht in ihrer Wohnung, das schönste auf der Welt.
 Hundchen darf bei Irene sein.
 Der Fifi kann auch draußen herumhopsen, Grundstück ist gesichert.
 Fifi heißt "Bobby" und kommt nicht an die Kette. .
 Bodri darf weiter an der Laufleine laufen.
 Die Laufleine ist zur Reparatur bei Bela und Csaba.
 Wenn fertig, *darf* ich sie wieder anbringen.
 Beleidigte Schwiegertochter ist nicht mehr beleidigt.
 Irene strahlt.
 Ezsti verschlägt es die Sprache, morgen kommt sie aber wieder.
 Die Frauen sind wieder einmal gewonnen. Bis zum nächsten Drama.
 Und die Männer? Der eine wird sich grämen, wegen des schlechten
 Einflusses auf seine brave kleine Frau Ezsti,
 so oder so, er bringt die Laufleine nicht an..
 Der andere bekommt noch eins von mir auf den Hut
 und trotzdem wieder Zigaretten, wenn er keine hat -
 so oder so wird er auch nicht die Laufleine anbringen.
 
 Alles zum besten? Das wäre zu schön.
 Wir sind in Ungarn!
 Morgen kann durchaus wieder alles so sein wie vor vier Tagen.
 Ende der Geschichte war gestern, heute war ich fix und fertig, "unterm
 Froschpopo", wie man in Ungarn sagt.

Alle Rechte bei Uta Trapp



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